Pirmasens Abschied nach 43 Jahren als SCH-Funktionär
Um 15.30 Uhr erwartet der SC Hauenstein heute den FC Hertha Wiesbach im Stadion am Neding. Es könnte für den SCH, der seit 20 Jahren nonstop der Fußball-Oberliga angehört, für lange Zeit das letzte Heimspiel in dieser Liga sein, denn noch kann der Sportclub auf einen Abstiegsrang abrutschen, und außerdem steht ja weiterhin ein freiwilliger Rückzug in die Verbandsliga im Raum. Für einen ist es auf alle Fälle das definitiv letzte Heimspiel als Funktionär beim Sportclub: SCH-Geschäftsführer Markus Kuntz (62), auch Macher der Stadionzeitung und Stadionsprecher, wird zum letzten Mal die Mannschaftsaufstellungen beider Teams verlesen, Torschützen nennen und Auswechslungen bekanntgeben. Danach geht der an der Integrierten Gesamtschule Grünstadt tätige Lehrer in den Fußball-Ruhestand. 1964, im Alter von neun Jahren, wurde Markus Kuntz Mitglied des Sportclubs, für den er bis 1979 spielte. Seit 1974 übernahm der Hauensteiner Verantwortung in seinem Verein: erst als Beisitzer im Vorstand (bis 1978), dann als Schriftführer im Spielbetrieb (bis 1984), dann als 1. Vorsitzender (bis 1998) und seither als Geschäftsführer. In diesen 43 Jahren hat Kuntz, der einst die E-Jugend und später auch die B-Jugend des SCH trainierte, viel erlebt. Den Weg von der B-Klasse (Meister 1983) bis in die damals neu gegründete Regionalliga (1994) hat Kuntz entscheidend mitgestaltet. Zu Beginn seiner 14 Jahre als Vereinschef wurde Trainer Wendelin Guster verpflichtet, der die Mannschaft zu vier Meisterschaften (A-Klasse, Bezirksliga, zweimal Verbandsliga) führte und dann auch als Oberliga-Sechster die Qualifikation zur neuen Dritten Liga schaffte. Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen oder Arminia Bielefeld spielten im Wasgaustadion, wo es keinen Zaun ums Spielfeld und keinen Extra-Block für Gäste-Fans gab und gibt. „Damals ging das auch ohne riesige Sicherheitsauflagen. Heute ist das kaum mehr vorstellbar“, sagt Kuntz und fügt hinzu: „Es war sehr schön, den Weg von ganz unten nach oben zu schaffen. Zumal das Vereinsleben damals noch ein ganz anders war. Aber sich dann auch 20 Jahre am Stück in der Oberliga zu halten und oft vorne mitspielen zu können, war natürlich auch bemerkenswert.“ Auch an den 14. Juli 1995 erinnert sich Kuntz gerne. An diesem Tag – zwei Wochen nach Beginn der Saison 1995/96 – entschied das Ständige Neutrale Schiedsgericht in Mainz, dass die Regionalliga West/Südwest für ein Jahr auf 19 Vereine aufgestockt wird und der SCH doch nicht absteigen muss. „Das war sehr spannend damals. Der 1. FC Saarbrücken erhielt keine Lizenz für die 2. Bundesliga, und wir sollten deshalb absteigen. Wir haben eine Lücke in den Statuten erkannt und genutzt“, erzählt Kuntz. Er erlebte beim SCH nach dem höchst erfolgreichen Langzeitcoach Guster (1984 bis 1998) Trainer wie Nationalspieler Helmut Kapitulski, Weltmeister Jürgen Kohler und den legendären Robert Jung. Ein Amt wird Kuntz über die Saison hinaus weiter ausüben. „Als Vertreter der Vereine im Fußball-Regionalverband bin ich bis 2018 gewählt. Das mache ich auch fertig“, sagt der 62-Jährige. Wenn sich dann jemand aus dem Kreis der Oberligavereine zur Verfügung stelle, trete er sehr gerne zurück. Andernfalls könne er sich auch vorstellen, hier noch eine Periode anzuhängen. „Diese Arbeit macht Spaß. Auch war es immer sehr interessant, als Delegierter an den immer zwei bis drei Tagen dauernden DFB-Bundestagen teilzunehmen. Man konnte verfolgen, wie professionell sich das alles entwickelt“, sagt Kuntz, der nach dem kommenden Schuljahr auch beruflich in Rente gehen wird. Dem SCH werde er verbunden bleiben, nun aber alles „ganz unbelastet“ aus der zweiten Reihe beobachten. „Natürlich kann man jetzt noch nicht sagen, welches sportliche Niveau der SCH in Zukunft halten kann. Aber zunächst ist es gut, dass Nachfolger da sind und es sinnvoll weitergehen kann“, merkt der Noch-Geschäftsführer an. Er hofft, dass sowohl Mitglieder als auch Sponsoren der neuen Führung eine Chance geben: „Dann bin ich sicher, dass sich etwas Sinnvolles entwickelt.“