Herschberg RHEINPFALZ Plus Artikel Mundartdichter-Wettstreit: jeweils zwei erste Plätze in Lyrik und Prosa

 Die Preisträger zusammen mit Sonja Bauer, Landrätin Susanne Ganster, Rosenkönigin Annika, Marktgräfin Jasmin (hinten von links)
Die Preisträger zusammen mit Sonja Bauer, Landrätin Susanne Ganster, Rosenkönigin Annika, Marktgräfin Jasmin (hinten von links) und Bürgermeister Thomas Peifer (ganz rechts).

Beim Literarischen Abend in der Herschberger Bürgerhalle durften sich am Freitag einige Mundartpoeten über ihren Erfolg beim Sickinger Mundartdichter-Wettstreit freuen. Insgesamt wurden 17 Werke prämiert, die zuvor eine dreiköpfige Fachjury aus über 65 Einsendungen ausgewählt hatte.

Aber keineswegs nur die große Zahl der Beiträge, sondern auch die Leistungsdichte war eine schiere Herausforderung für die Juroren. So gab es nicht nur in den beiden Kategorien Lyrik und Prosa erstmals zwei erste Plätze. Bei den Gedichten gab es auch gleich drei Zweitplatzierte mit gleicher Punktzahl. Als Mundart-Champion entpuppte sich an diesem Abend zweifellos Matthias Zech aus Speyer, der auch schon 2019 in Herschberg punkten konnte. Sein Gedicht „Narwe“ überzeugte die Jury ebenso wie der Prosatext „Je ne regrette rien“. Das Bedauern eines älteren Mannes wegen seiner verpassten Gelegenheiten brachte die rund 80 aufmerksamen Zuhörer zum Schmunzeln.

Im Bereich Lyrik teilte sich Zech den ersten Platz mit Rudy Kupferschmitt aus Ludwigshafen, der in seinem Beitrag „Schää, dass’d do bischt“ das für die Mundartdichtung wohl eher ungewöhnliche Thema der Geschlechtsumwandlung behandelte. Der ebenso sensible Text „Mit Abstand“, der die offenbar pädophile Neigung eines Priesters behandelt, bescherte Regina Pfanger aus Herxheim ebenfalls einen ersten Preis – in der Sparte Prosa.

Zwei Südwestpfälzerinnen ausgezeichnet

Tatsächlich waren die Themen der Beiträge diesmal besonders breit gefächert. Neben den gewohnt alltäglichen, humorvollen Texten fanden sich verstärkt zeitkritische und tiefgründige Aussagen. Jurymitglied Barbara Franke aus Zweibrücken, selbst erfolgreiche Literatin, begrüßt diese Entwicklung: Ihrer Meinung nach erhält die Mundartdichtung dadurch neue Impulse. So könne auch bei jüngeren Leuten mehr Interesse an diesem Genre geweckt werden.

Die erst zum zweiten Mal ausgelobten Preise der Marktgräfin mit Augenmerk auf den Unterhaltungswert gingen an Franz Schlosser aus Waldsee und den in Herschberg nicht unbekannten Heimatdichter Norbert Schneider aus Rehborn (Landkreis Bad Kreuznach). Die Südwestpfalz vertrat bei ihrer ersten Teilnahme Kathrin Schwedhelm aus Dahn mit der Kurzgeschichte „S’richdiche Rezepd“ und erhielt dafür den Newcomer-Preis. Im typischen Dialekt des Dahner Tales beschäftigt sie sich in der Geschichte mit dem richtigen Rezept – sowohl im Kochtopf als auch im Leben. Jennifer Schäfer aus Rieschweiler-Mühlbach belegte mit ihrem Gedicht „Veränderung “ einen der drei zweiten Plätze in der Gattung Lyrik.

Auch wieder dabei war eine der bisher erfolgreichsten Mundartdichterinnen des Wettbewerbs, Renate Demuth aus Kaiserslautern. Diesmal mit einem zweiten Lyrik-Preis bedacht, hatte sie erst beim vergangenen Literarischen Abend 2019 den Doppelsieg in beiden Sparten errungen.

Diesmal ohne Grumbeeremarkt

Den Dichterwettstreit im Sickinger Land gibt es seit 1991 alle zwei Jahre – jeweils in Verbindung mit dem Grumbeeremarkt, der allerdings diesmal pandemiebedingt nicht stattfindet. Neben Bockenheim und Dannstadt-Schauernheim zählt Herschberg zu den renommierten Adressen für die Pflege und Erhaltung der „Pälzer Muddersproch“.

Für die Moderation war Sonja Bauer, ehemalige Marktgräfin und jetzige Vorsitzende des Tourismusvereins, kurzfristig eingesprungen. Schirmherr Thomas Peifer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, freute sich, wieder einmal Publikum „live“ begrüßen zu können, sagte er. Darunter waren auch Landrätin Susanne Ganster, Marktgräfin Jasmin und die Zweibrücker Rosenkönigin Annika. Zwischendrin erfreute das „Hoffmann-Hammer-Trio“ aus Neupotz die Zuhörer mit Gitarre und Mundartgesang. Besonders gelobt wurde die herbstliche Dekoration von Bühne und Halle durch die Sängerinnen des Herschberger Frauenchors, welche auch Sekt und kleine Leckereien kredenzt hatten.

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