Pirmasens Paukenschlag für Pirmasenser Schulen
Das Hickhack um die geplante Schulrochade, die seit Jahren die Gemüter erhitzt, geht in die nächste Runde: Gestern gab Baudezernent Michael Schieler bekannt, dass sich alles aufgrund von verschärften Ausschreibungsvorgaben verzögert, bis ins Jahr 2023. Eine Containerlösung für einzelne Klassen ist jetzt Thema.
Seit Sommer ist klar, dass der ursprüngliche Zeitplan für die Schulumzüge, mit denen langfristig Gebäude und damit Kosten eingespart werden sollen, nicht eingehalten werden kann. Gestern räumte Baudezernent Michael Schieler ein, dass es nicht ein bisschen später wird, sondern sich die Sache richtig in die Länge zieht. Er geht davon aus, dass mit der Renovierung der Landgraf-Ludwig-Realschule in der Alleestraße erst im Jahr 2016 begonnen werden kann. Das heißt im Klartext: Die Schulleitung muss weiterhin in einem Klassensaal residieren, die Lehrer müssen weiterhin zwischen den vier Standorten in der Alleestraße, auf der Husterhöhe, dem Horeb und Nagelschmiedsberg, aus denen langfristig zwei werden sollen, hin und her pendeln. Für das Hugo-Ball-Gymnasium bedeutet der neue Zeitplan: Vor dem Jahr 2023 tut sich nichts, der Umzug auf den Kirchberg ist damit in naher Zukunft vom Tisch. Entschieden ist noch nichts, das letzte Wort soll Schieler zufolge der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag haben. Nach einer Diskussion im Hauptausschuss zeichne sich aber ab, dass die Rochade ohne eine Containerlösung - „so eine Art fliegendes Klassenzimmer für etwa 20 Klassen auf der Husterhöhe“ - nicht zu machen sein wird. Container werden laut Schieler erforderlich, weil jetzt eine parallele Sanierung von Schulgebäuden angedacht sei. Andernfalls würde sich die Sache bis ins Jahr 2029 ziehen. Schieler räumte Fehler ein: „Das ist schmerzlich, ich habe die EU-Regularien unterschätzt und zu optimistisch geplant.“ Mit Blick auf den neuen Zeitplan gab er zu bedenken, dass dieser nur vorläufig sein könne. „Wir wissen nicht, was uns bei der Bausubstanz in den Gebäuden erwartet und ob die Zuschüsse fließen.“ Schieler führte aus, zu den Verzögerungen sei es gekommen, weil die Aufsichtsbehörde Anfang des Jahres für die Sanierung der Landgraf-Ludwig-Realschule, die eigentlich längst angelaufen sein sollte, ein Gesamtkonzept für die drei Gebäudetrakte, die sogar unterschiedliche Hausnummern haben, gefordert habe und dann aufgrund von geänderten Ausschreibungserfordernissen zunächst ein Architekturbüro gesucht werden musste, das die Kosten dafür ermittelt. Es habe dadurch, dass die Gebäudeteile nicht einzeln in Angriff genommen werden durften und so die Gesamtkosten gestiegen sind, europaweit ausgeschrieben werden müssen. Das habe sich bis in den Dezember hingezogen. Jetzt sei ein Architekturbüro gefunden worden, so Schieler. Er rechnet aber damit, dass die Überplanung und Kostenermittlung bis Mitte 2015 dauert. Dann müsse erneut ein Zuschussantrag beim Land gestellt werden. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen - „das ist ein wahnsinnig formalistisches Verfahren, da darf man keine Fehler machen“ – gehe er davon aus, dass es bei den anderen Sanierungsprojekten – bislang standen Gesamtinvestitionen von knapp 20 Millionen Euro im Raum - ebenfalls viel länger dauern wird als ursprünglich einmal ins Auge gefasst. Wie er das Geld für den Entschuldungsfonds, das bei der Gebäudeaufgabe im Fahrschen Wald geflossen wäre, aufbringen will, weiß Schieler noch nicht: „Wir müssen das kompensieren. Das werden wir, ich habe vage Ideen.“ Schieler, der die neuen Pläne ohne Schuldezernentin Helga Knerr präsentierte, sagte, dass es keinen aktuellen Schulentwicklungsplan gibt. Man habe aber die künftigen Schülerzahlen im Blick. (cla)