Pirmasens auf der Spur Besuch vor Ort: Die Pirmasenser Straße in Berlin (mit Video)
Wie es sich für eine Hauptstadt gehört, gibt es in Berlin prachtvolle Boulevards, beeindruckende Alleen und exklusive Einkaufsmeilen. Die Pirmasenser Straße ist jedoch keins davon. Geradezu unauffällig kommt sie daher, von der Zeppelinstraße in zwei Teilstücke getrennt. Gerade einmal 70 Schritte braucht es, um den einen Bereich zu durchqueren, 130 Schritte ist der andere Abschnitt lang.
Die Pirmasenser Straße ist geprägt von Genossenschaftsbauten aus den 1920er Jahren. Daneben stehen dort der ein oder andere Bau aus der Nachkriegszeit. Die Pirmasenser Straße liegt am Rande des sogenannten Falkenhagener Feldes. Die Siedlung verdankt offiziellen Angaben zufolge ihre Existenz der Wohnungsnot in West-Berlin in den frühen 1960er Jahren. Zuvor war die Gegend von landwirtschaftlichen Flächen und Schrebergärten geprägt.
Architektonische Höhepunkte gibt es keine in der Pirmasenser Straße. Vier- und fünfstöckig sind die dortigen Mehrfamilienhäuser. Lediglich ein Bau der evangelischen methodistischen Gemeinde sticht hervor: die Kreuzkirche. Beim Besuch der RHEINPFALZ prägen Baustellen und rot-weiße Warnbaken das Straßenbild. Neue Leitungen werden verlegt.
Hohe Grundstückspreise
So unspektakulär die Pirmasenser Straße im Berliner Stadtteil Spandau sein mag, werden dort doch Grundstückspreise aufgerufen, die für Südwestpfälzer nur schwer zu verdauen sind. Der Bodenrichtwert liegt bei 540 Euro. und das, obwohl der Mietspiegel die Gegend als „einfache Wohnlage“ ausweist.
Spandau liegt im Westen von Berlin und grenzt an das Bundesland Brandenburg. Das Brandenburger Tor in Berlin-Mitte ist von hier 15 Kilometer entfernt. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man für die Strecke fast eine Stunde. Zum Jahresende 2022 haben die Behörden für den Stadtteil 254.000 Einwohner registriert. Damit ist Spandau mehr als sechsmal so groß wie Pirmasens, allerdings keine eigene kreisfreie Stadt. Alleine das Falkenhagener Feld, in dem die Pirmasenser Straße liegt, hat rund 40.000 Einwohner. 1920 wurde Spandau in Berlin eingemeindet und ist seitdem Teil des Stadtstaates. Die Einheimischen sprechen übrigens von Spandau „bei“ Berlin. Damit wollen sie ausdrücken, dass ihr Ort, der schon im zwölften Jahrhundert erwähnt wurde, deutlich älter ist als das eigentliche Berlin. Heute ist der Bezirk einer der größten Stadtteile der Hauptstadt.
Die Heimat des Regierenden Bürgermeisters
Zu den bekanntesten Söhnen Spandaus dürfte wohl Kai Wegner gehören. Der Regierende Bürgermeister von Berlin wurde hier 1972 geboren und wuchs in dem Stadtteil als Sohn eines Bauarbeiters und einer Einzelhandelskauffrau auf. 1995 wurde Wegner in Spandau zum Bezirksverordneten gewählt. Das gilt gemeinhin als Beginn seiner politischen Karriere. Medienberichten zufolge lebt Wegner bis heute in Spandau.
Die Pirmasenser Straße bekam ihren Namen vor nicht einmal 100 Jahren. Thorsten Schatz (CDU) ist Bezirksstadtrat. Er berichtet der RHEINPFALZ, dass die Bezeichnung offiziell am 3. Oktober 1928 verliehen wurde. Zuvor habe das Gelände schlicht „Straße E“ geheißen. Dabei ist die Pirmasenser Straße nicht unbedingt in schlechter Gesellschaft, grenzt sie doch an den Germersheimer Weg an und eine Zweibrücker Straße ist ebenfalls nicht weit entfernt. Laut Bezirksstadtrat Schatz gibt es in diesem älteren Bereich des Falkenhagener Feldes mehrere Straßen, die einen Bezug zu Rheinland-Pfalz haben. Warum das so ist, ist mittlerweile allem Anschein nach in Vergessenheit geraten.
Vom Exerzierplatz zur Pirmasenser Straße in Spandau sind es rund 700 Kilometer. Eine Spandauer Straße sucht man hier zwar vergebens, aber immerhin gibt es in der Schuhstadt den Berliner Ring – der wiederum kann es locker mit der Pirmasenser Straße in der Hauptstadt aufnehmen.
