Pirmasens
Stadtgutscheine laufen gut, Aktion leidet aber unter Corona
Am 21. Juni startete der Stadtgutschein, der über die Plattform „Keep local“ abgewickelt wird. Von den bisher verkauften 300 Gutscheinen sei bisher nur ein Drittel eingelöst worden, wie Jessica Haßdenteufel von Keep local erzählt. Der am meisten verkaufte Gutschein hatte einen Wert von zehn Euro, dicht gefolgt vom 50-Euro-Gutschein. Der größte mögliche Gutschein mit einem Wert von 250 Euro sei auch ein paar Mal verkauft worden, verrät die Mitarbeiter von Keep local. 36 Geschäfte, Restaurants und Friseure in der Stadt nehmen die Gutscheine an, informiert Rolf Schlicher vom Stadtmarketingverein, der die Aktion nach Pirmasens holte. Verkauft werden die Gutscheine an 20 Stellen in der Stadt und Werner Bachmann war mit seinem Geschäft in der Ringstraße einer der ersten, der die Gutscheine ins Schaufenster stellte.
Rund 40 habe er bisher verkauft, womit allein Bachmann 13 Prozent aller Gutscheine an den Kunden brachte. Die bei ihm verkauften Gutscheine hatten einen Wert von zehn bis 250 Euro, erzählt der Betten- und Matratzenfachmann. Eingelöst habe jedoch noch kein einziger Kunde einen Gutschein bei ihm, was er nicht gar so schlimm findet. „Das ist ein Türöffner für mich“, findet Bachmann, der über die Gutscheine Menschen in seinen Laden lockt, die ansonsten nie reingekommen wären. „Die Kunden sehen das im Schaufenster und kommen rein.“
Außerdem eröffnen die Gutscheine eine Werbeplattform für ihn. 500 Gutscheine habe er sich mit seinem Firmenlogo bedrucken lassen. „Das ist eine preisgünstige Werbung, die im besten Zusammenhang bei potenziellen Kunden landet“, meint Bachmann und spekuliert darauf, dass der mit dem Gutschein Beschenkte seinen Laden in bester Erinnerung behält, auch wenn er ihn nicht bei ihm einlösen will. Bachmann hofft, dass in Pirmasens noch namhafte Unternehmen die 44-Euro-Gutscheine ordern als steuerfreie Belohnung ihrer Mitarbeiter.
Monatlich darf jeder Unternehmer einen Gutschein über 44 Euro an die Mitarbeiter verschenken, ohne dass vom Finanzamt etwas davon abgezwackt wird. Auf die 44-Euro-Gutscheine hatte der Stadtmarketingverein große Hoffnungen gesetzt, um zusätzliche Kaufkraft in die Stadt zu bekommen. Wenn entsprechend große Firmen das nutzen würden, wäre das auch der Fall, meint Bachmann und nennt Profine oder Wasgau mit ihren zusammen mehreren tausend Beschäftigten als Beispiel. „Was da an Summen zusammenkämen“, schwärmt der Bettenverkäufer. Und alles würde vor Ort in die Läden gehen, statt sich im Internet weltweit zu verteilen, was der Sinn der Aktion von Keep local ist.
Laut Jessica Haßdenteufel nehmen die Unternehmensgutscheine an Fahrt auf. Allerdings nicht in Form des Pirmasenser Stadtgutscheins, sondern als Westpfalzgutschein, den Keep local auch anbietet. Der ist dann in der gesamten Westpfalz gültig. Für mehr als 100.000 Euro seien 2022 schon Unternehmensgutscheine ausgegeben worden, was mehr als 2270 Gutscheinen entspricht, die von Unternehmen in der Westpfalz für ihre Mitarbeiter gekauft wurden.
Ob die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie mit Lockdowns und 2G-Regelung im Einzelhandel sich auf den Schwung in der Keep-local-Kampagne ausgewirkt haben, kann Haßdenteufel nicht sagen. 2020 sei das Unternehmen noch nicht in der Westpfalz am Markt gewesen und habe somit keine Vergleichszahlen zu Vorpandemiejahren. Für Rolf Schlicher vom Pirmasenser Marketingverein ist aber klar, dass ohne Corona die Aktion viel besser laufen würde. Allein die Ansprache von Kunden und neuen Verkaufsstellen wäre ohne Corona viel einfacher.