Pirmasens Spiegel der Gesellschaft
Seit Mitte der 50er Jahre gibt es in Pirmasens die Bewährungshilfe, ein Sozialdienst der Justiz, der dem Landgericht Zweibrücken untersteht. Sechs hauptamtliche Mitarbeiter, allesamt Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen, kümmern sich jeweils um 80 bis 85 straffällig gewordene Bürger in der Stadt und den umliegenden Gemeinden.
Zu den täglichen Aufgaben der Bewährungshelfer gehört die Kontrolle der jeweiligen Auflagen ihrer Klienten, wie Therapieverpflichtung, Einhaltung von Drogentests, Aufsuchen der Schuldnerberatung, Schadenwiedergutmachung oder Ableistung von Sozialstunden. Darüber hinaus wird der Klient bei Behördengängen, Jobsuche und Wohnungsfindung unterstützt. „Es gibt eigentlich keinen ,typischen’ Arbeitstag in der Bewährungshilfe, weil jeder Klient unterschiedliche Anforderungen an einen stellt“, meint Dominik Germann, der seit 17 Jahren in der Bewährungshilfe arbeitet. Manche benötigten Begleitung beim Aufsuchen fachlicher Hilfen oder Unterstützung bei Behördengängen, während andere solche Aufgaben zuverlässig alleine bewältigen können. „Die Bewährungshilfe ist sehr individuell, je nach Klient sind völlig unterschiedliche Themen vorherrschend“, bestätigt Kollegin Barbara Breiner. Es werde mit jedem Klient ein auf ihn zugeschnittener Hilfeplan erarbeitet, der die Schwächen und Stärken des Einzelnen berücksichtigt. Die Arbeit der Bewährungshilfe spiegelt die gesellschaftliche Situation wieder. Prinzipiell habe sich in Pirmasens im Laufe der Jahre nicht viel geändert, da die vorherrschende Problematik, die hohe Arbeitslosigkeit und die relativ hohe Anzahl an sozial benachteiligten Familien, sich nicht wesentlich verändert habe, konstatiert Christine Jaeger, die seit mehr als 25 Jahren in der Bewährungshilfe tätig ist. Eigentumsdelikte, Betrugsfälle, Beschaffungskriminalität und Körperverletzungen seien die überwiegenden Vergehen, weswegen die Leute verurteilt worden sind. Durch die allgemeine Zugänglichkeit des Internets seien im Bereich der Betrugsfälle und des Mobbings in den letzten Jahren viele neue Strafsachen hinzugekommen, sagt Germann. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei die Hemmschwelle für kriminelle Aktivitäten via Internet oftmals niedriger, da illegale Handlungen abstrakter erscheinen. „Was sich in den letzten Jahren verändert hat, ist die Zunahme von Klienten, die eine psychische Erkrankung im Hintergrund haben“, erläutert Germann. Aber auch dies gebe lediglich die gesamtgesellschaftliche Situation wieder, da die Zahl der psychisch erkrankten Mitmenschen in den vergangenen Jahren überall angestiegen ist. Es werde auch mehr angezeigt, als es früher üblich war. Vieles was vor einigen Jahren mit Gesprächen beigelegt wurde, wie Körperverletzungsdelikte oder Mobbing unter Jugendlichen, führe heute viel schneller zur Anzeige, was sich zwangsläufig auch auf die Zahl der Verurteilten auswirke. Die Mehrheit der Klienten stamme aus der Stadt, da hier oft die Mechanismen und Strukturen fehlen, die auf dem Land noch greifen. Familiäre Bindungen, Nachbarschaftshilfe und die dörflichen Netzwerke federn schon vieles ab und haben gerade auf Jugendliche einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, sagt Jaeger. Die demografische Entwicklung dürfe man auch nicht außer Acht lassen. Delikte wie Körperverletzungen, Drogenmissbrauch oder Betrügereien nehmen mit zunehmendem Alter ab. Besonders schwierig für eine sinnvolle Bewährungshilfe seien die chronischen Wiederholungstäter, ist die einhellige Meinung. Es seien „Klienten, die im Grunde über keinerlei Einsicht verfügen und die unterschiedlichen Hilfsangebote auch nicht wirklich annehmen wollen.“