Pirmasens
PFI: Neuer Leiter setzt auf Zukunftsthemen
Am 1. Januar dieses Jahres hat Günter Schell die Institutsleitung übernommen, nachdem sich das Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) am 15. Januar 2025 von seiner Vorgängerin Kerstin Schulte getrennt hatte. Fast ein Jahr hat es bis zur Installation des neuen PFI-Leiters gedauert, was aber nicht gleichbedeutend ist mit einer langen Suche, verdeutlicht Michael Tackenberg, Vorstandsvorsitzender des PFI: „Die Suche hat sich nicht in die Länge gezogen, es war der Starttermin.“ Schon im ersten Drittel des vergangenen Jahres war der PFI-Vorstand fündig geworden, hatte mit Schell den geeigneten Kandidaten gefunden. Weil der Professor für Materialwissenschaft und promovierte Maschinenbauingenieur aber noch beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Anstellung war, konnte er erst zum Jahresbeginn 2026 seine neue Stelle antreten.
Tackenberg verdeutlicht, dass es nicht darum gegangen sei, irgendjemand zu finden, sondern den idealen Kandidaten. Was bedeutet: „Wir haben einen Teamleader gesucht für unsere guten Fachleute.“ In der Zwischenzeit hat sich der Vorsitzende um die PFI-Leitung gekümmert, war schwerpunktmäßig in Pirmasens: „Wir waren nicht führungslos.“
Mehr Öffentlichkeit nach außen, mehr Kommunikation nach innen
In dieser Übergangszeit hat Tackenberg die vor einem Jahr ausgegeben Ziele schon in Angriff genommen: Das PFI besser vermarkten, mehr in die Öffentlichkeit rücken, aber auch eine stärkere Kooperation mit den PFI-Standorten in Hongkong und China. „Wir haben im vergangenen Jahr schon viele Pflöcke eingeschlagen auf dem Weg zu interner Kommunikation und dem Umgang mit den Partnerinstituten in Asien“, so der PFI-Vorstandsvorsitzende weiter: „Es ist ganz klar: Wir sind ein Haus.“ Alle bisherigen Schritte in den vergangenen Monaten sind schon in Abstimmung mit Schell, der involviert und informiert war, erfolgt.“ Tackenberg: „Wenn es um die Ausrichtung des Instituts geht, ticken wir gleich.“
Als „reizvolle Aufgabe“ bezeichnet Schell seine neue Tätigkeit als PFI-Leiter, auf die er sich freue. Die ersten drei Wochen waren geprägt vom Schauen und Sondieren: „Ich will das Institut von innen kennenlernen.“ Begeistert zeigt er sich vom aus 103 Mitarbeitern bestehenden Pirmasenser Team – an den beiden asiatischen PFI-Standorten kommen nochmals 80 bis 85 Beschäftigte hinzu. Wichtig sei es auch, dass in Pirmasens und den beiden Partnerinstituten mit einer gemeinsamen Sprache gesprochen wird. Tackenberg ergänzt, dass die beiden PFI-Standorte in China und Hongkong eine neue Bedeutung bekommen: „Unsere Kunden wollen Prüfungen vor Ort in Asien, sie akzeptieren keine langen Wege nach Pirmasens.“ Daher werden sich diese Standorte auf die Prüfungen und Leistungen in Fernost konzentrieren.
Schuhe machen immer noch 50 Prozent aus
Als Vorteil des Pirmasenser Instituts sieht Schell die breite Aufstellung mit den drei PFI-Säulen Qualifizierung, Prüfung und Forschung. Schell selbst kommt aus der Forschung in der Materialwissenschaft, weshalb es ihm ein großes Anliegen ist, die drei Säulen noch stärker zu vernetzen und einen Mehrwert daraus zu ziehen: „Wichtig ist für mich, dass wir die Ergebnisse der Prüfarbeit und der Forschung in die Lehre tragen.“ Daher liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit künftig auf der stärkeren Vernetzung innerhalb des Instituts und des angeschlossenen Internationalen Schuhkompetenzzentrums (ISC), betont der neue Leiter: „Nur so können wir unsere Forschung, mit der wir am Puls der Zeit sind, in die Aus- und Weiterbildung bringen.“
Schuhe machen immer noch 50 Prozent der PFI-Arbeit aus, betont Tackenberg: „Das ist nach wie vor unser Kerngeschäft.“ Da gebe es weit und breit niemanden mit einem vergleichbaren Portfolio, gerade im Sicherheitsschuhbereich habe das PFI ein Alleinstellungsmerkmal. Geht es um die Energieprojekte des Prüf- und Forschungsinstituts, setzt der Vorstandsvorsitzende auf das Prinzip Hoffnung: „Wir warten jedes Jahr auf den Durchbruch, der aber noch nicht gekommen ist. Aber ich glaube fest daran, dass sich unsere Arbeit durchsetzen wird.“ Denn Deutschland brauche Speicherplatz für den aus Wind und Sonne gewonnen Strom, dafür biete sich die Biomasse an. Leider fehle es an dem notwendigen Schub aus Landes- und Bundespolitik, vor Ort dagegen werde mit der Stadt Pirmasens gut zusammengearbeitet.
Von Digitalisierung bis Sicherheitstechnik
Das Prüf- und Forschungsinstitut, das aktuell stabil bei einem Umsatz von acht Millionen Euro liegt, will sich weiteren Zukunftsthemen widmen, kündigt Schell an. Der neue Institutsleiter nennt da Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung, der Vorstandsvorsitzende fügt die Sicherheitstechnik, etwa Rüstung, hinzu. Da gehe es um die Entwicklung neuer geeigneter Materialien und das Testen von Materialien: „Das wurde bisher nicht so stark bespielt.“ Und ganz aktuell stehen, wenn es um Prüfungen geht, die Belastung von Materialien und Produkten mit den PFA-Kunststoffen, den sogenannten Ewigkeitsstoffen.
Es hat Tradition, dass sich das PFI neuen Themen öffnet, betont Tackenberg. „Wenn wir uns nicht frühzeitig anderen Sparten neben der Schuhbranche geöffnet hätten, wären wir vielleicht nicht mehr da“, blickt der Vorstandsvorsitzende zurück – und verweist auf eine 70-jährige Geschichte des Prüf- und Forschungsinstituts, das 1956 zunächst für die Schuhbranche gegründet wurde. Dieser Geburtstag soll am 19. Juni mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden. Dabei sollen die Mitarbeiter im Vordergrund stehen, die ihrem Umfeld und der Region zeigen können, was sie machen. Tackenbergs schaut optimistisch in die Zukunft: „Wir sind da – und wir wollen bleiben.“