Pirmasens Unbegleiteten Gesang gemeistert

Das Markenzeichen von Quintense aus Leipzig war ein farbig-frischer, groovig-swingender Sound, der ihren Arrangements bekannter
Das Markenzeichen von Quintense aus Leipzig war ein farbig-frischer, groovig-swingender Sound, der ihren Arrangements bekannter Poptitel einen unverwechselbaren Charakter verlieh.

So unterschiedlich ihr Stil auch ist, eins haben die drei Ensembles Quintense aus Leipzig, Ringmasters aus Stockholm und Sixpack aus Bayreuth gemeinsam: Sie sind Meister des unbegleiteten Gesangs und ließen mit ihrer Kunstfertigkeit auch in diesem Jahr die A-Cappella-Nacht in der mit 430 Besuchern ausverkauften Bliesgau-Festhalle, die seit Jahren ein fester Programmpunkt des Festivals Euroclassic ist, zu einem besonderen Erlebnis werden.

Wie wandelbar und ausdrucksvoll die Stimme ist, kam besonders in den transparenten Stücken der Gäste aus Schweden zur Geltung. Der Stil der Ringmasters bewegte sich zwischen Liturgie und Folklore, Musical und Pop und erinnerte dazwischen auch immer wieder an den smarten Charme und die Exaktheit der Comedian Harmonists. Und doch hat die Gruppe aus Schweden ihren unverwechselbaren Sound. Dabei stand die Stimme ganz puristisch im Mittelpunkt, während die vier Sänger sich für das Ende ihrer Songs von den „Takes“ der US-Barbershop-Shows inspirieren ließen, mit denen sich Männer vor 100 Jahren in den USA die Wartezeit beim Friseur vertrieben. Malerisch und farbig gestalteten die vier jungen Männer im dunklen Anzug den schwärmerischen Hit „Tonight“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“; bei dem wundervollen Zusammenspiel der vier Stimmen vermisste man instrumentale Begleitung nicht eine Sekunde. Und für eine Überraschung sorgte natürlich der „Take“ - ein langgezogenes Tonight, das der Bariton als erster anstimmte und in das die Stimmen der anderen nach und nach einfielen. So humorvoll wie ihre Arrangements waren auch die meist englischsprachigen Moderationen der Sänger. „Ich singe all die Noten, die die anderen nicht machen,“ beschrieb Bariton Emanuel Roll lakonisch seine Funktion. „Kung Liljekonvalje“ fesselte durch die durchscheinende Klarheit der elegischen Klänge, durch die aber auch eine herbe Frische wehte. Auch der Gegensatz von hell und dunkel kam in dem gerade durch seine Einfachheit so ergreifenden Gesang mit seinen subtilen Nuancen wunderbar zur Geltung. Eine peppige Note brachten Jakob Stenberg, Rasmus Krigström, Emanuel Roll und Martin Walgren mit dem Frog-Song „Hello my baby my honey“ und einer Prise augenzwinkernden Humors ein. Das Markenzeichen von Quintense aus Leipzig war ein farbig-frischer, groovig-swingender Sound, der ihren Arrangements bekannter Poptitel einen unverwechselbaren Charakter verlieh und die Grenze zwischen Pop und Jazz aufhob. Die Stimmen von Sabrina Häckel, Katrin Enkemeier, Carsten Göpfert, Jonas Enseleit und Martin Lorenz ergänzten sich dabei gerade in ihrer Individualität zu einem wunderbaren Ensembleklang, und auch die Bühnenpräsenz des 2015 gegründeten Vokalquintetts riss die Besucher immer wieder zu spontanem Applaus hin. In dem Rescues-Song „My Heart with You“ bezauberten die Gäste aus Leipzig durch die nuancenreiche, schillernde Ausschattierung und die Ausdruckskraft, mit der jeder Sänger seinen Teil der musikalischen Erzählung gestaltete, unglaublich echt und eindringlich, in großen musikalischen Klangbögen und voll mitreißendem Gefühl. Helle, klare, schlackenreine Töne mischten sich hier mit soulig aufblühenden, kehligen Klängen und fanden sich zu einer Klangpalette zusammen, die das ganze Spektrum einer Band abdecken konnte, allein durch die Kraft und den Modulationsreichtum der Stimme. Auffallend war auch die bemerkenswerte rhythmische Sicherheit der fünf jungen Musikerinnen und Musiker, die ihr Publikum immer wieder zum Mitklatschen hinriss, ebenso wie die Wärme und das Temperament von Quintense, die jedem ihrer Songs ihren eigenen Stempel aufdrückten und die Zuhörer begeisterten. Lars Kienle, Markus Lohmüller, Chris Strobler, Bernd Esser, Markus Burucker und Johannes Betz, besser bekannt unter dem Namen „Sixpack“, aus Bayreuth steuerten dank ihres Countertenors Bernd Esser einen ganz speziellen Sound in der A-Cappella-Nacht bei. Ihre Arrangements umfassten so unterschiedliche Stücke wie die bekannte Barcarole aus Jacques Offenbachs fantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“, Richard Rodgers Jazzstandard „Blue moon“ oder Lee Majors Song „The Unknown Stuntman“ aus dem Jahr 1984, der durch den frischen Schwung ihres Sprechgesangs und die lautmalerischen Begleitlaute überzeugte, wobei auch der komödiantische Aspekt nie zu kurz kam und bei den Besuchern auf regen Beifall stieß.

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