Pirmasens „Heimlich-Handgriff“ gelernt

Die Johanniter Unfallhilfe bietet mehrmals im Jahr in ihren Räumlichkeiten in der Delaware Avenue den Kurs „Erste Hilfe am Kind“ an. Das Interesse ist groß.
„Darf ich einem Kind eigentlich auf den Rücken klopfen, wenn es sich verschluckt hat?“, fragt eine Kursteilnehmerin im Schulungsraum der Johanniter Unfallhilfe auf der Husterhöhe. Die Leiterin des Kurses, Heike Klages, bejaht die Frage und zeigt mit einem Erste-Hilfe-Dummy, der einen Säugling darstellt, wie man in diesem Fall richtig klopft: Das Kind mit dem Bauch auf den Unterarm legen und mit der freien Hand auf den Rücken klopfen, bis das Verschluckte den Weg wieder heraus findet. Die Fragende ist vorerst zufrieden und schreibt sich, genau wie die restlichen 14 Teilnehmer, das Wichtigste auf einen Notizblock auf. Im Schulungsraum sind die Tische in Hufeisenform angeordnet – mit freiem Blick auf Heike Klages und mittig auf dem Boden ausgelegten Matten für die verschiedenen Übungen. Teilnehmer sind vorwiegend junge oder werdende Eltern. Eine Schwangere streicht sich über den Bauch. Natürlich will sie im Ernstfall alles richtig machen, wenn das Kind erst auf der Welt ist. Sogar ein acht Monate altes Baby ist anwesend und verhält sich beeindruckend ruhig – es spielt mit seinem Mobile und wird hin und wieder von seiner jungen Mutter auf den Schoß genommen. Weiterhin anwesend sind Tagesmütter aller Altersgruppen, die einen solchen Kurs alle zwei Jahre auffrischen müssen. Eine dieser Tagesmütter übt ihre Tätigkeit neben ihrem Studium der Sozialpädagogik aus. An diesem Tag ist sie zum ersten Mal bei der Johanniter Unfallhilfe und findet den Kurs sehr ansprechend: „Ich bin richtig begeistert. Frau Klages macht das alles wunderbar und ungemein bereichernd“, meint sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Heike Klages wiederum, Ausbildungsleiterin bei den Johannitern und gelernte Kinderkrankenschwester, weitet die Frage von vorhin aus. Denn manchmal reiche ein simples „auf den Rücken klopfen“ beim Kind nicht aus, wenn es sich an etwas verschluckt hat. „Im Extremfall kann das verschluckte Essen oder der verschluckte Gegenstand in die Luftröhre rutschen. Das Kind bekommt keine Luft mehr und läuft blau an. In diesem Fall eignet sich der Heimlich-Handgriff“, sagt Klages. Wie dieser funktioniert, erläutert sie recht anschaulich am lebenden Objekt. Johanna, eine der Teilnehmerinnen, bekommt eine Simulationsweste mit angebrachtem Beutel umgeschnallt, der mit Luft und einem kleinen Stöpsel gefüllt ist und sich in Höhe des Oberbauchs befindet. Von hinten legt die Kursleiterin die Arme um Johanna, legt die Hände auf dem Beutel übereinander, bildet unterhalb der Rippen und des Brustbeins eine Faust und zieht sie dann ruckartig und kräftig gerade nach hinten zu ihrem Körper. Mit einem kurzen Plopp-Geräusch hüpft der im Beutel versteckte Stöpsel aus der Simulationsweste heraus. In der Realität hätte man so ein Kinderleben gerettet. Der Kurs ist, trotz der ernsten Thematik, alles andere als trocken. Klages macht Scherze, erzählt auf witzige Art und Weise von der Zeit, als ihre eigene Tochter noch ein Kind war und berichtet augenzwinkernd von so manch einer abenteuerlichen Begebenheit, wenn das Kind unter der Obhut des Vaters gestanden habe – da sei auch einmal die ein oder andere Beule am Kopf zu verarzten gewesen, weil zu wild gespielt wurde. Was scherzhaft daherkommt dient jedoch einem ganz bestimmten Zweck: Heike Klages will den jungen und werdenden Eltern die Angst nehmen, etwas falsch zu machen – denn dies sei weit verbreitet. „Wichtig ist, dass Ihr überhaupt helft. Dass bei der Ersten Hilfe etwas noch schlimmer gemacht wird als es sowieso schon ist, kommt eigentlich nicht vor. Nur wenn man nichts tut, wird es schlimmer“, beruhigt sie die Mütter und Väter. Auf die an der Wand hängende Tafel hat sie die wichtigsten Schritte für die Erste Hilfe am Kind geschrieben: Erstens sollte man sich einen Überblick über die genaue Situation verschaffen. Zweitens muss die Bewusstseinslage des kleinen Patienten überprüft werden. Der dritte Punkt sieht vor, die Atemwege des Kindes frei zu machen. Danach sollte die Atmung kontrolliert werden und schließlich die stabile Seitenlage angewandt werden. „Alles halb so schlimm“, wie Klages versichert. In einer kleinen Pause findet sie Gelegenheit, mit der RHEINPFALZ zu sprechen: „Den Kurs führe ich vier Mal im Jahr durch und gehe zusätzlich noch in Hebammenpraxen. Außerdem kümmere ich mich um die Betriebshelferausbildung für Kindergärten“, erzählt sie. Insgesamt seien die Teilnehmer immer sehr motiviert und würden viele Fragen aus dem Alltagsbereich stellen – das alles mache ihr „unwahrscheinlich viel Spaß“. Infomaterial hat sie ebenfalls schon für das Ende des Kurses gerichtet – denn das bekommen die Teilnehmer, neben ihrem Zertifikat, zur Nachbereitung mit nach Hause.