Pirmasens Das Beste aus Jazz-Manouche und Chanson

Ein Ensemble von höchstem Unterhaltungswert: Das Lulu-Weiss-Ensemble spielte beim Kuchems Musiksommer im Brauhaus.
Ein Ensemble von höchstem Unterhaltungswert: Das Lulu-Weiss-Ensemble spielte beim Kuchems Musiksommer im Brauhaus.

Da ist mal was zusammengewachsen, was wirklich zusammengehört: Das Lulu-Weiss-Ensemble und die Chanson-Sängerin Karin Klein haben am Donnerstag in Kuchems Brauhaus das Debüt ihrer musikalischen Kollaboration gegeben. Mit Gewinn für das Publikum, das kompetent gespielten Jazz-Manouche und einfühlsam interpretierte französische Chansons genießen durfte.

Karin Klein hatte sich dem Pirmasenser Publikum mit der Chanson-Truppe „Cinq Couleur“ bekannt gemacht, die ebenfalls mehrfach beim Musiksommer reüssierte und rasch viele Freunde unter den Konzertgängern der Region gewann. Gleiches gilt fürdas Lulu-Weiss-Ensemble, das mit dem Sopransaxophonisten Sergio Enrique Parra, Nello und Lulu Weiss an den Gitarren und dem Kontrabassisten Otmar Klein eine höchst eigenständige und zeitgemäße Fortführung des Jazz-Manouche präsentierte, wie er vom Urvater des Genres, Django Reinhardt, unverwechselbar etabliert worden ist. Nachdem sich „Cinq Couleur“ als Ensemble auflöste, war es nur folgerichtig, dass Karin Klein mit den Sinti-Jazzern zusammenarbeiten würde - schließlich ist sie mit Otmar Klein verheiratet, der bei Lulu Weiss wie auch bei „Cinq Couleur“ den Kontrabass spielt(e). Die Zusammenarbeit macht aber auch musikalisch Sinn. Das klassische französische Chanson von Brassens bis Piaf hatte stets eine große Nähe zum Jazz-Manouche, bediente sich dessen Rhythmen, Harmonien und Tonleitern. Viele der Jazzmusiker verdingten sich gerne bei Chanson-Sängern und hatten selbst kaum Berührungsängste, ihre Musik mit populären Stimmen, etwa denen der „Valse Musette“, zu bereichern, zumal deren triolische Melodiengestaltung dem Zeitverständnis von Jazzern entgegenkommt. Zur Freude des Publikums verbanden sich am Donnerstag all diese musikalischen Tugenden und Qualitäten auf das Allerunterhaltsamste. Das Lulu-Weiss-Ensemble steht natürlich mit allem Respekt knietief in der Tradition Django Reinhardts, die Musiker sind aber selbstbewusst genug, ihre ganz eigene Stimme zu entwickeln. Nello und Lulu, die sich für Begleit- und Solofunktionen gerne ablösen, sind als Solisten - ja sogar als Begleiter - absolut eigenständige Persönlichkeiten, deren Personalstil man nach kurzer Zeit klar unterscheiden kann. Die Entscheidung, nicht wie in der klassischen Besetzung einen Geiger hinzuzunehmen, sondern einen Sopransaxofonisten, spricht ebenfalls Bände, dass sich das Lulu-Weiss-Ensemble seiner eigenständigen Auffassung des Jazz-Manouche verpflichtet fühlt. Wenn dann noch mit dem aus Chile stammenden Sergio Enrique Parra ein außergewöhnlich einfallsreicher Solist zur Verfügung steht, hat man eine farbenfrohe Musik, die so nur vom Lulu-Weiss-Ensemble geboten wird. Otmar Klein ist als Kontrabassist und Gitarrist, der sein Instrument auf die vier tiefen Saiten umgebaut hat, das Scharnier zwischen dem Jazz-Manouche und den Chansons seiner Frau Karin, die als Interpretin eine wirkliche Ausnahmeerscheinung ist. Nicht nur, weil ihre angenehm tief und rundtimbrierte Stimme bezaubert, Karin Klein hat deutlich mehr Geschmack als viele ihrer Wettbewerberinnen, die sich nicht scheuen, Edith Piaf platt nachzuäffen. Derlei Peinlichkeiten erspart Karin Klein sich und ihrem Publikum. So gesellt sich Qualität zu Qualität.

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