Fussballmeister im Porträt
SpVgg Waldfischbach-Burgalben landet großen Coup mit „Universalgeheimwaffe“
„Von Anfang an klar war die Meisterschaft überhaupt nicht“, blickt der Trainer der Spielvereinigung von SG Waldfischbach und SV Burgalben, Reiner Wadle, auf die Saison zurück. Der Start war mit zwei Niederlagen (1:3 in Martinshöhe und 2:5 in Petersberg) sowie einem Unentschieden (2:2 in Maßweiler) in den ersten vier Auswärtsspielen sehr holprig. Nach sechs Spieltagen war der SVN Zweibrücken bereits neun Punkte voraus. „Wir hatten in der Hauptrunde zahlreiche verletzte Spieler zu beklagen, weshalb uns Altherrenfußballer und Spieler aus der zweiten Mannschaft immer wieder aushelfen mussten“, berichtet Wadle, der zu Saisonbeginn das Traineramt vom einstigen FKP-Torhüter Frank Steigelmann übernommen hatte.
Doch trotz des mäßigen Starts habe er erkannt: „Hier könnte was reifen.“ Und wie: Sukzessive sammelte Waldfischbach/Burgalben seine Punkte, derweil die Konkurrenz sich immer wieder Schwächen erlaubte. Und weil Wadle seiner Truppe drei Trainingsabende in der Woche verordnet hatte, verfügte sie über eine beachtliche Physis. Wichtig dabei: Seine Spieler hätten die Übungsabende eifrig besucht und mit Lust und Laune absolviert. Es habe sich eine verschworene Gemeinschaft gebildet. Beleg dafür seien die Unternehmungen der Spieler außerhalb des Sportplatzes. „Das fördert natürlich auch die Gemeinschaft auf dem Platz“, betont der aus Clausen stammende Coach.
Blitzsaubere Weste in den Heimspielen
Vor allem auf heimischem Rasen – ob in Waldfischbach oder in Burgalben – trumpften Wadles Schützlinge auf. Alle zwölf Heimspiele wurden gewonnen! Und weil die Kicker aus der Doppelgemeinde in der Hauptrunde insbesondere die Begegnungen gegen die Konkurrenz in der Aufstiegsrunde erfolgreich gestaltet hatten, übernahmen sie die Tabellenführung und gaben sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Elf Jahre nach dem Aufstieg der SG Waldfischbach von der B- in die A-Klasse war, nun gemeinsam mit dem SV Burgalben, der nächste Schritt gemacht: die erstmalige Qualifikation für die Bezirksliga Westpfalz.
In den zehn Jahren A-Klasse war Waldfischbach stets im Vorderfeld der Tabelle zu finden. Unvergessen die Statutenschlacht in der Aufstiegsrunde zur Bezirksliga 2018, als der Verband die SGW mit einer denkwürdigen Entscheidung ausbootete.
Ex-Handballer im Tor
Doch das alles war am 22. Mai 2022 in der dritten Minute der Nachspielzeit der Partie gegen den SV Hochstellerhof vergessen, als Außenstürmer Luca Dillinger den Treffer zum 4:3-Heimsieg erzielte und damit die Meisterschaft perfekt machte.
Im Tor des Meisters stand mit Kieran Sweeney wohl der größte Shootingstar im Team. Der Sohn eines Iren und einer Deutschen ist gar kein gelernter Torwart und sollte die Lücke ausfüllen, die der zum SV Hermersberg gewechselte und dort als Stammkeeper den Landesliga-Titel holende Sven Deppert hinterlassen hatte. Der früher Handball spielende Sweeney habe, so Wadle, „entscheidende Bälle“ gehalten und sei im Verlauf der Saison „immer besser geworden“. Weil Sweeney wegen seines Studiums in der kommenden Runde nicht zur Verfügung steht, steht künftig der vom FC Queidersbach kommende Sasa Djordjevic zwischen den Pfosten.
Vor Sweeney räumten die drei Innenverteidiger Jan Wollenschläger, Max Strütt und Bastian Felden ab. Wadle: „Alle drei sind zweikampf- und kopfballstark, wobei Jan wohl spielerisch am stärksten ist.“ Als Außenverteidiger sicherten links Lukas Wagner und rechts Max König das eigene Tor ab und machten zudem Druck nach vorne. Dann ist da noch dieser Felix Lapot. „Er ist unsere Universalgeheimwaffe“, lobt Wadle den vielseitig einsetzbaren Ex-Herschberger, der jeden Spieler, der mal fehlte, eins zu eins ersetzen konnte.
Zimmermann „liest“ das Spiel
Auf der Sechserposition durften sich beim Meister Freistoßspezialist Christian Küntzler (elf Tore) und der eminent laufstarke Stefan Zimmermann kreativ austoben. Wadle über Zimmermann: „Er kann ein Spiel lesen, lieferte oft Top-Vorlagen und nimmt durch sein intelligentes Spiel bereits viel Druck aus den gegnerischen Offensivaktionen.“
Auf der linken und rechten Außenbahn sorgten die sehr schnellen Justin Justus (fünf Tore) und Luca Dillinger (11), der Mann mit den meisten Einsätzen im Kader, für permanente Torgefahr. Im zentralen offensiven Mittelfeld wirbelte zunächst der Top-Torjäger der A-Klasse, der 31-mal erfolgreiche Julian Kölsch. Als in der Winterpause der ehemalige FKP-Oberligaspieler Sebastian Kuhnhardt (neun Spiele, neun Tore) den Kader ergänzte, rückte Kölsch in die Spitze vor. „Kuni“, wie Wadle Kuhnhardt nennt, sei für sein Team „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen. „Durch ihn waren wir noch schwerer auszurechnen, zumal sich die Gegner nicht mehr so sehr auf Kölsch konzentrieren konnten“, erzählt der 48-jährige Wadle, der dreimal mitspielte.
Strütt regelt alles
Wenn es eine „gute Seele“ in der Mannschaft gibt, dann ist dies Martin Gampfer. Der Ingenieur kam sowohl im Sturm als auch in der Innenverteidigung zum Einsatz. Und als bei ihm in der letzten Minute der Partie in Hilst das Kreuzband riss, wurden kurzerhand 80 T-Shirts mit der Aufschrift „Martin Gampfer Fußballgott“ angeschafft. „Die haben wir dann beim Aufwärmen vor dem entscheidenden Spiel gegen Hochstellerhof getragen“, berichtet Wadle.
Mindestens so wichtig wie ein Spieler ist indes Gerhard Strütt, der Spielleiter des A-Klasse-Meisters. „Er kümmert sich eigentlich um alles und hielt mir immer den Rücken frei. Weil er da ist, habe ich gerne eine weitere Saison angehängt“, sagt Wadle. Insgesamt sei die Unterstützung des Teams riesig gewesen. Stellvertretend nennt Wadle Hans Fischer und Fritz Küntzler, die bei der SG Waldfischbach ebenso wie Walter und Willi Entenmann beim SV Burgalben dafür sorgte, dass der Rasenplatz stets in einem Top-Zustand war.
In der Bezirksliga freut sich Wadle auf viele reizvolle Derbys. Dann nicht mehr dabei sind Julian Kölsch (zum FC Rodalben) und Max Strütt (zum SV Hermersberg).
DER MEISTERKADER
Torhüter: Nico Bock 30 Jahre/1 Einsatz/kein Tor, Matthias Jordan 35/3/0, Jannik Sagmeister 30/1/0, Kieran Sweeney 27/19/0
Abwehr: Bastian Felden 26/22/1, Daniel Hahn 32/5/0, Maximilian König 32/19/3, Maximilian Strütt 27/19/1, Lukas Wagner 27/17/2, Jan Wollenschläger 25/21/6
Mittelfeld: Luca Dillinger 20/23/10, André Groß 48/2/0, Justin Justus 23/18/5, Christian Küntzler 29/21/11, Felix Lapot 24/22/1, Philipp Schneider 26/7/0, Steven Stecklein 21/2/0, Reiner Wadle 48/3/1, Lukas Wilhelm 25/4/1, Stefan Zimmermann 32/15/3, Dominik Zischkale 29/1/0
Angriff: Paul Entenmann 19/2/0, Martin Gampfer 33/15/2, Dennis Jörg 31/6/0, Julian Kölsch 27/22/31, Johannes König 29/2/0, Sebastian Kuhnhardt 31/9/9, Jens Luscher 26/2/0, Moritz Neupert 27/5/2, Christian Nikolaus 36/1/0, Thomas Zimmer 29/2/0.