Pirmasens Gut 800 Stunden investiert
Am Wochenende hieß es am Eisweiher wieder „Leinen los“, als die IG Schiffsmodellbau ihr internationales Schaufahren ausrichtete und damit nach eigenen Angaben rund 5000 Besucher auf das Gelände des Landschaftsparks lockte. 188 Aussteller, darunter zahlreiche Gastvereine aus dem Ausland, begeisterten kleine und große Besucher und freuten sich, ihr zeitaufwendiges Hobby präsentieren zu können.
„Auch in diesem Jahr begrüßen wir wahnsinnig viele Aussteller, die uns schon seit Jahrzehnten die Treue halten. So ist das internationale Schaufahren unseres Vereins zur Traditionsveranstaltung geworden“, sagte der Vereinsvorsitzende Volker Zimmermann und freute sich am Samstagnachmittag, nicht nur Deutsche, sondern auch Schweizer, Belgier, Holländer und Franzosen als Aussteller begrüßen zu können. Sie zeigten Schiffsmodelle aus ganz Europa. Oberbürgermeister Bernhard Matheis gab um 14 Uhr den Startschuss zur beliebten Segel-Regatta. Laut Zimmermann hatten einige Aussteller einen Weg von über 800 Kilometern auf sich genommen, um an zwei Tagen ihre Schätze zu präsentieren. Vom traditionellen Segelboot über prunkvolle Luxusyachten bis hin zu Bergungsschiffen und Hafenschleppern war dabei alles geboten. Als Besonderheit zeigte Zimmermann stolz auf einen Trimaran, eines der schwersten und größten Segelboote seiner Art mit drei Rümpfen, sowie auf zwei Turbinenboote, die es erstmals am Eisweiher zu bestaunen gab. „Wir versuchen stets, mit neuen Booten aufzuwarten und jede Veranstaltung besonders zu machen“, erklärte Zimmermann. Zu seiner Freude stand auch dem Feuerwerk am Eisweiher nichts im Weg, denn nach der langen Hitze hatte Regen für Abkühlung gesorgt. Nach dem Jubiläum im vergangenen Jahr, als der Verein auf 40 Jahre zurückblickte, habe man 21 neue Mitglieder begrüßen können, darunter viele Jugendliche, die zuvor beim Schaufahren zu Gast gewesen seien. So bestehe die Jugendgruppe der IG Schiffsmodellbau nun aus zwölf Leuten – laut Zimmermann keine Selbstverständlichkeit mehr, denn andere Vereine beklagen Nachwuchsmangel. Herbert Kazmierzak aus Stuttgart ist seit Jahrzehnten zu Gast am Eisweiher. Er stellte verschiedene Marineboote aus – naturgetreu in zahlreichen Stunden nachgebaut. „Ich investiere viel Zeit in mein Hobby. Der Bau meines größten Modells dauerte über 800 Stunden“, erzählte er stolz. Nach Pirmasens komme er immer wieder gerne, schließlich sei das Schaufahren „eine der schönsten Veranstaltungen dieser Art in ganz Deutschland“. Für Martin Kirchner vom Schiffsmodellbauclub Ohmbachsee war es das vierte Treffen in Pirmasens. Er versprach schon am Samstagnachmittag, 2019 erneut dabei zu sein. „Das Schaufahren der Pirmasenser begeistert mich richtig. Man kommt ins Gespräch mit Gleichgesinnten und kann sich über seine Leidenschaft austauschen. Das, was man hier an Modellbaukunst zu sehen bekommt, ist richtig klasse“, schwärmte Kirchner. Er übt sein Hobby seit 32 Jahren aus und zeigte unter anderem eine Rudergaleere mit Antrieb, an der seit zwölf Jahren ohne Unterlass gebaut werde. Eines der eindrucksvollsten Boote hatte der Schiffsmodellbauclub Trier mitgebracht: das Passagierschiff „MS France“, bereits 1969 erbaut, über 50 Kilo schwer und das Werk von gleich drei Modellbauern. „Unser Verein war schon beim ersten Schaufahren am Eisweiher zu Gast, und wenn unsere Jugendarbeit weiterhin so gut bleibt, wird er es auch noch eine ganze Weile bleiben können. Unser Passagierschiff ist zu unserem Aushängeschild geworden“, berichtete Vereinsmitglied Roland Vasques. Er lobte ausdrücklich die Pirmasenser Gastgeber. „Wir Modellbauer sind ein eingeschworenes Völkchen. Wir verbringen unser halbes Leben damit, zu bauen, zu erneuern, zu kleben und nachzujustieren.“ Für Vasques ist der Schiffsmodellbau „ein wunderbares Hobby, denn das Ergebnis des eigenen Tuns sieht man direkt und kann sich entsprechend daran erfreuen“.