Pirmasens Bäcker zu sein „macht keinen Spaß mehr“

Bäckermeister Udo Diener mit einer großen Partybrezel.
Bäckermeister Udo Diener mit einer großen Partybrezel.

Immer mehr kleine Bäckereien, die noch frisch backen, machen dicht, sagt die Kreishandwerkerschaft Westpfalz. Mittlerweile gibt es nicht mal mehr halb so viele Betriebe in Pirmasens wie in den Glanzzeiten vor 50 oder 40 Jahren, als es noch an die 100 Backbetriebe in der Stadt gab. Einer der wenigen, der noch Brot, Brötchen und Backwaren von Hand herstellt, ist Udo Diener. Doch auch ihm macht der Strukturwandel zu schaffen. In drei Jahren will er seine Bäckerei in der Schäferstraße schließen.

Udo Diener backt täglich frisch, so, wie es schon seine Vorfahren taten. Nächstes Jahr feiern er und seine Mitarbeiter das 80-jährige Bestehen der Traditionsbäckerei, in der schon sein Vater und Onkel den großen Ofen bedient haben. Ein süßer, köstlicher Duft steigt in die Nase, sobald sich die Tür zum Ladengeschäft öffnet. Der Bäckermeister steht mit T-Shirt und kurzen Hosen in der Backstube, schließlich ist es dort warm genug. Mit dem Holzschieber holt Udo Diener nach und nach verschiedene Bleche mit Selbstgebackenem aus dem Ofen, den er vor vielen Jahren von seinem Vater übernommen hat und der auch nach stattlichen fünf Jahrzehnten „einfach nicht kleinzukriegen ist“. Der Bäckermeister, der vor 36 Jahren seine Lehre im Betrieb der Familie absolviert hat, erzählt derweil, dass er jeden Tag um halb drei Uhr morgens seine Backstube betritt. An sechs Tagen die Woche. Das schlauche mit der Zeit, zumal er, seit er das Ladengeschäft Anfang der 80er übernommen hat, auf Unterstützung von Gesellen verzichtet. Der gebürtige Pirmasenser, der insgesamt vier Bäckereifachverkäuferinnen beschäftigt, gehört als gelernter Bäckermeister schon fast zu einer Minderheit in Pirmasens. „Klassische Bäckereien, die wirklich frisch backen, verschwinden zunehmend mehr“, bestätigt er. Seiner Zukunft schaue er schon lange besorgt entgegen. „Wir haben im Laufe unserer 80-jährigen Geschichte schon so manche Höhen und Tiefen erlebt, aber so langsam komme ich an einen Punkt, wo es nicht mehr geht. Da konzentriere ich mich lieber auf das reine Liefergeschäft, das ich bislang nebenbei betrieben habe“, kündigt der 52-jährige an. Mit der Zeit seien immer weniger Kunden gekommen. Bäckereifilialen und Discounter, die ihre Ware zu Schleuderpreisen verkauften, hätten das Ruder übernommen. „Wer fährt schon extra nach dem Einkauf im Supermarkt noch in eine Bäckerei und holt dort sein Brot? In diesen Zeiten macht das Bäckerhandwerk keinen Spaß mehr“, gibt sich Diener desillusioniert. Von der Qualität der tiefgekühlten Ware, die im Discounter lediglich aufgebacken wird, hält er nichts. „Es ist bequem. Und das war es auch schon“, meint er. Was neben verschiedenen Brotsorten, für die Diener seinen eigenen Sauerteig verwendet, noch „sehr gut“ funktioniere, sei der Verkauf von riesengroßen Partybrezeln mit verschiedenen Belägen oder belegte Brötchen, die vorrangig von Schülern auf ihrem Schulweg gekauft werden. „Mit der Snackbar mache ich, gemessen am Rest, mittlerweile ein gutes Geschäft“, erzählt Diener. Hinzu kämen selbstgebackene Kuchen und Torten, die er, zusammen mit einer Konditorin, regelmäßig in den großen Ofen schiebt und die mehrfach die Woche vorbestellt werden. „Klar habe ich eine Stammkundschaft, die mich regelmäßig besucht, aber leben, wie einst in den 50er bis 70er Jahren, kann man davon mehr schlecht als recht“, zieht Diener Bilanz. „Um die Weihnachtszeit zieht das Geschäft erfahrungsgemäß wieder etwas an. Dennoch habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, das Ladengeschäft in drei Jahren zu schließen. Einen Nachfolger suche ich nicht, weil in der heutigen Zeit kaum einer den Beruf des Bäckers erlernen möchte. Von einer Selbständigkeit kaum zu reden“, sagt Diener. Das stimme ihn traurig. DIE SERIE Bäckereien gab es früher in fast jedem Ort in der Südwestpfalz. Aber sie sind selten geworden – Ketten bestimmen das Bild. In unserer Serie „Unser täglich Brot“ stellen wir Betriebe aus der Region vor, die die Tradition des Backhandwerks weiterführen.

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