Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Christin Hussong gibt Anschauungsunterricht an IGS Waldfischbach

Und so sieht ein Speer aus, der schon mit bei Olympia war: Europameisterin Christin Hussong bringt den IGS-Nachwuchssportlern da
Und so sieht ein Speer aus, der schon mit bei Olympia war: Europameisterin Christin Hussong bringt den IGS-Nachwuchssportlern das Sportgerät, das seit dem 16. Lebensjahr ihr ständiger Begleiter ist, näher.

„Ist der leicht. Ich dachte, der ist schwerer“, sagt Len. Er hält den 600 Gramm leichten Speer von Europameisterin Christin Hussong in der Hand. Die 27-Jährige hat sich Zeit genommen, um ihm und seinen Mitschülern etwas über ihren Sport, ihr Leben als Leistungssportlerin, über Olympia zu erzählen und ihnen den Speerwurf näherzubringen.

Was so ein Speer kostet, wollen die Schüler wissen, die sich an der Integrierten Gesamtschule Daniel Theysohn in Waldfischbach-Burgalben für das Wahlpflichtfach Sport entschieden haben. Das beginnt bei 200 Euro. Speere, die sie im Wettkampf werfe, „kosten um die 800 Euro. Männerspeere, die schwerer sind, bis zu 1500 Euro“, erzählt Hussong. Dass sie zu Hause etwa 30, 35 Speere habe, lässt manchen IGS-Schüler, der schnell rechnet, tief Luft holen. Die Frage, die die Schüler am meisten bewegt, die sich auch mit Videostudium auf die Sportstunde vorbereitet haben: „Warum schreien Sie bei den Würfen?“ Hussong lacht. Die Herschbergerin bietet erst mal das unter Sportlern übliche „Du“ an. Warum sie manchmal schreie? „Keine Ahnung“, bekennt sie.

Der Speer, den sie mitgebracht hat, war mit in Tokio, bei ihren zweiten Olympischen Spielen. Eine olympische Medaille ist ihr noch unerfüllter Traum. 27 Jahre ist sie alt, jung für eine Speerwerferin. Sie hofft, den Traum noch bei zwei Olympischen Spielen wahr machen zu können. In Tokio verpasste sie als Neunte den Einzug ins Finale der besten Acht. „Wir haben das analysiert“, sagt sie. Dass sie im September das Diamond-League-Finale gewann, „war dann wichtig. Weil es gezeigt hat, dass ich es kann, dass wir in dieser Saison, außer Olympia, alles richtig gemacht haben“, sagt Hussong, die ihre Bestweite auch auf 69,19 Meter schraubte.

Auch ein Praxisteil gehört zu Hussongs Stippvisite

Sie hatte als Werferin, bei der Kraft in der Anlaufphase eine wichtige Rolle spielt, Probleme mit der Anlage in Tokio. Tokio gehörte zu den Momenten, in denen sie enttäuscht gewesen sei. Ob es die gibt, ob sie auch mal zweifle, wollen die Schüler wissen. Die gebe es bei ihr wie bei jedem Sportler, bei jedem Mensch. Zum Beispiel, wenn man Ziele, die man sich gesetzt habe, nicht erreiche. „Das kennt ihr bestimmt“, sagt sie und erntet zustimmendes Nicken.

Eine Ahnung davon, wie anspruchsvoll Speerwerfen ist, bekommen die IGS-Schüler im Praxisteil. Das Kreuzen der Beine in der Anlaufphase – eine Herausforderung. Bleibt die Speerspitze beim Wurfversuch stecken oder nicht, was einen ungültigen Wurf bedeutet, wird probiert.

Nach den Herbstferien steigt sie wieder ins Training ein

Nach dem Finale in Zürich – „die Diamond-League vergleiche ich immer mit der Champions-League im Fußball“, sagt Hussong – hat sie Pause gemacht. Um den Kopf frei zu bekommen. „Ich war einmal laufen“, verrät sie. Nach den Herbstferien steigt sie wieder ins Training ein. Täglich zweimal, morgens und nachmittags, jeweils zwei Stunden. Viel Ausdauer, viel Kraft. Den Speer habe sie im Training nicht oft in der Hand. „Das wird euch vielleicht wundern“, sagt sie. In Saarbrücken studiert sie Gesundsheitsmanagement. Vom Sport leben, wie Fußballer, „ist bei uns nicht möglich“. Aber: „Ich hatte das Glück, dass ich mein Hobby erstmal zum Beruf machen konnte.“

Auf den kleinen Sportplätzen in der Region hat sie als Fünfjährige mit der Leichtathletik begonnen, entschied sich als 16-Jährige für den Speerwurf. Heute fliegt sie, was die Kinder klasse finden, mit dem Speer um die Welt, zeigt in großen Stadien ihr Können. Sie ist Europameisterin, war Jugend-Weltmeisterin, hat unzählige nationale Titel gewonnen. Aber ein Star, sagt sie lachend auf die Frage, wie es sei, als Promi zu leben, sei sie nicht: „Ich bin die Christin aus Herschberg.“

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