Pirmasens
Dank leichterer Module kann Photovoltaikanlage auf Messedach installiert werden
Die riesigen Dachflächen der Messe hatte Dezernent Denis Clauer schon länger im Blick für ein Sonnenkraftwerk. Bisher hatten die Statiker jedoch abgewunken. Die Solarmodule seien viel zu schwer für die Dachkonstruktion. Jetzt seien die Module jedoch viel leichter als früher, weshalb auf einem Teil der Messedächer eine insgesamt 680 Quadratmeter große Anlage realisiert werden soll, die dann immer noch ein Gewicht von acht Tonnen haben wird – ohne das Befestigungsmaterial. Aktuell erhältliche Module haben ein Gewicht von zwölf bis 14 Kilogramm pro Quadratmeter.
Die Investition will allerdings nicht die Messe leisten, sondern die Erneuerbare Energien Pirmasens GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Holding. Sie hat bisher kaum Geschäftstätigkeit entwickelt und wird mit dieser Photovoltaikanlage ihr bisher größtes Projekt angehen. Den erzeugten Strom verkauft die Erneuerbare Energien GmbH als sogenannten Mieterstrom an die Messe zu einem Preis von weniger als 20 Cent für die Kilowattstunde, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr verrät.
Stromverbrauch bei Messe schwankt stark
In einem ersten Schritt werden Module mit einer Leistung von 99,5 Kilowattpeak installiert und gleich Module mit weiteren 35 Kilowattpeak auf das Dach der Halle 6 montiert. Die Erweiterung soll jedoch erst in zwölf Monaten ans Netz gehen, da dann die gesetzlichen Regelungen größere Anlagen ohne bürokratischen Aufwand erlauben. Aktuell installieren viele Firmen in Deutschland nur Anlagen mit 99 Kilowattpeak, obwohl ihre Dächer viel größer sind. Wer größere Anlagen installiert, kann diese bisher laut Gesetzgeber nicht einfach den örtlichen Stadtwerken übergeben, sondern muss seinen Strom direkt vermarkten. Diesen Aufwand scheuen viele.
Dörr rechnet mit einem jährlichen Stromertrag von 130.000 Kilowattstunden. Die Messe verbraucht jedoch viel mehr. Laut Messe-Geschäftsführer Guido Frey sind es 280.000 Kilowattstunden. Frey geht davon aus, dass ein Drittel davon künftig mit der Sonnenenergie gedeckt werden könnte. Das Problem bei der Messe sei der geringe Anteil der Energie, die konstant benötigt wird für Lüftung, Licht und Bürocomputer. Bei Messen schnelle der Verbrauch stark in die Höhe und nehme Dimensionen an, die auch eine größere Photovoltaikanlage mit Speicher nicht mehr schaffen würde. Deshalb dürfte ein guter Teil des Solarstroms auch ins Netz gehen, weil er entsteht, wenn die Messe ihn nicht braucht.
Leichtere PV-Module auch auf FKP-Stadion möglich
Für Stadtwerke-Chef Dörr ist das Mieterstrommodell für die Messe eine gute Sache. Jedoch sei der bürokratische Aufwand enorm. Durch die Vergütung von weniger als 20 Cent pro Kilowattstunde werden die Stadtwerke aber immer noch mehr verdienen, als wenn sie den Solarstrom direkt ins Netz einspeisen würden. Volleinspeiser erhalten derzeit rund elf Cent pro Kilowattstunde. Für die Messe kann das Mieterstrommodell ein echtes Sparmodell werden, da damit auch gleich ein 20-Jahresvertrag mit Fixpreis verbunden ist.
Mit den 135 Kilowattpeak könnte auf den Messedächern noch nicht Schluss sein, wenn die gesetzliche Regelung für die 100-Kilowatt-Grenze aufgehoben ist. Dörr denkt an bis zu 230 Kilowattpeak auf den Messedächern nach.
Dezernent Denis Clauer, der neben der Messe auch noch für den Sport zuständig ist, hat bereits das nächste Riesendach im Auge: Auf dem FKP-Stadion wäre mit den leichteren Modulen inzwischen auch eine große Anlage möglich.