Pirmasens Schuhe für die Fußball-Stars

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Fußball und Pirmasens – das bedeutet nicht nur FK Pirmasens, sondern auch eine Verbindung zwischen der Framas Kunststofftechnik GmbH und dem Weltkonzern Adidas. Framas-Produkte werden daher auch bei der Fußball-WM in Brasilien ihren Auftritt haben: in Fußballschuhen von Stars wie Lionel Messi & Co.

Er ist quietschbunt und superleicht: Ganze 160 Gramm wiegt dieser Fußballschuh aus der WM-Kollektion der Modellreihe „Adizero“ – das „Messi-Modell“, gemacht in Anlehnung an die Anfertigung für den argentinischen Fußball-Star Lionel Messi. Kein Vergleich zu jenen Tretern, die etwa noch Altstars wie der Brasilianer Pelé vor Jahren bewegen mussten. Damals war vieles noch aus Leder, heute sind es Hightech-Funktionsmaterialien. Freilich so dünn, dass man den Finger darunter sehen kann. Fußballer-Füße müssen offensichtlich einiges wegstecken können. „So leicht wie möglich“, das ist die aktuelle Devise beim Schuhwerk für die heutigen Ballkünstler, klärt Carsten Schmidt auf. Er leitet den internationalen Geschäftsbereich Hinterkappen und Schuhleisten bei der Framas Kunststofftechnik GmbH. Dort entstehen Spritzguss-Funktionskomponenten vor allem für die Sportschuhindustrie – und nicht nur für Superstars. Der Beitrag von Framas für Sportschuhe ist umfassend – fast alles, was aus Kunststoff ist, liefert das Unternehmen. Also von der Sohle über die Hinterkappe bis zum Stollen, Schäfte ausgenommen. Die Zuarbeit beginnt jedoch früher: beim Schuhleisten. Dort liegen auch die Ursprünge des Unternehmens, die es bewahrt hat. In Pirmasens befindet sich neben einer Leisten-Musterproduktion heute die zentrale Entwicklung für alle Leisten, die noch von Hand gefertigt werden, bevor sie für den digitalen Einsatz aufbereitet und automatisiert produziert werden. Etwa 130.000 Paar Leisten werden pro Jahr allein für den Hauptkunden Adidas gefertigt, nicht nur für Profi-Fußballschuhe, sondern auch für andere Sport- und Freizeitschuhe. Der Sportschuh spielt bei Framas eine große Rolle: Der Weltkonzern Adidas hat etwa einen Anteil von 60 Prozent am Geschäft, mit dem Framas mittlerweile einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich erwirtschaftet. Die Komponenten finden sich heute ebenfalls in Straßenschuhen, etwa als Sohlen in eleganten Peter-Kaiser-Damenschuhen. Ein neues Geschäftsfeld erschließt sich Framas derzeit mit der Herstellung von Kunststoffteilen für die Elektronikbranche. Erst vorigen Monat wurde in Vietnam ein Werk eröffnet, das speziell Teile für Handys produziert. Im Aufbau befindet sich noch der Orthopädie-Bereich, beispielsweise mit Bandagen. Damit, erklärt Schmidt, wolle man sich zusätzliche Standbeine aufbauen. Produziert wird überwiegend in Asien. In Vietnam hat Framas heute drei Werke, in Korea eine Produktionsstätte sowie ein Entwicklungszentrum speziell für Nike-Schuhe – strikt getrennt von den Produkten für den Wettbewerber –, dazu zwei Werke in China, ein Büro in den USA sowie ein Werk in Indonesien, in dem wieder nur speziell Adidas-Produkte hergestellt werden. Etwa 2800 Menschen arbeiten weltweit für Framas, darunter 82 am einzigen deutschen Standort Pirmasens, der zugleich Firmensitz ist – und es auch bleiben soll. Vier junge Leute bildet Framas dort derzeit aus: Drei Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik und einen Werkzeugmechaniker. In Pirmasens entstehen nicht nur Muster-Leisten, sondern auch Kunststoffkomponenten für den deutschen Markt. Carsten Schmidt ist selbst Schuhfertiger. Gelernt hat er diesen Beruf beim Pirmasenser Damenschuhhersteller Kennel & Schmenger, wo er auch in der Modellabteilung arbeitete. Der Sportbereich reizte ihn an Framas, so dass er 2006 dorthin wechselte. Das viele Reisen schreckte ihn nicht ab. Etwa drei Monate im Jahr ist er unterwegs, vor allem in Asien, erzählt der 28-jährige Pirmasenser. Die Fußball-WM verfolgt er natürlich trotzdem. Dann schaut er sich an, wie sich die Star-Kicker mit ihrem Profi-Schuhwerk präsentieren. Das „Modell Messi“ kann übrigens auch der gemeine Fußballer erstehen – für schlappe 240 Euro pro Paar. (tre)

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