Pirmasens Allemalache

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Sven Hieronymus macht Spaß und sein aktuelles Programm „Rocker vom Hocker“ kommt beim Publikum prächtig an. Am Samstag hatte der RPR1- Morning-Show Comedian volles Haus in der Pirmasenser Kulisse, was über den eigentlichen Anlass hinaus gleich aus mehreren Gründen ein gutes Zeichen für das Kulturangebot in Pirmasens ist.

Zunächst ist es Veranstalter Steffen Woll, Inhaber der Veranstaltungsagentur „Sound4You“ aus Ruppertsweiler, die auch am Sommerkino auf dem Schlossplatz beteiligt ist, zu danken, dass er hier auf eigenes Risiko Neues wagt – ohne die Absicherung durch städtische Ausfallbürgschaften. Man nehme einen wirklich populären Künstler, macht aber ansonsten kaum ein werbliches Bohei und setzt auf intensive Mund-zu-Mund-Propaganda: Voilà, die Bude ist auf Anhieb ausverkauft und bereits jetzt steht ein Nachfolgetermin mit Sven Hieronymus am 30. Mai – erneut in der Kulisse – fest. Die ersten 80 Karten sollen schon verkauft sein. Gutes Zeichen Nummer zwei: Mit guter, leichtgewichtiger Unterhaltung kann man offensichtlich vielen Menschen eine Freude machen und sie nach Pirmasens holen. Denn es war für den fleißigen Pirmasenser Kultur-Nutzer, der mehr als ein Konzert, mehr als einen Kabarettabend, mehr als ein Theaterstück im Jahr besucht, auf Anhieb erkennbar, dass nicht nur die bekannten Gesichter – man kennt sich ja untereinander – in der Kulisse aufgelaufen waren, sondern mit diesem Abend ein Publikum erschlossen wurde, das auch weitere Anfahrten auf sich genommen hatte. Und das war beileibe nicht nur der Fan-Kreis des gebürtigen Mainz-Hechtsheimers Sven Hieronymus. Gutes Zeichen Nummer drei: Veranstaltungen mittlerer Größe funktionieren auch außerhalb der noblen Alten Post oder der oft ein bisschen überdimensionierten Festhalle. Zudem muss es auch nicht immer ambitionierte Hochkultur sein, Groß-Kabarettisten wie Hagen Rether in der Festhalle oder neue Musik wie „So klingt Pirmasens“ mit „Zero Crossing“ Peter I. Edwards und Max Riefer in der Alten Post, beide im letzten Monat. Frohgemute Spaßvögel wie Sven Hieronymus stellen eine so willkommene wie notwendige Balance her. Und es ist ja alles andere als hirnloser Blödsinn, was uns der Comedian Sven Hieronymus serviert hat. Gut, die Rahmengeschichte von der Darmspiegelung setzt die Grundlinie des Abends schon mal recht tief an, aber Sven Hieronymus beherrscht sein Metier und schafft es, nicht allzu zotig zu werden. Auch das Glöckchen, das zu freudigem ehelichen Tun ruft, hat komisches Potenzial, das Sven Hieronymus gerne ausspielt. Die fiktiven Telefonanrufe mit der Angetrauten und der Tochter, die gerade bei der Fahrstunde für allerlei Katastrophen sorgt, sind richtig spaßig. Sven Hieronymus gibt eben den kreuzbraven Rocker vom Hocker, dem vom juvenilen Rebellentum gerade noch die blonden Schnittlauch-Locken geblieben sind und der ansonsten die Freuden von Sportheim, Couch und fettem Essen genießt. Die Erinnerungen an Schwimmbad, Chlor, Dolomiti oder „Brauner Bär“ verorten Sven Hieronymus ohnehin als einen, der seine Teenager-Nostalgie den späten 70ern und frühen 80ern verdankt. Gut so. So geht Kurzweil, die unser Comedian zudem generös serviert: Zweimal eine Stunde und zwei Zugaben, das ist Unterhaltung satt. Und wer einen lockeren Abend ohne Nach- und Nebenwirkungen, außer reichlich herzlich-entspanntem Lachen erleben möchte, einfach den 30. Mai im Terminkalender notieren. Dann kommt Sven Hieronymus zurück in die Kulisse.

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