Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Als Franzosen und Deutsche sich versöhnten

Ökumenische Messe beim Friedenskreuz auf dem Ruhfelsen in den 60er Jahren.
Ökumenische Messe beim Friedenskreuz auf dem Ruhfelsen in den 60er Jahren.

Als Zeichen der Versöhnung wurde im Mai 1954 auf dem Pirmasenser Ruhfelsen ein Friedenskreuz von französischen und deutschen Jugendlichen aufgestellt. Ein weithin sichtbares Symbol der Völkerverständigung.

Für die damalige Zeit war dies in der Tat ein starkes Zeichen der Versöhnung, denn erst vier Jahre später trafen sich der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatschef Charles de Gaulle in offizieller Mission im Kurhaus von Bad Kreuznach. Und weitere fünf Jahre später wurde 1963 der deutsch-französische Freundschaftsvertrag geschlossen.

5000 katholische Jugendliche waren dabei, darunter 300 junge Franzosen, als das Friedenskreuz auf dem Ruhfelsen unterhalb der Steinstraße von den jungen Leuten aufgestellt wurde. Die deutsche Jugend brachte den Längsbalken des elf Meter hohen Kreuzes mit, französische Jugendliche – überwiegend aus Walschbronn – kamen mit dem 5,40 Meter langen Querbalken, auf dem die Inschrift „Gottes Reich geht über alle Grenzen“ eingeschnitzt war. Die Aufstellung des Kreuzes war zur damaligen Zeit mit bekannten Namen verbunden. Persönlichkeiten aus dem kirchlichen als auch dem politischen Bereich, von denen die meisten inzwischen verstorben sind. Auch das Kreuz wurde im Laufe der Zeit „hinfällig“, sodass es im Mai 1988 abgebaut wurde. Es war morsch und baufällig geworden.

Versprechen wurde erneuert

„Der Versöhnungsgedanke muss weiterleben“, stand damals bereits fest. Das alte Kreuz durch ein neues zu ersetzen, fand spontane Zustimmung bei den „Ehemaligen“ diesseits und jenseits der Grenze. Wie 1954 sollten 35 Jahre später Jugendliche aus Frankreich und Deutschland in einem Pontifikalamt das Versprechen erneuern, das ihre Eltern einst gegeben hatten. Im Mai 1989 wurde das neue Kreuz in der Pfarrkirche St. Anton durch den Speyrer Diözesanbischof Anton Schlembach und durch den Bischof von Metz, Pierre Raffin, geweiht und gesegnet.

„Alle Mann ans Holz“

Am 20. Mai 1989 wurde das Kreuz, dessen Längsbalken von dem damaligen Forstdirektor Lothar Kempf gestiftet worden war, der Querbalken kam wiederum aus Walschbronn, mit vereinten Kräften wiedererrichtet. Viel Schweiß floss auf dem Ruhfelsen bei hochsommerlichen Temperaturen, bis das Kreuz aufgestellt war. 70 Helfer beteiligten sich an der Aktion. Das neu geschaffene Kreuz wurde mit Seilen, Stützen und Winden in die Höhe gehievt, um es anschließend in den Trägerschienen zu verankern. Das Kommando führte Emil Hemmer, langjähriges Ratsmitglied der CDU im Pirmasenser Stadtparlament. „Alle Mann ans Holz“ und „Hau ruck“, trieb Hemmer die Helfer an, die Zentimeter für Zentimeter das schwere Holz in die Höhe stemmten.

Nach rund eineinhalb Stunden war es geschafft und der damalige Leiter des Pfarrverbandes St. Elisabeth dankte allen, die in irgendeiner Weise einen Beitrag zur Wiedererrichtung des Friedenskreuzes geleistet hatten. „Dieses Kreuz ist mehr als ein Stück Holz. Es ist ein Zeichen der Begegnung untereinander, ein Zeichen, dass Gott uns diesseits und jenseits der Grenze grenzenlos nahe sein will“, sagte er.

Die Serie

Das Archiv der Pirmasenser Lokalausgabe der RHEINPFALZ birgt einige Schätze. „Ein Bild und seine Geschichte“ soll sie zugänglich machen. Es sind Aufnahmen aus dem öffentlichen Leben und aus dem Alltag, von Ereignissen, die damals die Menschen in Pirmasens und darüber hinaus beschäftigten.

Mit vereinten Kräften wurde 1989 das neu gestaltete Friedenskreuz in die Höhe gehievt.
Mit vereinten Kräften wurde 1989 das neu gestaltete Friedenskreuz in die Höhe gehievt.
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