Turnen RHEINPFALZ Plus Artikel Landes-Mannschaftsmeisterschaften in Pirmasens

Sehr stark: Bohdan Shevchenko.
Sehr stark: Bohdan Shevchenko.

Die Pirmasenser Kirchberghalle war am Samstag Schauplatz der rheinland-pfälzischen Mannschaftsmeisterschaften im Gerätturnen. In der U15 triumphiert der TV Hauenstein. Der eigentliche Star der Veranstaltung kann aus einem besonderen Grund nicht auf die Matte gehen.

„Bockstark!“ Diese Feststellung macht der Stützpunkttrainer des Westpfalz-Turngaus, Adrian Eichberger, und schlägt seine sieben Nachwuchsturner ab. Die Pirmasenser Kirchberghalle ist an diesem grauen Novembersamstag Austragungsort der Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Mannschafts-Gerätturnen. Es ist 13.12 Uhr, und alle sechs Geräte – Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck – sind geturnt und zwar in der vorgegebenen olympischen Reihenfolge. „Reck ist das Königsgerät“, sagt Eichberger. Die besagten sieben Jungs bilden ein unter TV Hauenstein firmierendes Team und sind gerade Landesmeister bei den Unter-15-Jährigen geworden.

Ausgerechnet am Pferd

Laurenz Gerst (TV Dahn), elf Jahre junger Einzel-Landesmeister aus Hinterweidenthal, Julius Meßmer (TV Hauenstein) aus Wilgartswiesen und Bohdan Shevchenko vom TV Pirmasens turnen alle sechs Geräte. Laurenz Gerst, ist hochkonzentriert. Doch ausgerechnet an seinem Lieblingsgerät, dem Pauschenpferd, patzt er und muss während der Übung absteigen. Dennoch holt er 13,75 Punkte für das Team. „Alles gut, Laurenz“, spendet Eichberger Trost.

Eine überragende Leistung ruft Bohdan Shevchenko ab. Der Zwölfjährige ist an allen Geräten „bockstark“. Seit seinem sechsten Lebensjahr turnte er in seiner Heimat, der Ukraine. Aufgrund des Krieges lebt er seit einigen Monaten in Pirmasens. Aber auch Julius Meßmer, Nils Vierling, Jonas Schächter und Lukas Hoffelder, alle vom Turnverein Hauenstein, können mit ihren Leistungen zufrieden sein. Kleinere Unsicherheiten, oftmals beim Abgang vom Barren oder vom Reck, gehören dazu. Die beste Wertung erzielt Shevchenko an den Ringen, seinem Lieblingsgerät. 18 Punkte sind maximal möglich, und die beiden Kampfrichter sowie der Oberkampfrichter belohnen seine Übung mit 17,3 Punkten. Tosender Applaus der etwa 100 heimischen Zuschauer spornt an.

130 Turner

Das Prozedere ist einfach: Vier Turner absolvieren je ein Gerät, von denen die jeweils besten drei in die Teamwertung kommen. Insgesamt sind im Laufe des Tages in den diversen Klassen 130 Athleten am Start.

Turnhose und Turnschuhe gegen Mikrofon und Computer hat David Jäger unfreiwillig tauschen müssen. Der 26-jährige Zweitliga-Turner der TSG Grünstadt sollte eigentlich für seinen Heimatverein, den TV Bad Bergzabern, antreten. Seine Katze „Lucy“ hat ihm Dienstag vergangener Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht, genauer gesagt, ihm einen Biss in die linke Hand zugefügt. Die Folge: bakterielle Kapselinfektion und somit Zwangspause. „Ich hätte sehr gern mitgeturnt, ich bin aber auch als Coach des TV Bad Bergzabern und als Landesfachwart Gerätturnen gut ausgelastet“, stellt er fest.

Diszipliniert

Die Organisation in der Kirchberghalle stimmt, die Wechsel der Geräte erfolgen reibungslos, Disziplin wird großgeschrieben. Am Ende stecken die Kampfrichter die Köpfe zusammen, bevor die Rheinland-Pfalz-Meister verkündet werden. Die sieben Turner aus der Südwestpfalz wirken fast nervöser als vor ihren Übungen.

Das Warten soll sich lohnen. Die Wasgau-Turner stehen jubelnd ganz oben auf dem Podest, holen sich neben den Urkunden und Medaillen vom Vizepräsidenten des Pfälzer Turnerbunds, Achim Wätzold, den verdienten Applaus der Fans ab und dürfen sich Landesmeister der Jahrgänge 2007 und jünger nennen. „Bockstark.“

x