Pirmasens
Hoffnung auf Erhalt der Firma Nordson schwindet
Das amerikanische Unternehmen, das am Pirmasenser Standort Schnecken und Zylinder für die Kunststoffindustrie herstellt, will trotz aller Widerstände sein Zweigwerk im Erlenteich bis zum Jahresende abwickeln. Und das trotz einiger Alleinstellungsmerkmale, die es nur am Standort Pirmasens gebe, so der Betriebsratsvorsitzende Christian Palavakis. Die Beschäftigten haben Mitte August einen Entwurf ausgearbeitet, der die Alleinstellungsmerkmale des Standortes Pirmasens aufzählt, die es in keinem anderen Nordson-Zweigwerk gebe. Die Einzigartigkeit des Pirmasenser Standortes hätte möglicherweise zu einer Fortführung der Niederlassung führen können. IG Metall und Betriebsrat schlugen deshalb vor, die Wirtschaftlichkeit der Zahlen von einem Beratungsunternehmen prüfen zu lassen.
Geschäftsführung schweigt
Wahrscheinlich sei das Konzept von der regionalen Geschäftsführung gar nicht erst an die Unternehmensführung in den USA weitergeleitet worden. Antworten auf diese Vorwürfe gebe es allerdings keine. „Die hiesige Geschäftsführung ist sehr stillschweigend unterwegs“, kritisierte Gewerkschaftsreferentin Sabrina Marx. „Wir haben beispielsweise auch nach einem Abwicklungsplan gefragt“, so Marx. Aber auch hier seien die Verantwortlichen eine Antwort schuldig geblieben. „Entweder ist die Geschäftsführung planlos oder man will uns keine Informationen geben.“
Marx ist der Meinung, dass der Prozess, der zur Schließung führt, gänzlich anders verlaufen wäre, wenn ein Betriebsrat früher gegründet worden wäre. Denn die Unternehmensleitung selbst habe keinerlei Maßnahmen eingeleitet, mit denen man das Ruder hätte herumreißen können. Die Gewerkschafterin nannte die Stichworte Interessenausgleich − dabei geht es darum, die Betriebsänderung abzuwenden beziehungsweise verträglicher zu gestalten −, Sozialplan, Maßnahmen wie Kurzarbeit und die Hinzuziehung von Wirtschaftsberatungsunternehmen. Nachdem aber erst im Juli ein Betriebsrat gegründet wurde, sei der Hase, juristisch gesehen, bereits über dem Berg gewesen. Die aktuell drei Betriebsräte zählen zur Gruppe jener Leute, die zum 30. September gekündigt wurden. Es stünden allerdings drei Nachrücker bereit, so Marx, die sich dann zur Wahl stellen. Nach Informationen der IG Metall sind nach dem 30. September noch mehr als 20 Leute bei Nordson Pirmasens beschäftigt, was eine Betriebsratsgröße von drei Personen bedinge. Erst bei weniger als 20 Arbeitnehmern besteht der Betriebsrat nur noch aus einer Person.
Mitarbeiter können wechseln: Münster oder Neckarsulm
Abfindungen seien mit den Mitarbeitern individuell vereinbart worden. Angeboten wurde auch eine Versetzung an zwei andere Standorte, Münster und Neckarsulm. Wie Marx informierte, seien eine wenige Arbeitnehmer nach Neckarsulm gewechselt. Arbeitszeugnisse seien immer noch nicht ausgestellt worden, was auch der Betriebsratsvorsitzende kritisierte. Das Unternehmen hat die Zeugnisse für Oktober in Aussicht gestellt.
Da die Produktion nach USA und Thailand verlegt werde, gehe das gesamte Fachwissen für den Standort Pirmasens verloren, bedauert die Gewerkschaft.