Pirmasens
Herrlich absurd: Das Arme Kreative Theater spielt „Macbett“
Schon beim Betreten des Saals im Pirmasenser Forum Alte Post fällt das reduzierte Bühnenbild ins Auge: Schwarze Flächen und rote Gardinen schaffen eine düstere, zugleich aber bewusst künstliche Atmosphäre. Dass an diesem Abend nicht alles nach Plan lief, zwei Darsteller fehlten, eine Rolle wurde spontan von Zetteln abgelesen und auch die Tontechnik fiel zeitweise aus, tat der Aufführung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Diese Improvisation verlieh dem Stück eine zusätzliche, fast schon passende Absurdität.
Die Handlung – das Stück wurde von Achim Ropers in Szene gesetzt– folgt lose der Vorlage von Macbeth, doch Ionescos Version verwandelt das klassische Königsdrama in eine groteske Farce. Krieg erscheint nicht heroisch, sondern absurd: „Ich hoffe, ich habe nicht aus Versehen Freunde getötet“, heißt es an einer Stelle. Ein Satz, der die Sinnlosigkeit des Geschehens entlarvt.
Das Publikum lacht
Immer wieder bricht Gelächter aus dem Publikum hervor, nicht zuletzt wegen der bewusst einfachen, fast naiven Darstellung. Die Schauspieler bewegen sich durch den Zuschauerraum, schottische Klänge ertönen, Schwerter blitzen auf. Nähe und Beteiligung sind gewollt.
Besonders auffällig ist die Vielseitigkeit des Ensembles: Die Darsteller bringen ihre persönlichen Stärken ein und schaffen gemeinsam ein stimmiges Gesamtbild. Zwar kommt es vereinzelt zu Textunsicherheiten, doch diese wirken eher charmant als störend und unterstreichen den improvisierten Charakter der Aufführung.
Rosa Holzpferd
Visuell setzt das Stück auf kreative Einfälle: Ein König mit überdimensionierter Krawatte, eine Königin mit Sonnenbrille, ein Selfiestick als Zepter, scheinbar einfache Requisiten werden zu starken Symbolen. Wenn die Königin auf einem rosa Holzpferd „zur Front reitet“, erreicht die Inszenierung mir ihren 15 Darstellern den Höhepunkt des absurden Humors. Ebenso eindrücklich: Köpfe, die aus einer Kasperle-Bühne geworfen werden, während von tausenden Gefallenen die Rede ist.
Zwischen all der Komik blitzen immer wieder andere Ebenen auf. Eine mysteriöse Frauenfigur, die nur kurz erscheint, verleiht dem Stück eine zusätzliche, beinahe unheimliche Dimension. Auch die Begegnungen mit den Hexen, die Macbett den Aufstieg prophezeien, greifen zentrale Themen wie Machtgier und Loyalität auf.
Königin in Unterwäsche
Ein besonderer Moment entsteht, als die Königin Macbett mit provokanter Offenheit zu verführen versucht. Wortwörtlich steht die Königin in Unterwäsche vor dem Publikum. Eine Szene, die zugleich irritiert und amüsiert. Generell lebt die Inszenierung von solchen Brüchen zwischen Ernst und Lächerlichkeit.
Am Ende folgt das Stück dann doch der Logik der Tragödie: Fast alle Figuren sterben. Doch selbst dieses Finale wirkt weniger pathetisch als konsequent absurd. Das Arme Kreative Theater beweist mit „Macbett“, dass große Stoffe keine aufwendigen Mittel brauchen. Trotz oder gerade wegen seiner Einfachheit entfaltet der Abend eine eigene Kraft. Die Inszenierung ist roh, manchmal chaotisch, aber stets ideenreich und überraschend tiefgründig. Eine ungewöhnliche, mutige Aufführung, die zeigt, dass auch armes Theater“reich an Einfällen sein kann und das Publikum zum Lachen wie zum Nachdenken bringt.
Weitere Termine
8. Mai und 9. Mai, 20 Uhr, Pirmasens, Forum Alte Post, Karten: ticket-regional.de.