Neustadt Wochenspiegel:

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Bei Ratssitzungen muss der Oberbürgermeister eine Narrenmütze tragen; Straßenarbeiten müssen ruhen, damit die Narren bei ihrer Arbeit nicht vom immer mal wieder auftretenden Gestank beeinträchtigt werden; im Chaoten-Parkhaus Klemmhof gibt es für die Narrenzunft kostenlose Parkplätze sowie Rettungsboote bei Hochwassergefahr; beim Kinderfasching verteilen die Stadtratsmitglieder im Clownskostüm Süßes; die KVN-Fahne ist am Rathaus zu hissen – angebracht vom Oberbürgermeister durch Erklimmen der Fahnenstange; alle Baustellen werden abgeschlossen und Umleitungen aufgehoben, damit Prinz Vino Palatina Eileen I. freie Fahrt hat; bis Aschermittwoch muss der Oberbürgermeister ein neues Weinlesefest-Konzept vorlegen – ausdrücklich ohne Zirkuszeltambiente; die Karstadt/Hertie-Brache wird zur Begegnungsstätte „Weinmetropole Neustadt“ umgebaut, der Oberbürgermeister als Mundschenk angestellt. Wie aus dem Ausschnitt der elf Gebote herauszulesen, regiert seit Dienstag die Narrenschar im Neustadter Rathaus. Die Mitarbeiter der Verwaltung können das vermutlich mit Fassung tragen. Sind sie es doch gewohnt, fasnachtlichem Frohsinn ausgesetzt zu sein. Unverschämte Behauptung? Mitnichten. Denn diese Einschätzung kommt von einem, der es nun wirklich wissen muss: vom Oberbürgermeister höchstselbst. Als Hans Georg Löffler den Stadtschlüssel in die zarten Hände von Prinz Vino Palatina Eileen I. gelegt hat, sprach er nämlich davon, dass es im Rathaus ohnehin das ganze Jahr über närrisch zugehe, vor allem in Wahljahren wie diesem. Ins Detail ging er leider nicht. Vielleicht wusste er nicht, wo anfangen. Beim Kommunikationsproblem in Sachen Schlüsselübergabe auf dem Hambacher Schloss? Bei der Dezernatsverteilung? Bei der Wirtschaftsentwicklung? Um nur ein paar Beispiele aus jüngster Zeit zu nennen. Möglicherweise hat der Neustadter Karnevalverein geahnt, dass der Oberbürgermeister ein heimlicher Fasnachter, ein echter Obernarr sozusagen, ist. Das würde auch die Narrenmütze erklären, die er geschenkt bekam und nun bis Aschermittwoch bei allen Stadtratssitzungen tragen muss. Wobei es natürlich ein Zeichen echter Solidarität wäre, wenn der Stadtrat sich dem als närrisches Publikum anpassen würde. Das dürfte ihm nicht allzu schwer fallen. Überhaupt, diese Neustadter Narren. Ihnen ist bei der Schlüsselübergabe etwas gelungen, was noch kein Narr vor ihnen geschafft hat.: Einer – auch fasnachtstechnisch – altgedienten Redakteurin den Jahresorden zu verleihen. Fast 30 Jahre sind seit deren erster Prunksitzung ins Land gegangen – ordensfrei. Doch alles hat einmal ein Ende, der Hartnäckigkeit der Neustadter sei Dank. Darauf ein Neu Wei!

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