Pirmasens
Camera clausa: Fotostudio „Die Camera“ schließt im November
Ralf Fink und Ute Schmidt, die das Geschäft als gleichberechtigte Partner führten, verabschieden sich aus der Pirmasenser Fotolandschaft. Die Entscheidung fiel ihnen nicht leicht, doch gesundheitliche Gründe bei Fink und Altersgründe bei Schmidt hätten den Schritt unumgänglich gemacht. Fink, der im Januar 61 Jahre alt wird, schildert den Abschied mit gemischten Gefühlen: „Nach so vielen Jahren in der Fotografie lässt man sein Lebenswerk natürlich nicht einfach hinter sich. Es ist hart, wenn man all das Revue passieren lässt.“ Für ihn steht fest, dass er sich in einem anderen Berufsfeld eine neue Tätigkeit suchen wird, denn ein Leben nur zuhause sei für ihn keine Option. „Ich suche nach etwas, was mir weiterhin Freude bringt und mich ausfüllt, denn Rente steht für mich noch nicht an,“ sagt Fink. Die Fotografie werde er jedoch nicht weiterverfolgen.
Ute Schmidt, die mit 65 Jahren bereits im Dezember vergangenen Jahres aus dem Geschäft ausstieg, will dagegen weiterhin in geringem Umfang fotografieren. Sie hat ein Kleingewerbe angemeldet und plant, Schulen und Kindergärten oder Familienporträts in der Region zu betreuen. Schmidt schildert, dass sie anfangs überlegt hatte, ganz aufzuhören, aber schnell merkte: „Nichts mehr zu machen ist einfach nichts für mich. Ich freue mich weiterhin über Anfragen und werde das machen, was mir Spaß macht.“
Digitale Fotografie: Vereinfachung und Herausforderung
Der Weg in die Selbstständigkeit begann für die beiden Partner nach gemeinsamen Erfahrungen im Fotostudio Krause und brachte viele positive Erinnerungen mit sich. Besonders die jährliche Messe Hageha war ein Highlight, erinnert sich Fink: „Das war immer eine gute Zeit und wir hatten viele schöne Jahre, in denen wir viele Menschen kennenlernen durften – lustige und auch bewegende Geschichten inklusive.“ Die Studioarbeit lag besonders Ute Schmidt am Herzen. Während Fink vor allem Hochzeitsreportagen, Produkt- und Sachaufnahmen übernahm, war Schmidt für die Porträts im Studio verantwortlich, besonders für Kinder- und Familienfotos. Diese Bindung zu ihren Kunden bleibt bestehen: „Die Familien, die zum ersten Mal vor vielen Jahren zu uns kamen, kommen heute noch.“ Und sie freue mich, diese Kunden ein letztes Mal vor der Schließung im Studio zu begrüßen, erzählt Schmidt. Einige Stammkunden wurden bereits kontaktiert, um ein letztes Porträt zu bekommen oder ihre noch verbliebenen Bilder und Dateien abzuholen.
Die Umstellung von analoger zu digitaler Fotografie war für Fink und Schmidt eine prägende Veränderung in ihrer Laufbahn. „Der Wert von Fotos hat sich verändert,“ meint Fink. „Früher haben die Leute den Aufwand geschätzt und waren bereit, für ihre Bilder zu zahlen. Heute will jeder die digitalen Dateien gleich mit dazu, und damit verschwinden Nachbestellungen und oft auch die Wertschätzung.“ Auch die technischen Umstellungen waren einschneidend: Vom Belichtungsmesser und der Dunkelkammer ging es hin zu schnellen, digitalen Bearbeitungen – eine Vereinfachung, aber auch eine Herausforderung.
Am Ende ihrer Laufbahn zieht Ute Schmidt ebenfalls ein positives Fazit: „Es war meistens schön. Man hat viel gearbeitet, sicherlich doppelt so viel wie ein normaler Angestellter. Aber der Beruf war erfüllend, und ich würde ihn jederzeit wieder wählen.“ Schmidt, die weiterhin Unterstützung von ihrem Ehemann Jürgen erhält, der auch im Geschäft mithalf, freut sich auf ruhigere Zeiten. „Seit März bekomme ich Rente, aber wirklich genießen konnte ich das bisher noch nicht,“ sagt sie schmunzelnd.