Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Statt Schuhoutlet: Was aus früherem Bruckner-Komplex werden soll

Wissam El-Ekaoui – vielen besser bekannt als Habibi – will in Pirmasens weiter expandieren. In diesem Jahr möchte er eine weiter
Wissam El-Ekaoui – vielen besser bekannt als Habibi – will in Pirmasens weiter expandieren. In diesem Jahr möchte er eine weitere größere Immobilie in der Stadt kaufen.

Aus dem Schuhoutlet wurde nichts. Inhaber Wissam El-Ekaoui ist dennoch zuversichtlich, den Bruckner-Komplex gewinnbringend nutzen zu können. Warum er Ärger mit dem Bauamt hat.

Seit 20 Jahren kauft Wissam El-Ekaoui – besser bekannt als Habibi – in Pirmasens ein Haus nach dem anderen, saniert die Gebäude und vermietet sie. Oft sind es Häuser mit einem Ladengeschäft im Erdgeschoss, die Habibi zum Experimentieren nutzt – beispielsweise 2004 mit dem Betrieb eines Internetcafés in der oberen Hauptstraße oder mit einer Shisha-Bar in der Schlossstraße. Aktuell befindet sich dort eine Art Automatengeschäft.

Im vergangenen Jahr konnte er seinen bisher größten Kauf tätigen: Habibi erwarb den aus mehreren Gebäuden bestehenden Bruckner-Häuserkomplex an der Ecke Schloss-/Dankelsbachstraße. In letzterem gehören dem 53-Jährigen nun alle Anwesen bis Hausnummer 8 – in der Schlossstraße waren es bisher die Immobilien mit den Nummern 1, 3 und 7. Hausnummer 5, in der ein Versicherungsbüro residiert, fehlte ihm noch. Diese Lücke ist inzwischen geschlossen: „Ich habe es jetzt gekauft“, erzählt mit sichtlicher Freude der aus Palästina stammende Unternehmer, der 1996 wegen der Intifida aus seiner Heimat fliehen musste und seitdem mit seiner Familie in Pirmasens lebt.

Schuhoutlet: Unternehmen in Stadt ziehen nicht mit

Der ehemalige Laden von Elektro-Bruckner ist groß und verzweigt – Habibi hätte dort gerne zusammen mit mehreren städtischen Schuhunternehmen ein Schuhoutlet realisiert. Seiner Meinung nach wäre die Lage am Stadteingang ideal gewesen, damit die Schuhstadt Pirmasens direkt am Entree ihre Fähigkeiten zeigt. Es habe sich aber keine der Firmen einmieten wollen. „Die haben schon ihre Outlets an anderen Stellen in der Stadt. Das ist schade, aber nicht schlimm“, betont Habibi, der viele andere Angebote für die Ladenflächen bekommen habe. Unter anderem hätten Unternehmer dort einen Lebensmittelmarkt einrichten wollen – das wiederum wollte er aber nicht.

Jetzt werden aus dem Komplex Ausstellungsflächen für sein Unternehmen Habibi Bau GmbH und für die beiden Personaldienstleister, die seiner Tochter und seinem Sohn gehören. Spanndecken, Bäder, Fliesen und Laminat werden nun im Erdgeschoss präsentiert. Ein großes Büro hat er sich direkt an der Ecke eingerichtet, mit Blick auf die Kreuzung Zweibrücker/Rodalber Straße. An dieser Stelle hätte er gerne mit einem drei Meter hohen LED-Werbedisplay für seine Unternehmen und Veranstaltungen in Pirmasens geworben – direkt im Blickfeld der Autofahrer, die aus der Zweibrücker Straße in Richtung Stadt fahren. Das Bauamt habe sein Ansinnen jedoch abgelehnt: Er könne überall werben, aber nicht an dieser Wand, sei ihm gesagt worden – was er nicht verstehen kann.

Stadt: Werbeanlage verstößt gegen Planungsrecht

Eine solche Werbeanlage würde gegen das Planungsrecht verstoßen, begründet Maximilian Zwick, Pressesprecher des Rathauses, die Ablehnung. Im Bebauungsplan für das Gebiet seien Werbeanlagen oberhalb der Gebäudehöhe oder in Höhe von Wohnungen ausgeschlossen. Das Display von Habibi wäre zwischen den Fenstern von Wohnungen installiert worden. „Die Errichtung einer Werbeanlage im Bereich der oberen Wohngeschosse würde das Stadtbild beeinträchtigen, und ein hochwertiges Erscheinungsbild in der zentralen Innenstadt wäre nicht mehr gewährleistet“, so Zwick. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass die Bewohner durch die Werbung gestört würden.

Dessen ungeachtet läuft die Sanierung der Wohnungen und Büros im früheren Bruckner. Alle Wohnungen werden praktisch entkernt, erhalten neue Fenster, Elektrik, Wasserleitungen und neues Laminat. „Wir gehen überall von null auf 100“, erzählt Habibi beim Rundgang durch die Wohnungen. Im Juli will er die Hausnummern 1 und 3 in der Schlossstraße fertig haben. In der Dankelsbachstraße habe er eines der Häuser praktisch komplett an eine Glasfaserfirma vermietet, die dort ihre Arbeiter unterbringt. Ist diese Maßnahme abgeschlossen, beginnen dort die Renovierungsarbeiten. Die Hausnummern 6 und 8 in der Dankelsbachstraße seien später an der Reihe. Die dortigen Wohnungen seien noch vermietet. Mieter zu finden, sei kein Problem.

Nächstes Projekt: Fassade des Bruckner-Eckhauses

Die Arbeiten werden größtenteils mit eigenem Personal seiner Baufirma erledigt, berichtet Habibi. Bereits fertig sind die Wohnungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zwar sei im Treppenhaus noch das Flair des aus den Nachkriegsjahren stammenden Hauses zu spüren. In den Wohnungen selbst sei hingegen mit bodentiefen Duschen, Laminatböden und neuen Fenstern alles neu gemacht. Sehr wichtig sei ihm das äußere Erscheinungsbild der Häuser. Als nächstes wolle er deshalb die Fassade des Bruckner-Eckhauses in Angriff nehmen – und noch immer hoffe er auf eine Meinungsänderung des Bauamts.

Die Fassade soll in hellen und dunklen Grautönen gestaltet werden. Die Arkaden unten will Habibi mit italienischen Fliesen auskleiden und mit LED-Leuchtbändern ausstatten, damit es richtig hell für die Fußgänger werde. Das ganze Haus soll neu strahlen. „Ich will Dubai hierherbringen“, schwärmt er von der Fassadengestaltung des stadtbildprägenden Baus. Wenn die Neubauten auf dem früheren Kaufhalle-Gelände fertig sind, könnte ein schickes Stadtviertel entstehen, findet er.

Habibi: „Dann ist Schluss“

Obwohl mit den Immobilien in der Schloss- und Dankelsbachstraße noch viel Arbeit vor ihm liegt, will Habibi dennoch dieses Jahr eine weitere größere Immobilie in der Stadt kaufen. „Ich habe da noch was im Auge.“ Aber, so verspricht er, „dann ist Schluss“.

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