Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel „Das Stromnetz ist nicht beliebig belastbar“

Durch die Windräder auf der Hackmesserseite ist die, in das Pirmasenser Netz eingespeiste Leistung nach oben geschnellt.
Durch die Windräder auf der Hackmesserseite ist die, in das Pirmasenser Netz eingespeiste Leistung nach oben geschnellt.

Die Leistung erneuerbarer Energieträger steigt in Pirmasens. Im vergangenen Jahr kletterte die Öko-Energie durch den Windpark Kröppen, der auch in das Stadtwerkenetz einspeist, auf 15 Prozent der Gesamtstrommenge. Eine Entwicklung, die bei den Stadtwerken nicht nur mit Begeisterung gesehen wird.

Jahrelang dümpelte der Anteil der Öko-Energie auf einem Level, das kaum der Rede wert war. 2005 beispielsweise brachten es die Solaranlagen auf Pirmasenser Dächern gerade mal auf eine Leistung von 282 Kilowatt. Die meisten Kilowatt davon wurden von den Solaranlagen des Gersbacher Pioniers Dietrich Eschenbach erzeugt.

Dann kamen die traumhaften Einspeisevergütungen von bis zu 51 Cent pro Kilowattstunden und fallende Preise der Anlagen. Die Leistung verdoppelte sich in den Folgejahren regelmäßig und erreichte Steigerungen von 2000 bis 3000 Kilowatt pro Jahr bis 2012. Seitdem kommen pro Jahr nur noch maximal 1000 Kilowatt an neuer Leistung dazu. In manchem Jahr auch nur noch 200 Kilowatt. 15.475 Kilowatt beträgt laut den Stadtwerken derzeit die Gesamtleistung aller Solaranlagen auf Pirmasenser Dächern. Das reichte aus, um im vergangenen Jahr 15 Millionen Kilowattstunden an Strom zu erzeugen und damit deutlich mehr als über den Wind in das Stromnetz der Stadt fließt.

Hier blieb es über 15 Jahre hinweg bei 1500 Kilowatt Leistung durch die Windräder bei Obersimten, die in das Pirmasenser Netz über einen Knotenpunkt bei Winzeln einspeisen. Dann kam 2020 der Windpark Kröppen dazu und die Leistung schnellte auf 9900 Kilowatt hoch. 13 Millionen Kilowattstunden an Strom speisten die Windräder auf der Hackmesserseite in das Pirmasenser Netz.

Zusammen mit der Solar-Energie und einem kleinen Anteil an Biomasse kommt die Öko-Energie auf nun 15 Prozent der in Pirmasens verbrauchten Strommenge. Ein Jahr davor waren es noch zehn Prozent. 2010 sogar nur magere zwei Prozent. Der Kröpper Windpark machte im vergangenen Jahr den Unterschied.

Das ist eine Strommenge, die eigentlich gut handhabbar sein müsste, wenn sie kontinuierlich wie bei einem Atomkraftwerk fließen würde. Die Sonne scheint aber nicht immer gleich und auch der Wind bläst recht unterschiedlich. Gerade in windigen Wintermonaten kommt das Stadtwerkenetz mit der Öko-Energie an seine Grenzen, gibt Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr zu bedenken. Dann kann der Öko-Strom schnell mal einen Anteil von 72 Prozent der Netzlastspitze erzielen. Aber eben nicht langsam aufbauend sondern schnell nach oben sausend.

Problematisch ist auch der rapide Abfall, je nach Gewitterwolke oder einer partiellen Sonnenfinsternis. Dann müssen die Regler im Stadtwerke-Netz schnell für Ausgleich sorgen bevor das Stromnetz kollabiert.

„Das Netz ist nicht beliebig belastbar“, erklärt Dörr. Da brauche es eine intelligente Laststeuerung, die Gewitterwolken und windige Tage ausgleichen helfe. Eine Lösung könnten private Stromspeicher in den Kellern sein und die Ladeboxen für Elektrofahrzeuge, die dann praktischerweise auch noch am Strom hängen, wenn viel Strom produziert wird. Überschüssiger Strom würde dann dort aufgefangen, was vor allem bei der Solar-Energie für Ausgleich sorgen könnte.

Bis dahin behelfen sich die Techniker bei den Stadtwerken mit der Abschaltmöglichkeit von Solar- und Windenergieanlagen. „Redispatch“ nennt der Fachmann das. Weht der Wind zu stark oder scheint die Sonne zu intensiv, kann die eine oder andere Anlage von den Stadtwerken aus abgeschaltet werden, um das Netz zu stabilisieren. Der Anlagenbetreiber bekommt den nicht produzierten Strom ersetzt, was letztlich der Stromkunde über die Erneuerbare-Energie-Umlage bezahlen muss. Ein entsprechendes Gesetz soll ab dem 1. Oktober den bilanziellen Ausgleich regeln. Die Abschaltung betrifft dann nicht nur neue Anlagen sondern auch die Altanlagen.

Ein Zustand, der nicht von langer Dauer sein wird, wenn die Stadtwerke zusammen mit dem Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) die geplante Elektrolyse bei Winzeln in Betrieb nehmen. Dort sollen Stromspitzen aus dem Windpark oder den Pirmasenser Solar-Anlagen über Elektrolyse in die Produktion von Wasserstoffgas fließen. Der kann anschließend in der schon bestehenden Anlage des PFI zusammen mit Kohlendioxid in Methangas, also Bio-Erdgas, umgewandelt und in riesiger Menge im Stadtwerke-Gasnetz gespeichert werden. Die Gasnetze erlauben durch Druckerhöhung generell die Speicherung großer Gasmengen. Überschüssiger Ökostrom ginge damit nicht mehr verloren, und die Windräder bei Kröppen müssten bei windigem Wetter nicht mehr stillstehen, wie es derzeit öfter mal der Fall ist.

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