Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Architektenwettbewerb für Neubau der Pirminiusschule auf Husterhöhe

Der Pausenhof der Husterhöhschule ist als Bauplatz für die neue Pirminiusschule vorgesehen.
Der Pausenhof der Husterhöhschule ist als Bauplatz für die neue Pirminiusschule vorgesehen.

Die Pirminiusschule platzt aus allen Nähten und die Schülerzahlen steigen weiter. Das Gebäude aus den 1970er Jahren bräuchte zudem eine Sanierung. Ein Neubau soll die Probleme lösen und dafür soll ein internationaler Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Der neue Standort ist schon gefunden.

Seit vier Jahren arbeiten die Schulbehörden von Stadt und Landkreis sowie die Heinrich-Kimmle-Stiftung an einer Lösung für die Platzprobleme der Pirminiusschule. Die Schule ist für Schüler mit schweren Einschränkungen und einem Bedarf an einer ganzheitlichen Förderung. Das Gebäude im Heinrich-Kimmle-Weg war für 100 Schüler konzipiert. Laut Oberbürgermeister Markus Zwick waren es 2019 schon 144, in diesem Jahr werden 160 Schüler unterrichtet. Die Schulleitung habe versucht, mit Containern die Platznot auszugleichen, erzählt Marko Dobrani, Vorstand der Heinrich-Kimmle-Stiftung, der das Schulgebäude gehört und die auch Träger der Einrichtung ist.

„Es fehlen Differenzierungsräume“, benennt Dobrani eines der Probleme der Schule, in der Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren unterrichtet werden. Für die Arbeit mit den Kindern brauche es kleinere Klassen als sonst üblich und die könnten bei dem derzeitigen Raumangebot nicht gebildet werden. „Das behindert die pädagogische Arbeit stark“, so Dobrani, der auch auf die Belastungen für das Personal verweist.

Kombination gibt es in Deutschland nicht oft

Als Lösung habe die Stadt zusammen mit dem Kreis, aus dem rund ein Viertel der Schüler kommt, verschiedene Varianten durchgespielt. Anbau oder Abriss der alten Schule kamen nicht in Frage. Die Lösung findet sich auf dem Gelände der unweit gelegenen Husterhöh-Grundschule. Der dortige Pausenhof reiche für den Neubau einer Schule, die alle Platzprobleme der Heinrich-Kimmle-Stiftung lösen würde. Oberbürgermeister Zwick sieht sogar Vorteile für die Husterhöhschule, die vom Schulschwimmbad und der Turnhalle der Pirminiusschule profitieren könne. Die sollen erhalten bleiben, wie Zwick und Dobrani betonen. Schwimmhalle und Sporträume seien 2010 erst aufwendig saniert worden.

Die Kombination einer Sonderschule direkt neben einer Grundschule sieht Dobrani als „pädagogisch spannendes Projekt“, das es in der Art in Deutschland noch nicht so oft gebe. Aktuell gebe es bereits Synergien zwischen beiden Schulen. Im Sport gebe es Kooperationen. Viertklässler der Husterhöhschule lesen in der Pirminiusschule vor, erzählt die Husterhöh-Schulleiterin Anne Dörthe Hammel. Als weiteres Beispiel nennt sie den Schulhund, der auch in der Pirminiusschule zum Einsatz kommt. Hammel sieht weitere Kooperationsmöglichkeiten, wenn die Pirminiusschule direkt auf dem Schulgelände wäre und Räume des Neubaus auch von der Husterhöhschule mitgenutzt werden könnten, was derzeit geplant sei, wie Bürgermeister Michael Maas betont.

Baubeginn im Jahr 2026 anvisiert

Was der Neubau kosten soll, will Maas am Freitag bei der Präsentation der Idee noch nicht sagen. Der Architektenwettbewerb müsse erst abgewartet werden und der wird rund 350.000 Euro kosten. Ein Büro, das bereits für die Wettbewerbe für das Jugendhaus und die TVP-Halle tätig war, soll den Wettbewerb für die neue Pirminiusschule managen. Als Preisgeld für den ersten Preis werden 175.000 Euro ausgelobt. Eine europaweite Ausschreibung sei nötig. Maas zeigt sich zuversichtlich, sehr zügig alles erledigen zu können. Als Baubeginn visiert er 2026 an – und zwei Jahre später könnte die Einweihung gefeiert werden. Die Kimmle-Stiftung wird die alte Schule behalten und für Wohnprojekte nutzen, kündigt Dobrani an. Den Neubau werden Stadt und Landkreis bezahlen. Die Höhe des Anteils wird sich laut Zwick aus dem Anteil der Schüler aus Stadt und Land berechnen.

Die Frage nach der Ursache für den Anstieg der Schülerzahlen konnte Dobrani nicht richtig beantworten. Grundsätzlich sollen schließlich Kinder mit Einschränkungen in normalen Schulen mit unterrichtet werden, was als Inklusion bezeichnet wird. „Die Inklusion funktioniert nicht so ganz wie gewünscht“, meint Dobrani. Die Grundschulen befänden sich bereits ohne Sonderschüler an der Grenze, was die Husterhöh-Schulleiterin Hammel auch auf die vielen Schüler zurückführt, die bei der Einschulung kein Wort Deutsch sprächen. Neben vielen Kindern aus Flüchtlingsfamilien sorgten gerade in Pirmasens viele zugezogene deutsche Familien mit „bildungsfernem Hintergrund“ für weitere Herausforderungen, so Hammel. Da bleibe wenig Spielraum für Schüler mit Einschränkungen. Zusätzlich steige deren Zahl, so Dobrani. Eltern verbrächten immer weniger Zeit mit ihren Kindern, die dann bestimmte Entwicklungsverzögerungen aufwiesen.

Zur Sache

Die Pirminiusschule wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not geboren. Prälat Heinrich Kimmle sah bei vielen Familien Probleme mit Kindern, die eine Behinderung hatten. Sie wurden früher sogar versteckt, nicht zuletzt wegen der Gefahren für Menschen mit Behinderung in der NS-Zeit . 1965 begann Kimmle mit der Betreuung von acht Kindern in der Kirche St. Elisabeth. Daraus wurden schnell mehr und zwei Jahre später gab es bereits Sonderkindergarten, Sonderschule und Anlernwerkstatt. Aus der Pirminiusschule entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Geflecht aus Werkstätten und Einrichtungen, die unter dem Dach der Heinrich-Kimmle-Stiftung heute über die Stadt hinaus Hunderte Menschen mit Einschränkungen betreut und unterstützt.

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