Pirmasens Vintage für Fortgeschrittene: Nicole Kretschmer plant dritten Second-Hand-Laden
Im Nachbarladen der First & Second Hand Boutique Iconic, dem „Salon“, bietet Nicole Kretschmer extravagantes Vintage für Fortgeschrittene an. Und weil beide Geschäfte so gut angenommen werden, plant sie einen dritten Laden: Iconic Interior, ein Geschäft für Möbel, Wohnaccessoires, Dekoration und Skurriles.
Wer in Pirmasens Prada, Gucci oder Louis Vuitton sucht, der wird im Iconic Salon in der Bahnhofstraße vielleicht fündig. Wo der ist? Dort, wo früher der Juwelier Kretschmer residierte. Die Auswahl in beiden Läden setzt sich aus ihren Lieblingsstücken zusammen: Seide, Wolle und Kashmir sind die Materialien auf die Kretschmer setzt. Einige Stücke sind auch aus Polyester. Aber eigentlich ungern und nur der Tatsache geschuldet, dass manche Stücke im Design absolut überzeugen.
„Slow Fashion, slow shopping“
„Second Hand ist inzwischen nicht mehr wegzudenken“. Das ist die Erfahrung der Pirmasenserin, die sich sicher ist: „Second Hand wird die Super-Fast-Fashion schlagen und das dauert gar nicht mehr lange.“ Niemand könne sich der Frage erwehren, wo das große Loch sein soll, wo der ganze Überschuss an schneller, billiger Ware verbrannt werden soll. Sie hingegen verkaufe zeitlose Ware, für die sie sich aus einem Bauchgefühl heraus entscheidet.
Was bei ihr gleich neben dem Angebot im Mittelpunkt steht, ist das Einkaufserlebnis selbst – bei einem Cappuccino, schöner Musik und angenehmen Düften. „Slow Fashion, slow shopping“ heißt ihre Devise. Ihre Kundinnen sollen entschleunigen und sich in Ruhe in ihrem Repertoire umsehen. „Es ist wichtig, die Muse zu haben, meine Kollektionen genussvoll zu betrachten“, sagt sie. Denn hochwertige Mode sei auch ein gutes Investment. Was ihr mit am besten bei ihrer Auswahl gefällt: Ihre Kleidung, ihre Taschen, Schuhe und ihr Schmuck erzählen allesamt Geschichten. Zum Beispiel eine luxuriöse Tasche, in der noch ein Notizzettel steckt, wo sich besten Restaurants in St. Tropez befinden.
Anlaufstelle für alle Generationen
Ihre Ware kauft sie mal an, mal nimmt sie sie in Kommission. Das komme auf den Einzelfall an, erklärt die passionierte Modeexpertin. Second Hand und Vintage sei logistisch, wie auch von der Organisation her schwierig, gibt sie zu. Aber das sei es ihr Wert, denn letztendlich sei sie ein Vorreiter in der Region.
Im Iconic-Interior-Laden, der aller Voraussicht nach im ersten Quartal des Jahres öffnen wird, kommen Mid-Century- und Bauhausstil-Liebhaber auf ihre Kosten. „Wir haben privat einen Bungalow eingerichtet und gemerkt, wie sehr wir auf diesen Stil ansprechen“, erzählt Textilbetriebswirtin Nicole Kretschmer, die in München als Werbekauffrau und in der Möbelbranche tätig war. Was sie begeistert: Dass hier so ein unglaubliches Potenzial brachliege. „Sobald es ein spannendes Angebot gibt, kommen die Leute gern und haben Freude“. Genau das hat sie von Anfang an festgestellt und sie zum weitermachen animiert. Eventuelle Ressentiments seien komplett verschwunden. Sie ist zur Anlaufstelle für alle Generationen geworden, sogar für Damen über 70, die bei ihr einen Fundus für Originelles oder elegante Einzelteile gefunden haben. „Wenn sich die Kundinnen erst einmal eingefühlt haben, kommen sie gerne wieder“, erzählt die Geschäftsfrau und freut sich. Die Kundschaft sei nicht nur aus Pirmasens, sondern würde sogar aus Luxemburg, Frankfurt und München anreisen. Was ihr entgegenkommt: die Mentalität und der Wunsch der Menschen, einzigartig zu sein - charakterlich und auch im individuellen Stil.
Eigene Schmuckkollektionen in Tradition der Eltern
Mit Nicole Kretschmers Angebot will sie an die Tradition ihrer Eltern anschließen und Echtschmuck in Gold und Silber anbieten. Ihre eigenen Schmuckkollektionen lässt sie zum Teil in Portugal anfertigen. Und wenn sich eine Kundin in ein Kleidungsstück verliebt, das nicht hundertprozentig passt, sei das nicht schlimm, sondern eine Herausforderung für ihre professionelle Haus- und Hof-Schneiderin, die gerne tüftelt.
Was ihre Läden auszeichnet: Dass sehr hochpreisige Ware neben Kleidungsstücken hängt, die durchaus bezahlbar sind. Vor allem, wenn man die Qualität und den Herstellungsprozess mit der schnelllebigen Mode vergleicht. Und was auch nicht fehlt: kleine Mitnahmeartikel, die Freude machen: Matrjoschka-Figuren oder Hushpuppy-Hunde als Schlüsselanhänger.
Den Namen verdankt das Geschäft übrigens dem Vornamen der Inhaberin. Aus dem Vornamen Nicole wurde Ico-Nic-Ole. Ein bisschen verdreht und dadaistisch, was wiederum wunderbar zur Pirmasens passt.
Öffnungszeiten
Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 sowie auf Verabredung unter 0176 63055503.
