Pirmasens So funktioniert ein „Jugend debattiert“-Wettbewerb

Hat das Regionalfinale von "Jugend debattiert" gewonnen: Felix Schäfer aus Pirmasens. Am 7. Mai wird er in Mainz zum Landeswettb
Hat das Regionalfinale von »Jugend debattiert« gewonnen: Felix Schäfer aus Pirmasens. Am 7. Mai wird er in Mainz zum Landeswettbewerb antreten.

Debatten sind spannend, wenn Redner richtig vorbereitet sind und nicht nur reden, sondern auch gut zuhören können. Das will allerdings gelernt sein. Deshalb wurde am Leibniz-Gymnasium der Wettbewerb „Jugend debattiert“ etabliert. Der Pirmasenser Felix Schäfer hat es sogar bis zum Regionalentscheid geschafft.

Felix Schäfer ist einer der besten Debattierer in der Westpfalz. Eigentlich hat sich der 18-Jährige in seinen Leistungsfächern der Mathematik, der Physik und der englischen Sprache verschrieben, doch als er nur mal in die Arbeitsgemeinschaft „Jugend debattiert“ reinschnuppern wollte, war es schon passiert – und schwups, war er an Bord.

„Ich wollte das nur mal ausprobieren“, erzählt der frischgebackene Abiturient (Schnitt von 1,4). Ruckzuck sei er mittendrin gewesen im Wettbewerbsgeschehen: erst im Klassenwettbewerb, dann im Schulwettbewerb. Und am 29. Februar hat er schließlich den zweiten Platz des Regionalverbundswettbewerb gewonnen, das Regionalfinale des Großraums Kaiserslautern. Am 7. Mai gehe es dann nach Mainz zum Landeswettbewerb, freut Felix Schäfer, der trotz seines Erfolgs nicht in die Politik gehen will, sondern in Kaiserslautern ein Maschinenbaustudium anstrebt. Trotzdem: Wenn er die Hürde im Mainz nimmt, wird er auf Bundesebene in Berlin am Start erwartet.

So funktioniert der Wettbewerb

Wie funktioniert ein Debatten-Wettbewerb? Vorab bekommen die Teilnehmer die Streitfrage, erklärt Stefan-Fabian Lutz, Lehrer am Leibniz-Gymnasium. Bei Felix Schäfer sei das beispielsweise das Thema Grunderbe gewesen: Soll jeder Mensch in Deutschland zum 18. Geburtstag ein Grunderbe erhalten? So sei die Aufgabenstellung formuliert gewesen. Dazu habe er zwei Pro- und zwei Contrapositionen vorbereiten müssen, wobei er ein Team an der Seite hatte, denn glücklicherweise hat Felix Schäfer von seinen Mitschülern Unterstützung erhalten. „Die ganze Stufe hat mir geholfen“, erzählt er begeistert. Das Los entscheide dann die Position, die vertreten werden soll, erklärt der Lehrer weiter. Nach einer Eröffnungsrede gehe es los. Zwei Wettbewerbe und zwei Debatten hat der ehemalige Schüler bis zum jetzigen Punkt schon für sich entschieden.

Seit 2014 gibt es den Wettbewerb „Jugend debattiert“ am Leibniz, weil die Schülersprecher das damals vorgeschlagen hatten. Stefan-Fabian Lutz, der neben Latein auch Sozialkunde unterrichtet, hat die Organisation des Wettbewerbs an der Schule von Beginn an übernommen. „Als Voraussetzung dafür musste ich eine Fortbildung machen“, erklärt der Lehrer, der mit seinen Schülern schon drei Mal für das Finale nach Berlin gefahren ist. Inzwischen ist er selbst Trainer, der Kollegen ausbildet, um die Arbeitsgemeinschaften „Jugend debattiert“ zu leiten.

Vier Kriterien sind entscheidend

Teil der Debattenkultur sei, dass durch Perspektivenwechsel die Persönlichkeitsbildung gestärkt werde. Rede, Gegenrede und Debatte seien wichtig, aber auch Körperhaltung, erklärt Lutz, auf was es in der wöchentlich stattfindenden AG ankomme. Mit einer Glocke würden penibel Redezeiten eingehalten. Auffällig sei, dass in der AG nur Schüler aus der Sozialkunde mitmachen würden, berichtet Lutz. Aus der Fachschaft Deutsch sei bisher niemand seiner Kollegen zu einer Teilnahme zu überzeugen gewesen, obwohl sie ihre Schüler viel besser begeistern könnten als er, der die Schüler gar nicht unterrichte.

Vier Kriterien seien entscheidend, um die Debatte zu gewinnen, erläutert Lehrer Lutz. Das seien neben Sachkenntnis und Recherche auch das Ausdrucksvermögen – wer sagt was wie gut – sowie die Gesprächsfähigkeit. Letzteres bedeute, wie geht man aufeinander eingeht. Genau an dem Punkt würden viele Talkshows kranken, bemerkt Lutz amüsiert. Der wichtigste Punkt sei letztendlich die Überzeugungskraft. Dabei gehe es darum, wie stark das Argument sei, ob es ordentlich belegt wurde und auch, ob gute Beispiele dafür eingebracht wurden.

Thema für Landesentscheid steht noch nicht fest

Das Thema für die Debatte in Mainz stehe noch nicht fest, sagt Schäfer, der allerdings inständig hofft, dass nicht die Landwirtschaftsdebatte Thema sein wird. Dann würde er dort nämlich in Arbeitshose auftauchen wollen, weil er in seiner Freizeit bei Bekannten im landwirtschaftlichen Betrieb in Bottenbach jobbt. Seine Position sei hier eindeutig. Ausgewählt würden die Themen von der Hertie-Stiftung, die den Wettbewerb auch finanziert, informiert Lutz: „Letztendlich ist es angesagt, Argumente aufzugreifen, zu entkräften, um das eigene Argument dann hinterherzuliefern, damit ein Austausch stattfinden kann.“

x