Pirmasens
Irish Folk mit der geschrumpften Band Fleadh
Die Konzertreihe wurde vor 20 Jahren ins Leben gerufen, fand aber zum 19. Mal statt, weil die Pandemie 2020 zum Ausfall geführt hatte. Das Coronavirus hatte allerdings auch jetzt wieder Folgen: Die aus dem Rhein-Neckar-Kreis stammende Irish-Folk-Band Fleadh (altirisch für Fest, Feier) musste coronabedingt auf Frank Weber verzichten, der die Pipes und Tin Whistles und das Schlaginstrument Bodhrán spielt.
Sicher wären Webers Akzente abwechslungsreich und spannend gewesen, doch die vier verbliebenen Musiker waren durchaus in der Lage, den Ausfall zu kompensieren. Möglich war dies durch ihr hervorragendes Instrumentalspiel und durch die Sicherheit, mit der sie die Musik durchdrungen hatten. Mit dabei waren Thomas Gorny, der als Sänger und Gitarrist glänzte, Marcus Eichenlaub, ein ausgesprochener Könner auf der Fiddle, Elke Immik, deren Singstimme für den Irish Folk geradezu prädestiniert ist und die überdies sicher an E-Bass und Gitarre agierte und Daniel Draxler, ein Meister an Banjo und Mandoline, der im dreistimmigen Ensemblegesang für den Bass verantwortlich war und gelegentlich sogar auf dem Banjo die Töne der Tin Whistle ersetzte.
Lost in Pirmasens
Zu Beginn des Konzerts wurden die Zuhörer mit dem rasanten „Eastbound Train“ von Luka Bloom nach Irland mitgenommen und in glänzende Stimmung versetzt. Die Band zog alle Register von Gitarren- über rasante Fiddle-Soli und mit dem typischen mehrstimmigen Gesang, der den Irish Folk prägt. Die Textzeile „You Never Know The Way Life Goes“ erklärten die Musiker zum Motto des Abends.
Die Musiker beschrieben nicht nur den Ausfall des Kollegen und kleine technische Probleme während der ersten Takte. Sie berichteten auch gut gelaunt und sympathisch das Abenteuer, den Weg zum Veranstaltungsort zu finden. So erhielt der Song in Interaktion mit dem Publikum den Untertitel „Lost in Pirmasens“, was in den Songtext eingebaut wurde.
Publikum sorgt für Percussion
Der Funke war bereits mit den ersten Tönen übergesprungen, und die Zuhörer erhielten den Auftrag, während des restlichen Konzerts die fehlende Percussion mit Händen und Füßen zu ersetzen, was sie auch begeistert taten.
Auch das nächste Stück „Dick Darby The Cobbler“ wurde mithilfe des Publikums nach Pirmasens versetzt, handelt es doch von einem Schuster, der die Probleme in seiner Ehe auf recht rigide Art löst. Einige Songs hatten ein rasantes Tempo oder steigerten es im Laufe Stücks bis an die Grenzen des Spielbaren. Die Musiker veranstalteten dabei einen regelrechten Wettbewerb – mit so viel Freude, dass das Publikum gar nicht anders konnte, als sich mit ihnen zu freuen.
Überbordende Lebensfreude
Doch die Iren können nicht nur ausgelassen feiern, sondern besitzen auch eine ausgeprägte melancholische Seite. In den ruhigeren Stücken lebte das Bild der weiten stillen Landschaft der Grünen Insel auf wie in „Motherland“ von Natalie Merchant und „Feather And Stone“. Der Song stammt von Elke Immik, die ihn auch mit viel Gefühl sang. Zwischen Ausgelassenheit und überbordender Lebensfreude auf der einen und ruhiger Melancholie auf der anderen Seite gibt es im Irish Folk eher wenig. Mittleres Tempo oder neutrale Stimmung entsprechen nicht der irischen Seele.
Eine amüsante Nummer war die „Taka-Tuka-Polka“ mit Pippi-Langstrumpf-Motiven, und bei manchen Songs, vor allem, wenn Daniel Draxler die Mandoline gegen das Banjo tauschte, war deutlich herauszuhören, dass Irish Folk die Wurzel der Country- und Westernmusik in Amerika bildet.
Songs der neuen CD
Einige Kompositionen von der brandneuen CD hatte Fleadh auch dabei, die CDs, die in der Pause eigentlich hätten angeboten werden sollen, lagen aber im Auto des erkrankten Frank Weber.
Am Ende beglückwünschten die Musiker die 60 Zuhörer, Zeugen des chaotischsten Konzerts in der über 20-jährigen Bandgeschichte gewesen zu sein. Sie bedankten sich bei den Folk-Fans für die gute Stimmung. Die Fans wiederum dankten der Band mit herzlichem Applaus.