Fußball
Ein Pirmasenser geht zum Rekordmeister von Usbekistan
„Ich kann das eigentlich nur so beschreiben: Ich befinde mich gerade auf einer Abenteuerreise. Was mir der Fußball ermöglicht, ist unglaublich.“ Kimi Merk fällt es schwer, seine jüngsten Erlebnisse in Worte zu fassen. Der 19-jährige Pirmasenser hat gerade beim usbekischen Rekordmeister FK Pachtakor Taschkent einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und ist dort sofort spielberechtigt. „Wenn wir uns für die asiatische Champions League qualifizieren, spiele ich vielleicht gegen Ronaldo“, ist der ehemalige C-Junior des FK Pirmasens auf einer Welle der Begeisterung unterwegs.
Angebote aus der Zweiten Liga
Merk wurde gerade mit der U19 des 1. FC Kaiserslautern Meister der A-Junioren-Regionalliga Südwest und schaffte anschließend gegen Hessenmeister SV Wehen Wiesbaden den Aufstieg in die Bundesliga. Wie es danach für ihn im Herrenfußball weitergeht, war die spannende Frage. „Ich hatte mehrere Angebote – auch aus der ersten türkischen Liga und der Zweiten Bundesliga. Aber das beste und für mich überzeugendste Angebot lag mir von Pachtakor Taschkent vor“, erzählt der offensive Mittelfeldspieler.
Pachtakor ist usbekischer Rekordmeister, gewann elfmal die nationale Meisterschaft, holte ebenso oft den Pokalsieg im Land und qualifizierte sich in all diesen Jahren immer für die asiatische Champions League. 2002 und 2003 stand Pachtakor, das im 35.000 Zuschauer fassenden Zentral-Stadion spielt, sogar im Halbfinale. Merk: „Die Mannschaft steht im Moment auf Platz zwei der Superliga. Die Saison geht immer von Winter zu Winter, hat also derzeit sozusagen Halbzeit, und ich habe die Zusage, dass ich sofort in der ersten Mannschaft spielen kann, was ja für mich als 19-Jähriger phänomenal ist.“ Er muss sich also nicht erst über die U23 beweisen. „Die Kontakte waren schon da, als ich für die Nationalmannschaft von Kirgisistan in Usbekistan gespielt habe. Da hat es mir schon super gut gefallen hier. Und da alle russisch sprechen, habe ich mit der Verständigung keine Probleme“, erläutert der Pirmasenser.
Erstmals eigene Wohnung
Im September, wenn Merk mit der kirgisischen Nationalmannschaft aus Korea von der Qualifikation zum Asia-Cup zurückkommt, genießt er dann nicht mehr die Rundum-Unterstützung des Klubs auf dem Vereinsgelände, wo er aktuell wohnt, sondern bezieht in der usbekischen Hauptstadt seine eigene Wohnung. „Dann beginnt für mich ein völlig neues Leben. Ich muss waschen, putzen, einkaufen, kochen, was neben der fußballerischen gleich die nächste Herausforderung sein wird“, sagt der Fußballer mit der deutschen und kirgisischen Staatsbürgerschaft und lacht dabei.
Mutter Ina, Erzieherin im Pirmasenser Johannes-Kindergarten, gibt dann ihr letztes von drei Kindern ab in die Fremde. Bruder Kai spielt Fußball bei Union Titus Petingen in der ersten luxemburgischen Liga, Schwester Katja hat es nach Hamburg verschlagen. „Die Mutter hatte ein lachendes und weinendes Auge. Letztendlich hat sie mich ermuntert, diese Chance wahrzunehmen“, beschreibt der nun nach Usbekistan gewechselte Pirmasenser, was auch familiär hinter solchen Entscheidungen steht. „Die Sportanlagen in Taschkent sind optimal, alles läuft absolut professionell ab. Und was noch dazu kommt – wenn die U23 von Kirgisistan zum Trainingslager in die Hauptstadt Bischkek ruft, dann bin ich mit dem Flugzeug in einer Stunde dort. Die Länder grenzen ja aneinander.“
Gegen Cristiano Ronaldo?
Außer Kimi Merk zählen noch zwei Spieler aus Polen zum Kader des usbekischen Rekordmeisters, der sich jetzt mit Unterstützung eines Südwestpfälzers auf den Weg macht, seine zwölfte Meisterschaft einzufahren und sich für die asiatische Champions League zu qualifizieren. „Dann könnten wir auf Al Nassr FC treffen, den kommenden Meister von Saudi Arabien und dort spielt Cristiano Ronaldo. Das wäre ein Ding!“, könnten hier Träume wahr werden, die andere Fußballer nicht einmal ansatzweise zu träumen wagen.
Mit um die usbekische Meisterschaft buhlt noch die Mannschaft aus Namangan, der mit 420.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes hinter der 2,4-Millionen-Metropole Taschkent. Für die Champions League qualifizieren sich die beiden erstplatzierten Teams direkt. In Taschkent buhlen noch Ringen, Tennis und Eishockey um die Gunst des Publikums.