Pirmasens
Welche Schätze liegen im Boden der Pfalz verborgen?
Der Pfälzerwald ist geprägt von bizarren Felsformationen aus Sandstein. Rot, orange, gelb – wer an den auffälligen Felsen vorbei wandert, erlebt ein buntes Farbenspiel und sieht, welche Zeichen die Zeit im weichen Gestein hinterlassen hat. Doch Sandstein ist längst nicht alles, was die Pfalz in Sachen Gestein zu bieten hat, erzählt Claire Schmitt. „Viele wissen gar nicht, was es vor der eigenen Haustür alles gibt“, sagt die 18-jährige Schülerin aus Münchweiler.
Bis vor einiger Zeit ging es ihr selbst so, doch in diesem Jahr hat sie sich das Gestein ihrer Heimat einmal ganz genau angesehen. „Ich habe mich schon in der fünften Klasse für Erdkunde interessiert“, erzählt Claire Schmitt. Heute besucht sie die 12. Klasse des Leibniz-Gymnasiums und hat neben Mathematik und Biologie auch Erdkunde als Leistungskurs belegt.
Die Geologie der Pfalz
Genau in diesem Fach wollte sie eine Facharbeit schreiben, eine freiwillige schulische Leistung, um sich zum ersten Mal wissenschaftlich mit einem komplexeren Thema auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Erdkunde-Lehrer Jochen Mathes hat die Schülerin ein Thema entwickelt: Eine Einführung in die Geologie der Pfalz. Sie habe schon immer aus dem Urlaub kleine Steine als Souvenir mitgebracht und dabei festgestellt, wie unterschiedlich die Gesteine sind, erzählt Claire Schmitt.
Für Lehrer Jochen Mathes war schnell klar, dass die Arbeit von Claire Schmitt deutlich über das hinausgeht, was ansonsten als Facharbeit geschrieben wird. Normalerweise seien zwölf Seiten plus Anhang gefordert, erzählt Mathes. Doch Claire Schmitt hatte etwas ganz anderes im Sinn. Etwas größeres. Als erstes arbeitete sie sich dazu durch die Literatur, die es bereits zum Thema gibt. Vor allem der Geologe Michael Geiger habe bereits ausführlich darüber veröffentlicht, erzählt Claire Schmitt.
Möglichst viele Gesteinstypen
Ausgerüstet mit diesem Hintergrundwissen machte sich die Schülerin auf die Reise quer durch die Pfalz, um Gesteinsproben zu sammeln. Das habe schon einiges an Zeit gekostet, zu manchen Fundorten sei sie mehrfach gefahren. Es sei spannend gewesen zu sehen, was über Jahrmillionen geologisch vor Ort passiert sei. Besonders faszinierend findet Claire Schmitt den Rheingraben, an dem sich unterschiedliche tektonische Formen beobachten lassen und so ein Stück Erdgeschichte erlebbar wird. Ihr war wichtig, möglichst viele verschiedene Gesteine zu sammeln, um eine große Vielfalt zu zeigen.
Auch ein Standort in Pirmasens, an dem sich eine Schicht Muschelkalk über einer Schicht Buntsandstein abgelagert hat und beide Gesteinsarten übereinanderliegen, sei faszinierend gewesen. Vor allem die Vorstellung, dass dort vor langer Zeit einmal Wasser gewesen sei, das die Muscheln hinterlassen habe. Neben Gesteinsproben sammelte Claire Schmitt zusätzlich einige Proben Sand, der nichts anderes ist als gemahlenes Gestein.
Im Unterricht einsetzen
Gemeinsam mit ihrem Vater hat sie einen großen Holzsetzkasten gebaut, in dem alle 49 Proben untergebracht sind. Versehen mit einem Deckel, damit die Steine nicht zustauben. Geht es nach der jungen Schülerin, wird sie nicht die einzige sein, die mit diesen Proben arbeitet.
Ihr Ziel für die Facharbeit war es, anderen Menschen Wissen über die Geologie ihrer Heimat zu vermitteln und so hat Claire Schmitt die Facharbeit so aufgebaut, dass sie künftig für den Unterricht genutzt werden kann. Denn passend zur großen Gesteinssammlung gibt es ihre schriftliche Arbeit, in der jeder Fundort beschrieben ist sowie die Merkmale der Gesteine aufgelistet sind. Versehen mit Fotos und einer Landkarte lässt sich genau sehen, wo die Proben entnommen wurden. In einem separaten Ordner finden sich Fotos eines jeden Steines, so dass jedes Exponat sicher wieder zugeordnet werden kann.
Reine Eigenleistung ohne KI
Für Jochen Mathes stellt die Facharbeit eine Besonderheit dar. „Das ist eine reine Eigenleistung, da hat keine KI nachgeholfen“, sagt der Erdkundelehrer. Aus Interesse habe er bei der Plattform ChatGpt nachgeprüft, was die KI zum Thema Geologie in der Pfalz zu sagen hat. Wie sich herausgestellt hat: nichts originelles.
Für die Facharbeit gab es mit 15 Punkten das bestmögliche Ergebnis. Und Claire Schmitt ist sich sicher, dass sie auf jeden Fall etwas mit Erdkunde studieren will. Vielleicht Geologie, doch derzeit tendiert sie eher zur Meteorologie.
