Pirmasens Existenz einige Male in Gefahr

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Seit einem Vierteljahrhundert ist Pirmasens eine Hochschulstadt. 1989 wurden erstmals Studenten der damaligen Fachhochschule Kaiserslautern am Standort Pirmasens unterrichtet, in der Lemberger Straße. Aus der Fachhochschule wurde die Hochschule mit aktuell 650 Studierenden. Längst auf der Husterhöhe beheimatet, feiert diese heute ihr Jubiläum in der Festhalle.

Der frühere Dekan der Hochschule in Pirmasens, Thomas Stumm, wird die Hochschulgeschichte in Pirmasens Revue passieren lassen. Seit 1995 ist er Professor in Pirmasens, im Bereich Chemietechnik. In Stumms Amtszeit als Dekan (1998 bis 2005) fallen richtungsweisende Entscheidungen wie der Umzug der Hochschule auf die Husterhöhe und die Einführung des Studiengangs Technische Logistik (TL), die ein vorzeitiges Aus der Hochschule verhindert haben. „Der Standort war einige Male gefährdet“, bestätigt Stumm. Hauptgrund: „Er wurde ganz lange nur als Außenstelle der Hochschule in Kaiserslautern gesehen.“ So war er 1989 eingerichtet worden, als erstmals die zum Fachbereich Textiltechnik gehörende Lederverarbeitung und Schuhtechnik in Pirmasens unterrichtet wurde, unter anderem bedingt durch Raumnot in Kaiserslautern. Es folgte die zum Maschinenbaubereich gehörende Kunststofftechnik im Jahr 1990, 1993 dann die Chemietechnik. Für Professoren und Studierende hieß es pendeln zwischen den beiden Hochschulstandorten und externen Laboren. Zwischenzeitlich war 1994 in Zweibrücken eine FH gegründet worden. Rechtzeitig bevor das wichtigste deutsche Beratungsgremium in Sachen Hochschulpolitik, der Wissenschaftsrat, empfahl, keine weiteren Hochschulstandorte mehr einzurichten. Pirmasens stand erneut vor dem Aus. Dass die Hochschule am Standort erhalten blieb, war unter anderem dem Konversionsgedanken geschuldet. Die US-Streitkräfte hatten die Husterhöhkaserne aufgegeben. Bei einem Neujahrsbesuch des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck keimte die Idee eines Hochschulstandortes Husterhöhe auf. Aus der ehemaligen amerikanischen Schule, die unter anderem einen Streichelzoo beherbergte, wurde die Hochschule, die ein Atrium hat, in dem Bananen wachsen. Ein bisschen Exotik blieb erhalten. Dass hinter dieser Exotik viel Arbeit stand, um den Standort zu sichern, ist unbestritten: „Ohne den Freundeskreis der Fachhochschule und dessen damaligem Vorsitzenden Paul Hollinger wäre das schwierig geworden“, steht für Stumm fest: „Nicht umsonst haben wir den größten Hörsaal nach ihm benannt.“ Dass die Unternehmen in der Region sich für den Erhalt der Hochschule einsetzten, sei einer von vielen Verdiensten des Freundeskreises. Entscheidend für die Standortsicherung war auch, die Studierendenzahl zu steigern. Obwohl der Studiengang Textiltechnik 1996 formal komplett nach Pirmasens umgezogen war, blieben die Studentenzahlen gering. „Es war lange Zeit unser Problem, dass wir uns im Bereich von etwa 200 Studenten bewegten“, sagt Stumm rückblickend. Die Lösung hieß: Neue Studiengänge, mit Blick auf die Anforderungen der Wirtschaft, global und mit speziellem Blick in die Region. Anfang der 2000er Jahre wurde, damals einmalig in Deutschland, die Technische Logistik entwickelt. Im Wintersemester 2001/2002, als sich die ersten 44 Studierenden für TL einschrieben, übersprang die Zahl der Studenten in Pirmasens erstmals die magische 200er-Grenze. Vor diesem Hintergrund wurde der 1997 abgeschlossene Mietvertrag für das Gelände auf 30 Jahre verlängert. Die Stadt hatte ursprünglich die Fläche der amerikanischen Schule erworben, den Umbau vorangetrieben und das Gelände an das Land vermietet. Die private Bunkerhill Entwicklungsgesellschaft stieg jetzt ein. Aus der früher militärisch genutzten Husterhöhe sollte ein moderner Technologiestandort werden, Technopole genannt. Herzstück: die Hochschule. 2004 begann der verlängerte Mietvertrag offiziell für 30 Jahre zu laufen. Über 5000 Quadratmeter hat das Land, das 17 Millionen Euro für die Konversionsmaßnahme ausgab, für die Hochschule gemietet. Nach und nach nahmen Labortrakt, Kolonnenturm, Logistikgebäude Gestalt an. Es folgten ein Wohnheim und – mit vielen Auf und Abs – eine Mensa. „Eine Hochschule muss sich ständig weiterentwickeln“, steht für Stumm fest. Deshalb sind neue, moderne Studiengänge wichtig, wie seit dem Wintersemester 2012/13 „Angewandte Pharmazie“, der sogar einen Numerus clausus erforderlich machte, und „Logistics – Diagnostics und Design“. Die Studierendenzahl stieg damit erstmals über 600. Seit 2007 werden auch in Pirmasens internationale Bachelor-Abschlüsse abgelegt. Zwei Masterstudiengänge gibt es zwischenzeitlich. Einen in englischer Sprache. Internationalität ist ein Schlüssel für die Zukunft des Hochschulstandortes Pirmasens. (add)

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