Meine Joggingrunde (2)
Ex-Radprofi Udo Bölts aus Heltersberg hat einen nicht ganz einfachen Kurs vom Bergbad aus
Kurz entschlossen mitgekommen ist die Waldfischbacherin Tina Grün. Die ehemalige Triathletin begleitet uns und fotografiert. Wir laufen vom Wohnmobilparkplatz am Heltersberger Bergbad zunächst auf abschüssigem Terrain in Richtung Seetal. „Herrlich zum Einlaufen“, stellt Tina Grün fest. Nach zwei Kilometern erreichen wir die Talsohle und biegen nach rechts auf den Radweg ab. Etwa 200 Meter sind es, die wir auf Asphalt zurücklegen. Der 54-jährige Bölts erzählt von den Anfängen als Radprofi, als er nach einer Rundfahrt in Belgien mit dem gesamten Team in einem Sportheim duschte.
Hin und wieder auf dem Rad
Wir sprechen auch über die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Laufszene. „Es ist sehr schade, dass der gesamte Wettkampfsport ruht“, sagt Bölts, der 2009 im Trikot des TuS Heltersberg Deutscher Mannschaftsmeister im Berglauf war. Er schnürt nach eigenen Worten immer noch dreimal wöchentlich die Laufschuhe und während der Freibadsaison sieht man ihn auch öfters im Heltersberger Bergbad seine Bahnen ziehen. „Hin und wieder steige ich auch mal aufs Rad“, merkt der zwölfmalige Tour-de-France-Finisher beiläufig an, auch wenn er derzeit keine sportlichen Ziele verfolge.
Nun biegen wir nach links auf den Brunnenwanderweg ab. Bölts zeigt uns ein Schild mit der Aufschrift „Käwwerauschdebrunnen“. Der Brunnen ist einst auf dem Grundstück von August Käfer aus Heltersberg erbaut worden, deshalb der Name. Den Brunnen erreichen wir nach rund 2,3 Kilometern Laufstrecke. Kurze Zeit zum Durchatmen, während Tina ein Foto macht. „Kleine orthopädische Wehwehchen zwingen mich, etwas langsamer zu machen“, lässt derweil Bölts wissen. Von Langsammachen ist allerdings wenig zu spüren. Immer dann, wenn es abzureißen droht, nimmt der erfahrene Läufer Tempo raus.
Gelbes Trikot bei Läufen?
Wir passieren den „alten Schusterweg“, den früher die Arbeiter täglich von Geiselberg nach Waldfischbach in die Schuhfabrik zurückgelegt haben. Wir haben jetzt 2,6 Kilometer hinter uns und laufen immer noch im Tal entlang. Bölts erzählt von Ideen, wie man regionale Laufwettbewerbe attraktiver gestalten könne. Der Einsatz von Laufchips und Transpondern müsse Standard werden. Damit könnten wie im Radsport Sprint- oder Steigungswertungen während eines Laufes das Renngeschehen dynamischer erscheinen lassen. „Warum nicht auch besondere Trikots? Das Gelbe Trikot für den Führenden bei einer Cupwertung und ein rot-weiß-gepunktete Trikot für den schnellsten Bergläufer“, schlägt der Heltersberger vor und fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, man gewinnt damit auch Sponsoren. Es gibt viele Möglichkeiten, es ist alles besser als Stillstand.“
„Wir sind hier nicht zur Kur“
Wir laufen jetzt so ganz allmählich bergauf. Ich muss abreißen lassen – trotz aller Mühe. „Wir sind hier nicht zur Kur, das ist Training, reiß’ dich mal zusammen!“, ruft mir Bölts zu. Ich fühle mich geehrt, auch wenn es nicht die berühmte, an Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich gerichtete Aufforderung „Quäl dich, du Sau“ ist, so ist es doch etwas Besonderes, mit einem Athleten wie Bölts zu sporteln.
Wir laufen entlang herrlicher Wiesen und biegen nach 4,8 Kilometern rechts auf einen geschotterten Weg in Richtung Geiselberg ab. Es geht zunächst leicht bergauf, nach einigen hundert Metern wird die Steigung heftig, wir laufen auf Schotter trailartig steil berghoch. Am Ende der Schotterpiste biegen wir nach rechts ab und erreichen nach 5,2 Kilometern eine Gabelung. Bölts läuft nach links; der nächste Berg steht bevor. Wir folgen dem blauen Punkt. Nach 5,6 Kilometer verlassen wir den blauen Punkt und biegen nach rechts ab. Wir sind an einem Brunnen.
Keine Trinkpause
Meine Idee, in Richtung Wasser einen Abstecher zu machen, kommentiert Bölts augenzwinkernd so: „Wir sind hier bei einer seriösen Sportveranstaltung und veranstalten keine Trinkfestspiele.“ Heißt für mich, Augen zu und weiter geht’s, ohne Wasserrast. Auch wenn das Lauftempo nicht sonderlich hoch ist, wir pendeln zwischen 6:00 und 7:50 Minuten pro Kilometer, so spüre ich die Anstrengung nun deutlich in den Beinen.
„Wohnzimmer“ Holzland
Die Holzland-Region ist für den heimatverbundenen Bölts wie ein großes Wohnzimmer. Er betreut etwa 180 Kilometer des Mountainbike-Parks Pfälzerwald, genauer gesagt die Routen eins, zwei und drei und darüber hinaus auch noch 90 Kilometer Wanderwegenetz. Man trifft den Athleten deshalb öfters mit Schnittschutzhose und Kettensäge, um die Wege freizuschneiden.
Stopp am Rotkäppchenfelsen
Sieben Kilometer liegen hinter uns, als wir an einer Pferdekoppel nach rechts abbiegen. Nach wenigen hundert Metern biegen wir schließlich nach links ab. Wir laufen zunächst flach auf einem gut ausgebauten Weg. Nach 8,2 Kilometern laufen wir nach rechts, wieder in Richtung Seetal. Den längeren Downhill nutze ich, um die Atmung zu normalisieren und – soweit es möglich ist – die Beine zu lockern. Am Rotkäppchenfelsen, linksseitig, bleiben wir kurz stehen, um ein Foto zu machen.
Das schwerste Teilstück
Nach 8,9 Kilometern biegen wir nach links auf den Radweg ab und laufen in Richtung Heltersberg, wieder auf Asphalt. Vorbei am Schützenhaus hoch zum Schwimmbad folgt nun das schwerste Teilstück. Rund anderthalb Kilometer lang ist die letzte und heftige Steigung, die wir auf Asphalt zurücklegen. „Gehen ist keine Option“, sage ich mir, auch wenn das Tempo nach einer Kurve in einem der steilsten Etappen nur noch Schrittgeschwindigkeit beträgt. „Hier ist ein E-Bike durchaus eine Option“, merkt Udo Bölts an. Er selbst besitze aber keines, er verlasse sich rein auf die Kraft der Beine.
Die letzten Körner
Die letzten Körner werden verbrannt, und wir biegen bei Kilometer 10,2 nach rechts auf den Mountainbikepfad Nummer 2 ein. Dort laufen wir trailartig bis 11,3 Kilometer. Wir biegen links ab und joggen die letzten Meter hoch zum Ausgangspunkt, dem Parkplatz der Wohnmobile. „Während wir uns dehnen und lockern, sieht man bei Bölts keine Anzeichen von Anstrengung. „Doch, ich bin auch geschwitzt“ sagt er, aber ich hege Zweifel, ob es stimmt.
Fazit: Es ist eine sehr anstrengende, aber herrliche Strecke abseits zertifizierter Wanderwege – wir begegnen während unseres Laufs mehr Rehen als Menschen. Für jene, die sich diesen Rundkurs joggend nicht zutrauen, bietet sich eine Walkingrunde an.