Pirmasens „Ateliers über Grenzen“: 32 Künstler erstellen Broschüre
Viel Überzeugungsarbeit dürfte Petra Würth nicht benötigt haben, um 32 Kunstschaffende von Pirmasens bis ins elsässische Wimmenau an einen Tisch und jetzt in eine Broschüre zu bekommen. Die entsprechende Finanzierung und Organisation brauchte dann aber doch einige Jahre. Jetzt ist mit der Broschüre „Ateliers über Grenzen“ der erste Schritt für eine Vernetzung von pfälzischen und elsässischen Künstlern getan.
Am Sonntag präsentierten Würth und ihre 31 Mitstreiter das Farbprospekt, das von dem Fischbacher Peter Wuttge gestaltet wurde und mit EU-Geldern die 2000 Euro teure Finanzierung erhielt. Die Uridee dazu habe sie bereits vor 30 Jahren bei einem Aufenthalt in Burgund gehabt, erzählt Petra Würth aus Petersbächel bei der Präsentation im Holz-Art-Schauatelier ihres Mannes Erwin. Vor einem Jahr ging es dann an die Realisierung der jetzt mit einer Auflage von 11.000 Stück erschienenen Broschüre, die über die Tourist-Infos der Region und in den beteiligten Ateliers ausliegt.
Jeder Künstler wird vorgestellt
So wie beim Berufsverband Bildender Künstler mit seinen offenen Ateliers werden in dem Prospekt Künstler vereint, die ein zu besichtigendes Atelier haben. Die 32 Teilnehmer haben sich laut Würth aus dem Netzwerk selbst ergeben. Jeder kannte noch einen und so spann sich das Netz von Pirmasens über Langmühle, Dahn und Hauenstein über Schönau rüber ins Elsass nach Obersteinbach, Lembach, Preuschdorf, Woerth, Reichshoffen bis nach Wimmenau. Holzdrechsler, Bildhauer, Maler, Fotografen, Keramiker und Glaskünstler finden sich ebenso in dem Netzwerk wie eine Strickdesignerin, eine Lederwaren-Manufaktur oder ein Kunstschmied. Alle Kunstschaffenden werden mit Foto der Person, eines Werkes und einem kurzen Text in deutscher wie französischer Sprache vorgestellt. Dem Kunstfreund soll mit der Broschüre ein Leitfaden in die Hand gegeben werden, der beim Urlaub in der Region das Bummeln von Atelier zu Atelier ermöglicht. Es sei jedoch nur ein Ausschnitt des künstlerischen Schaffens beiderseits der Grenze, betont Würth und lässt damit das Netzwerk offen für die übrigen Kunstschaffenden der Region, die noch nicht in dem Netzwerk mitmachen. Die Broschüre soll Lust machen, auf Entdeckungsreise zu gehen.
Kunst kennt keine Grenzen
Und wie die aussehen kann, das zeigten die beteiligten Künstler am Sonntag in Erwin Würths Schauatelier, wo jeder ein Beispiel seiner Kunst mitgebracht hatte. Das Spektrum reicht von Malerei mit kubistischem Einschlag von Johanna Kirsch aus Gossersweiler-Stein über Ledertaschen der Dahnerin Conny Erker bis zu Naturfotografie von Gudrun und Peter Wuttge oder Peter Engel aus Fischbach. Bei den Franzosen stechen die filigranen Keramiken von Isabelle Keller aus Obersteinbach hervor sowie die aufwändigen Glasobjekte von Julie Gonce aus Preuschdorf. Die Broschüre ermöglicht auch ein Wiedersehen mit dem ganz klassisch arbeitenden Dahner Maler Manfred Lehrmann oder seinem experimentellen Hauensteiner Kollegen Karl Betz. An der Kunst selbst lässt sich keine Grenze ausmachen. Beiderseits wird mit denselben Materialien gearbeitet und auch die Ergebnisse driften nicht auseinander. „Wir haben hier eine Region und diese Grenze sollte uns nicht aufhalten“, meint Petra Würth, die von einem deutsch-französischen Künstlerfestival träumt. Unterstützung bei dem jetzigen Projekt erhielt sie von Landrätin Susanne Ganster, die als Vorsitzende der Lokalen Arbeitsgruppe Pfälzerwald Plus das Projekt gerne bezuschusst hat. Die Politik könne für engagierte Kulturschaffende nur den Rahmen schaffen. Die Landrätin betonte ebenfalls, dass die Grenze nur auf dem Papier bestehe und Elsass und die Südwestpfalz eine einzige Region darstellten.