RINGEN RHEINPFALZ Plus Artikel Hinterhöfe, einarmige Banditen und große Zeiten: Jozef Raczek, Ex-Top-Kämpfer der ASV Pirmasens

In Kröppen ist Jozef Raczek mit Familie heimisch geworden.
In Kröppen ist Jozef Raczek mit Familie heimisch geworden.

Was macht eigentlich ...? Jozef Raczek wurde 1988 als Ringer der ASV Pirmasens Deutscher Meister. Er kam aus Polen, wo er dreimal national die Nummer eins im griechisch-römischen Stil geworden war, in die Pfalz und blieb. Auch mit 62 ist er noch fit und trainiert – wenn Corona und Bandscheibe es zulassen – ab und zu beim AC Thaleischweiler mit.

Las Vegas gilt als Spielerparadies. Jozef Raczek erinnert sich noch wie heute an den Tag im Jahr 1977, an dem er am „einarmigen Banditen“ in der Wüstenstadt gespielt hat. Damals hat er 20 Dollar verloren, doch in den Tagen zuvor auch viel gewonnen, denn er schaffte es bei den Junioren-Ringer-Weltmeisterschaften im griechisch-römischen Stil auf den vierten Platz. Den Sprung aufs WM-Podest verpasste er nur knapp.

Olympia fehlt

Der heute 62-Jährige gehörte jahrelang zum polnischen Nationalkader, nahm an Welt- und Europameisterschaften teil und hat, seit er 1986 in die Südwestpfalz kam und blieb, unzählige Landes- und Pfalzmeistertitel gewonnen. 1988 wurde Raczek für die ASV Pirmasens Deutscher Meister in der 62-Kilo-Klasse, 1989 reichte es zu DM-Bronze. Raczek, der mit Ehefrau Celina und Sohn Michael in Kröppen unweit der französischen Grenze wohnt, ist mit seiner Sportlerkarriere zufrieden, nur eines fehlt: „An Olympischen Spielen habe ich nicht teilgenommen.“, resümiert der 1,64 Meter große Ex-Top-Ringer.

Wegen Stanjek gekommen

Auch wenn er derzeit seine sportlichen Aktivitäten nach einem Bandscheibenvorfall etwas zurückstellen muss, wirkt er noch immer drahtig und fit. „Ich fahre viel Rad und jogge, auch Krafttraining mache ich noch altersentsprechend“, sagt Raczek. Czeslaw Stanjek, früher Vorzeige-Athlet der ASV Pirmasens und jetzt Stützpunkttrainer in Thaleischweiler, holte den damaligen polnischen Kaderringer in den Achtzigern zur Zweitliga-Mannschaft der ASV. Der Wohnortwechsel von Polen nach Deutschland war nicht einfach im zu dieser Zeit kommunistisch regierten Nachbarland.

Kein Freistil in Schlesien

Der im polnischen Myslowice in der Nähe von Kattowitz geborene Jozef Raczek begann in Hinterhöfen seines Geburtsorts mit dem „Raufen“. „Meine Freunde haben gerungen, und ich sollte eine Brücke machen, wir haben oft Ringen gespielt“, erinnert er sich an die Anfänge. Mit zwölf Jahren trat er dem Ringerverein von Myslowice bei. Als 14-Jähriger kämpfte er bereits in der höchsten polnischen Liga und zwar in der 48-Kilo-Klasse seiner Spezialdisziplin griechisch-römisch. „In ganz Schlesien wurde griechisch-römisch gerungen, in anderen Region Polens lag der Schwerpunkt auf Freistil. Die erste Mannschaft hatte in dieser Gewichtsklasse noch einen Sportler gebraucht, die Lücke konnte ich füllen“, erinnert sich der Bauarbeiter, der heute beim Pirmasenser Unternehmen Caprano arbeitet.

Rasanter Aufstieg

Der sportliche Aufstieg war rasant. Mit 16 Jahren wurde Raczek in den polnischen Nationalkader berufen. Als 18-Jähriger errang er seinen ersten polnischen Meistertitel in der Klasse bis 52 Kilo und absolvierte fortan nationale und internationale Wettkämpfe. 1984 und 1986 wurde er erneut polnischer Meister bei den Männern, nun aber in der Klasse bis 62 Kilo.

Gemeinsam mit Stanjek erlebte Raczek die große Zeit der ASV Pirmasens in der Zweiten Bundesliga als einer der Leistungsträger. „Die Sporthallen waren meist ausverkauft, Hunderte von Zuschauern sorgten für eine prächtige Stimmung“, beschreibt er die Atmosphäre. 1988 folgte Ehefrau Celina mit Sohn Michael nach Deutschland. Celina Raczek führte, unterstützt von ihrem Mann, von 2004 bis 2007 das Sportheim des SV Rot-Weiß Kröppen, bei dem ihr Sohn Fußball spielte.

Auch in Schifferstadt

Einen großen Erfolg feierte Jozef Raczek 2004 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels bei den Veteranen. Raczek kämpfte auch für den VfK Schifferstadt, wo Ringeridole wie Markus Scherer und Pasquale Passarelli seine Teamkollegen waren, sowie für den KSC Ludwigshafen. Als Trainer fungierte er beim AC Thaleischweiler, zu dem er noch heute Kontakte pflegt. „Bei einigen Heimkämpfen bin ich als Zuschauer dabei, und hin und wieder trainiere ich auch noch mit“, sagt er. Nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2006 endete die aktive Ringer-Karriere.

Ehefrau Celina hat in den erfolgreichen Ringerjahren ihren Ehemann eher selten zu Gesicht bekommen. „Oftmals war Jozef monatelang auf Lehrgängen und internationalen Kämpfen. Ich habe ihn so kennengelernt und unterstützt“, sagt sie. Die Zeit habe oftmals nur gereicht, um Wäsche zu waschen und die Koffer wieder zu packen. Heute hat das Ehepaar deutlich mehr Zeit miteinander und genießt das Plus an Freizeit gemeinsam.

Beherrschte meist seine Gegner: Jozef Raczek.
Beherrschte meist seine Gegner: Jozef Raczek.
Jozef Raczeks Teilnehmer-Ausweis bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1977 in Las Vegas, wo er den vierten Platz erreichte.
Jozef Raczeks Teilnehmer-Ausweis bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1977 in Las Vegas, wo er den vierten Platz erreichte.
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