Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens will bei regenerativen Energien europaweit vorne mitspielen

Derzeit werden in der Biogasanlage bei Winzeln 2,7 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas produziert und ins Stadtwerke-Netz einges
Derzeit werden in der Biogasanlage bei Winzeln 2,7 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas produziert und ins Stadtwerke-Netz eingespeist. Künftig sollen es bis zu zehn Millionen Kilowattstunden sein.

Beim Klimaschutz werden große Hoffnungen auf Wasserstoff als grüner Energieträger gesetzt. Die Stadt Pirmasens will mit dem Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) bei dieser Zukunftstechnologie ganz vorne mitspielen. Schon 2022 könnte eine Wasserstoffelektrolyse in Betrieb gehen. Das Land hat dafür 3,2 Millionen Euro zugesagt. Jetzt hängt es am Bund.

Überall in Deutschland wird an Projekten zur Erzeugung von Wasserstoff aus überschüssigem Wind- oder Solarstrom gearbeitet. Riesenanlagen sind in Norddeutschland geplant, die Windparks in der Nordsee anzapfen sollen. Einer, der schon lange über eine eigene Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion nachdenkt, ist Benjamin Pacan, der beim PFI für das Projekt der Bioraffinerie bei Winzeln verantwortlich ist. Im Stillen hat das PFI zusammen mit der Stadt nun eine solche Anlage auf den Weg gebracht und im November einen Antrag beim Bundesumweltministerium gestellt. Mehr als zehn Millionen Euro würde die Anlage kosten, die komplett über Mittel des Bundes und Landes finanziert werden soll, wie Pacan auf Anfrage verrät.

Windenergieanlagen und Solarkraftwerke haben ein Speicherproblem: An besonders sonnigen oder windreichen Tagen wird viel Ökostrom produziert, der oft gar nicht verbraucht werden kann. Deshalb werden Fotovoltaikmodule und Windräder öfter mal abgeschaltet. Das Windrad steht dann still und dreht sich automatisch aus dem Wind. Die Energie geht verloren.

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Hier setzt die Idee der Speicherung in Form von Wasserstoff an. Der überschüssige Windstrom beispielsweise könnte in einer Elektrolyse auf dem Gelände der Bioraffinerie bei Winzeln in Wasserstoff umgewandelt werden. Als Abfallprodukt entstehen große Mengen an Sauerstoff, die Bürgermeister Michael Maas gerne in der Kläranlage Felsalbe zur Beschleunigung der Wasserklärung einsetzen würde. Was sich anbietet, da die Kläranlage und die Bioraffinerie recht nah beieinander stehen. Eine Gaspipeline von Winzeln nach Niedersimten müsste gebaut werden. Die könnte dann auch für den Transport von Klärgas nach Winzeln genutzt werden, wo es in den 25 Meter hohen Kolonnen zu reinem Erdgas veredelt würde.

Im Gegensatz zu anderen Wasserstoffprojekten in Deutschland wollen das PFI und die Stadt das energiereiche Gas nicht für Wasserstoffautos nutzen, sondern ganz reines Bioerdgas produzieren. Der Wasserstoff kommt dazu mit normalem Biogas in die Kolonnen, wo Bakterienkulturen auf das Kohlendioxid im Biogas nur warten, um es zusammen mit dem Wasserstoff in Methangas, also Erdgas, umzuwandeln. Normales Biogas beinhaltet neben Methangas noch einen hohen Anteil an Kohlendioxid.

Infozentrum soll Projekt erklären

Pacan hält den Weg über das Bioerdgas für sinnvoll, da die ersten Erdgastankstellen schon gebaut seien, die Technik seit Jahrzehnten erprobt und Erdgas einfacher in der Handhabung sei als Wasserstoff. Pacan fährt seit fünf Jahren einen VW Caddy mit Bioerdgas. „Der funktioniert einwandfrei.“ Lastwagen könnten mit Erdgas betrieben 1500 Kilometer weit fahren. Außerdem kann das Bioerdgas über das Leitungsnetz der Stadtwerke problemlos gespeichert und beispielsweise Privatleuten zum Heizen ihrer Häuser verkauft werden.

Den Strom für die Elektrolyse bekäme die Anlage von den Windparks bei Obersimten und Kröppen. Bei Kröppen laufen derzeit die Planungen für drei weitere Windräder. Pacan hofft, pro Stunde rund 400 Kubikmeter Wasserstoff zu produzieren. Damit könnten 100 Kubikmeter Erdgas durch die Bakterien hergestellt werden, die einen Brennwert von rund 1100 Kilowattstunden haben. Die Jahresproduktion würde dann auf fast 10 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas gesteigert. Aktuell werden in der Winzler Anlage, die Wasserstoff noch aus Mainz liefern lässt, bis zu 2,7 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas produziert und ins Stadtwerke-Netz eingespeist.

Bund entscheidet im Mai über Zuschuss

Weiteres Biogas könnte eine noch zu realisierende Vergärung von Biomüll aus den braunen Mülltonnen in Stadt und Kreis liefern. Wobei Pacan die Vergärung nicht als ideale Methode ansieht und lieber mit einer Pyrolyse arbeiten würde, bei der der Biomüll mit Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius zu energiereichen Gasen aufgespalten werde. Eine Pyrolyse war dereinst als Alternative zur Fehrbacher Müllverbrennungsanlage im Gespräch. Dieses Projekt sei aber Zukunftsmusik, schränkt der PFI-Forscher ein.

Das Land Rheinland-Pfalz habe bereits 3,2 Millionen Euro und damit 30 Prozent der Projektsumme für die Elektrolyse zugesagt, informiert Pacan. Im März wolle sich das Bundesumweltministerium entscheiden, ob es die restlichen 70 Prozent zahlt. „Das wäre der große Wurf“, schwärmt Pacan von der Elektrolyse. Pirmasens wäre mit dieser Anlage bei erneuerbaren Energie und Nachhaltigkeit europaweit vorne dabei.

Die Anlage kommt übrigens direkt neben die Biogasanlage und die Kolonnen. Dort soll in den nächsten Jahren auch ein Informationszentrum entstehen, in dem das Projekt erklärt wird. „Das ist ja jetzt schon ein beliebtes Ausflugsziel“, so Pacans Beobachtung.

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