Pirmasens
Jubiläum: Seit 40 Jahren die Zahnpflege der Kinder im Blick
1982 hat der promovierte Zahnarzt Helmut Stein aus Clausen mit Gleichgesinnten die regionale Arbeitsgemeinschaft gegründet; zwei Jahre später die LAGZ, die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege. Bis heute ist Stein die Galionsfigur dieser beiden Vereinigungen, deren Ziel es war und ist, die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die LAGZ entwickelt gemeinsam mit ihren 23 regionalen Arbeitsgemeinschaften nachhaltige Prophylaxeprogramme für Krabbelgruppen, Kindertagesstätten und Schulen. Damit hat sie Erfolgsgeschichte geschrieben: Aktuell haben nahezu 90 Prozent der Zwölfjährigen im Land naturgesunde Gebisse.
Mit einer Ausstellung, betitelt „Ihr Zahnarzt – Ihr Ratgeber“ in der AOK nahm das Projekt und die Zusammenarbeit mit dem damaligen AOK-Direktor Helmut Specke Fahrt auf. „1982 war die Forderung nach Prophylaxe in aller Munde“, erinnert sich Helmut Stein. „Viele haben sich damals Gedanken gemacht über den schlechten Zahnzustand der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Es gab Untersuchungen, die zeigten, dass damals jedes zwölfjährige Kind bereits sieben kariöse und zerstörte Zähne im Mund hatte, oder, dass sogar schon Zähne fehlten, weil sie gezogen werden mussten. Man war zwar Weltklasse im Zahnersatz, aber Kreisklasse in der Zahnprophylaxe. Da war ein Paradigmenwechsel angesagt.“
Die Wissenschaft habe herausgefunden, wodurch Karies und Zahnbetterkrankungen entstehen können. „Dahinter stehen die sogenannten Plaquekrankheiten“, so Stein, „hervorgerufen durch die Beläge auf den Zähnen. Vorbeugen kann man durch richtiges Zähneputzen, zahngesunde Ernährung, Unterstützung durch Fluoride und regelmäßigen Besuch des Zahnarztes.“
Weil aber Zähneputzen nicht angeboren und Zahnbewusstsein nicht selbstverständlich sei, „muss man jede Generation durch einen Lern- und Erziehungsprozess zur Zahngesundheit führen“ (Stein). Deshalb suchte er Mitstreiter, die auch heute noch immer im Boot sitzen: alle gesetzlichen Krankenkassen, öffentlicher Gesundheitsdienst, Zahnärzte (so betreuen für Pirmasens, Zweibrücken und den Landkreis Südwestpfalz 52 Patenzahnärzte und Schulzahnärzte die Kitas und Schulen) und auch das Land Rheinland-Pfalz. Stein: „1982 wurde die erste Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Pirmasens-Zweibrücken in einem Modellkindergarten in Rodalben gegründet, 1984 erfolgte der Aufbau der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege und ab 1993 war Rheinland-Pfalz abgedeckt mit 23 Arbeitsgemeinschaften genau nach dem Muster Pirmasens-Zweibrücken.“ Sie alle einte die Motivation, die zahnmedizinische Prävention fest in den kindlichen Lebenswelten zu verankern. Altersgerecht und spielerisch führen Zahnärztinnen und Zahnärzte, Eltern, Hebammen und Tageseltern, pädagogisches Fachpersonal und Lehrkräfte den Nachwuchs an ein zahnbewusstes Verhalten heran. Selbst fürs Baby-Alter gibt es bereits ein Programm mit dem Namen „Gesunde Zähne von Anfang an“. Zudem wurde für Kinder, die besonders kariesgefährdet sind, das „Aktivprogramm Zahnvorsorge“ entwickelt. Denn oft sind es Kinder, in deren Familien die Zahnpflege aus den verschiedensten Gründen zu kurz kommt.
Wegen der Corona-Pandemie habe es zeitweilig kaum Zutritt zu den Kitas und Schulen gegeben. Stein: „Die Gruppenprophylaxe hat darunter gelitten. Trotzdem hat die AGZ Jugendzahnpflege weiterhin Projekte in den Kitas gestartet, damit die Kinder und die Erzieherinnen das Thema nicht aus den Augen verlieren. Wir stehen in den Startlöchern, um das Ganze wieder zum Laufen zu bringen und sind froh, dass die Aktivitäten in der Coronazeit nicht ganz eingeschlafen sind.“ Dennoch befürchtet Stein, dass die Coronazeit nicht ohne Spuren geblieben sei. Umso mehr gelte es, jetzt wieder Vollgas zu geben. Denn noch immer gilt die Weisheit des Schweizer Präventivzahnmediziners Thomas Marthaler: Karies ist wie ein gefangener Tiger. Wenn man die Gitterstäbe (Zähne) nicht pflegt, dann kann das gefährliche Raubtier, das der Tiger beziehungsweise die Karies nun einmal ist, jederzeit ausbrechen.