Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Politiker haut auf die Pauke

Joshua Müller (rechts) beschreibt sich als Antifaschisten. Deshalb ist es für den Linken-Landtagskandidaten, hier im Gespräch mi
Joshua Müller (rechts) beschreibt sich als Antifaschisten. Deshalb ist es für den Linken-Landtagskandidaten, hier im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteur Christian Hanelt, wichtig, überall da Widerstand zu leisten, wo Faschismus zu erstarken droht.

Wir treffen uns im Pirmasenser Strecktal. Joshua Müller kommt mit dem Auto aus seinem Heimatort Busenberg. Mit dem eigenen Auto? Ist denn nicht der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr eine zentrale Forderung von ihm und seiner Partei Die Linke, für die er als Direktkandidat bei den Landtagswahlen antritt?

Genau hier sieht Müller auch das Problem. Umstieg ja. Aber „dafür muss der ÖPNV erst einmal alltagstauglich gemacht werden“, sagt er. „Der öffentliche Nahverkehr muss so ausgebaut werden, dass man verlässlich von überall in angemessener Zeit dahin kommt, wo man hin will.“ Auf dem Land mit sehr weiten Entfernungen ein zugegeben anspruchsvolles Ziel. Und wenn das dann noch kostenfrei angeboten werde, ja dann ist sich Müller sicher, würden viele Leute sofort umsteigen – und dann wäre auch er zu dem Termin mit der RHEINPFALZ nicht mit dem Auto gekommen.

Zwischen Ludwigshafen und Mannheim, also zwischen seinem Wohnort und dem Ort, wo Müller seit 2018 Politik und Geschichte studiert, ist das alles kein Problem. Da fährt spätestens alle 20 Minuten eine Straßenbahn.

Dass er den Weg in die Politik sucht, ist naheliegend, ist doch sein Vater Christof Ortsbürgermeister in Busenberg. Dass der allerdings als Freier Wähler eine andere politische Couleur vertritt, sei nie ein Problem gewesen. „Ich bin sehr sozial erzogen worden, habe soziale Werte vermittelt bekommen und konnte so auch mein politisches Weltbild entwickeln“, dankt Müller Junior seinem Elternhaus. In der Oberstufe des Dahner Otfried-von-Weißenburg-Gymnasiums hatte er Sozialkunde als Unterrichtsfach noch abgewählt. Sich so richtig für Politik zu interessieren, begann er dann mit etwa 17.

Und heute? Dass er das Direktmandat gewinnen wird – nein. So realistisch ist Joshua Müller. Aber es ist der Einstieg, denn nach dem Studium, das er im Sommer 2022 abschließen will, würde er sich gerne auch beruflich an die Linke binden, würde gerne für einen Abgeordneten oder die Fraktion arbeiten.

Dass er als 21-jähriger Jungspund für den Landtag kandidiert, sieht Müller gelassen. „Die Resonanz in der Partei ist gut. Außerdem versuche ich, alle anzusprechen“. Und gerade dass er als junger Mann in seinem Wahlkampf einen Fokus auf die Themen Rente und Altersarmut setze, verleihe ihm große Glaubwürdigkeit, ist sich Müller sicher. Seine Positionen dazu – unter anderem die Selbständigen und Beamten mit in ein gemeinsames Rentenboot zu holen – den Wählern zu vermitteln, sei in diesem Wahlkampf unter Corona-Bedingungen allerdings sehr schwer. „Wir hatten eigentlich auf den Haustürwahlkampf gesetzt“, bedauert Müller, nur noch wenige Möglichkeiten zu haben, sich den Wählern vorzustellen und für seine Agenda, zu der auch ein Ausbau der Digitalisierung und der erneuerbaren Energien gehört, zu werben. „Aber ich gebe nicht auf, bevor ich verloren habe“, lautet seine Devise. „Ich habe eine starke Grundüberzeugung, da ist es dann letztlich egal, ob ich gewählt werde oder nicht“, sagt der Mann, für den Gregor Gysi ein großes Vorbild ist: „Gysi ist ein grandioser Politiker, ein großer Rhetoriker mit viel Humor.“

Und wie erholt sich Joshua Müller vom Wahlkampf? Er spielt Schlagzeug in einer Mannheimer Metal-Band. Und wen wundert es: drei von vier Bandmitgliedern sind bei den Linken – so auch Sängerin Felicitas Freihold, die Tochter der Linken-Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold.

x