Pirmasens
Der März 1945 brachte Pirmasens Tod und Zerstörung
Bombenterror hatten die Pirmasenser schon vor dem März 1945 mehrfach erlebt. Neben dem großen Angriff im August 1944, der bereits Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte, waren es viele kleinere Angriffe mit Brand- und Sprengbomben, die regelmäßig für Alarm sorgten. Dazu kam ab Dezember 1944 Granatenbeschuss. Die Front war nähergerückt. Pirmasens lag jetzt im Visier der feindlichen Artillerie.
Entsprechend abgestumpft waren viele Pirmasenser, als am Donnerstag, 15. März, gegen 13 Uhr wieder die Bomber kamen. Da in den Wochen davor Bomber die Stadt nur überflogen oder nur punktuell angegriffen hatten, sahen es viele Bewohner nicht als nötig an, die Luftschutzräume aufzusuchen. An diesem Donnerstag machten die US-Bomber aber Ernst. In sieben Wellen wurden 945 Tonnen an Sprengbomben abgeworfen, dreimal so viel wie beim Angriff im August 1944. Zwei Stunden und zehn Minuten dauerte der Angriff.
393 Pirmasenser verloren ihr Leben
Dieser zweite große Angriff gab der Stadt den Rest. Die Kaiserschule, ein einst imposantes Gebäude in der Kaiserstraße, wurde restlos zerstört, obwohl das Gebäude als Lazarett diente. Mit einem großen roten Kreuz sei es markiert gewesen, heißt es, was die feindlichen Bomber aber nicht störte. 200 verletzte Soldaten wurden allein in der Kaiserschule getötet. Weitere 40 Tote waren im Nardinihaus zu beklagen. Darunter Pfarrer und Ordensschwestern. Insgesamt sollen 393 Pirmasenser in den zwei Stunden und zehn Minuten umgekommen sein. Die Opferzahl wäre noch größer gewesen, wenn nicht viele Pirmasenser wegen der sich nähernden Front die Stadt verlassen hätten. Zudem hausten viele außerhalb in Bunkern oder unter Felsen, wo sich nicht wenige Pirmasenser regelrecht häuslich eingerichtet hatten, um die letzten Tage des Krieges zu überstehen.
Schuhfabriken komplett zerstört
Die Schäden an den Gebäuden waren immens. In der Hauptstraße sollen nur noch fünf Häuser übrig geblieben sein. Die Peter-Kaiser-Fabrik in der Schlossstraße war ebenso wie Semler in der Alleestraße komplett zerstört. Die Rheinbergerfabrik war noch weitgehend erhalten, allerdings sollen dort Tage später noch Sprengsätze explodiert sein.
An bedeutenden Gebäuden traf es außerdem viele Schulen wie die Oberrealschule in der Luisenstraße, die beim Angriff zwar nicht so schlimm getroffen wurde, dass sie nicht noch zu retten gewesen wäre. Das Feuer fraß sich jedoch in den Folgetagen so durch das Haus, dass es abgerissen werden musste. Die Feuerwehr kam an vielen Stellen nicht zum Feuer durch, auch Tage später noch nicht. Man ließ es einfach weiterbrennen.
Täglich kam es zu Plünderungen
In den folgenden Tagen verstärkte sich die Fluchtbewegung vor den anrückenden Truppen. Täglich kam es zu Plünderungen in den Trümmern. Einige der Plünderer wurden auch erwischt und hingerichtet. Gestohlen wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war – vom Damenschuh über Rodelschlitten bis zu Lebensmitteln oder Zigaretten. Am begehrtesten waren Fahrräder und Leiterwagen. Viele wollten nur noch weg.
Die Kader der Nazipartei waren längst geflohen. Oberbürgermeister und Kreisleitung stellten sich am 22. März nicht dem Kampf mit den US-Truppen. Im Eisenbahntunnel bei Fehrbach hatte sich der Volkssturm mit 50 Mann eingerichtet. Die älteren Männer sollen jedoch bereits Zivilkleidung unter den Uniformmänteln getragen haben, um sich schnell vom Kämpfer zum Zivilisten wandeln zu können.
„Sie kamen und sie taten uns nichts“
Die Stimmung unter den verbliebenen Pirmasensern muss seltsam gewesen sein. Nach dem propagandistischen Dauerfeuer aus Radio und Zeitungen herrschte nun Ruhe. Seit Tagen war keine Post mehr angekommen. Telefonleitungen waren blockiert, Straßen nur schwer passierbar. In dieser Situation erschienen am Vormittag des 22. März die ersten US-Soldaten aus Richtung Winzeln und Biebermühle in der Stadt. Widerstand soll es keinen gegeben haben. „Sie kamen und sie taten uns nichts“, erinnerte sich ein Zeitzeuge.
Pirmasens schaffte es anschließend in die US-Presse. In einer Zeitung erschien in den Staaten am 5. April 1945 ein Foto aus Pirmasens, das Frauen in der Landauer Straße zeigte, die zwischen Trümmern ihren Geschäften nachgingen. Das war das einzige Foto aus den ersten Nachkriegstagen. Fotografieren hatten die US-Truppen strikt verboten.