Pirmasens Stadtwerke: Das Jahresende hält den Energiepreishammer bereit
„2022 war für uns das Jahr politischer Purzelbäume und Unsicherheiten. Aufgrund der Ukraine-Krise und den daraus folgenden Sanktionen sowie den wirtschaftlichen Corona-Nachwirkungen, wie zum Beispiel erhöhte Nachfrage bei gestörten Lieferketten, stiegen die Energiepreise an den Börsen in einem atemberaubenden Tempo in bisher nie dagewesene Höhen“, fasst Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr das Jahr 2022 zusammen. Die Folgen: „Einige Energielieferanten nutzten diese Situation schamlos aus, um ihre zuvor günstig – für ihre Kunden – eingekauften Energiemengen teuer am Markt zu verkaufen und dadurch enorme Gewinne einzufahren und gleichzeitig die Belieferung ihrer Kunden einzustellen. Andere gingen insolvent, weil sie nicht in der Lage waren, sich kurzfristig die benötigte Energiemengen am Markt günstig zu beschaffen oder sich verspekuliert haben und damit keine Liquidität mehr vorhanden war.“
Auf diese Weise sahen sich die Stadtwerke mit vielen Wechselkunden konfrontiert, für die dann die benötigten Energiemengen teuer eingekauft werden mussten. Aufgrund dieser vollkommen neuen Marktsituation fehlten gesetzliche Regelungen, um die zusätzlichen Kosten verursachungsgerecht auf genau diese Rückkehrer umzulegen, sodass die Preise für alle stiegen.
Kurzfristige Entspannung im Sommer
Bei Strom stiegen die Preise zunächst leicht zum 1. April, weil für Wechselkunden zusätzliche Mengen eingekauft werden mussten. Zum 1. Juli entfiel dann die EEG-Umlage. Dies führte zu einer leichten und nur sehr kurzfristigen Entspannung bei den Strompreisen. Aufgrund der kontinuierlich steigenden Beschaffungskosten an den Börsen ließ der Preishammer dann zum Jahreswechsel nicht lange auf sich warten. Die Kunden erwarteten vertragsabhängige Preissteigerungen bei Strom zwischen 80 und 150 Prozent.
Bereits zum 1. April mussten die Stadtwerke die Gaspreise erhöhen. Zudem war bei Gas zum 1. November die Gasumlage beschlossen worden. Für Versorger bedeutet dies neben der Preisanpassung auch die vom Gesetzgeber vorgeschriebene, fristgerechte Kundeninformation mit allen damit verbundenen Kosten und dem entsprechenden Verwaltungsaufwand. Was dann passierte, war die politische Rolle rückwärts kurz vor dem Inkrafttreten der Gasumlage. Dazu Dörr: „Dieser Vorgang war einzigartig und bleibt hoffentlich eine einmalige Ausnahme, denn wir mussten die Arbeit von mehreren Wochen rückabwickeln. Damit war unser Personal hohen Belastungen ausgesetzt. Zeitgleich wurden die Fragen unserer Kunden nicht weniger und unser Kundenzentrum verzeichnete einen extrem hohen Beratungsbedarf.“
Neue Vertragsangebote im November
Der Gesetzgeber hat im Laufe des Jahres in Sachen verursachungsgemäße Kostenaufteilung nachgebessert. Damit haben die Stadtwerke am 2. November ihr Vertragsangebot neu aufgestellt. Ab diesem Datum konnten neue Verträge nur noch im Grundversorgungstarif abgeschlossen werden. Dörr hat Kunden, die bereits vor dem 2. November Stadtwerke-Kunden waren, ein befristetes Angebot zum Wechsel in einen günstigeren Sondervertrag unterbreitet: „In einer Sonderaktion, die vom 21. November bis zum 24. Dezember 2022 lief, war der Wechsel in Sonderverträge für diese Kundengruppe möglich. Von diesem Angebot haben etliche Kunden Gebrauch gemacht. Sie sind damit vor den wesentlich schärferen Preisentwicklungen in der Grundversorgung geschützt.“
Momentan fallen die Preise an den Energiebörsen verhältnismäßig stark. Diesen Effekt werden die Stadtwerke bei künftigen Energiekäufen nutzen. Aktuell jedoch wirkt sich dies auf die Endkundenpreise noch nicht aus. Der Versorger sichert zu, die aktuellen Beschaffungskonditionen bei seiner künftigen Preisgestaltung zu berücksichtigen, sodass Kunden auch wieder auf fallende Preise hoffen dürfen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich der Markt nachhaltig beruhigt.