Neustadt „Wir fühlen uns extrem benachteiligt“

Ab 20. Juni wird wieder um 7.11 Uhr eine S-Bahn vom Lambrechter Bahnhof aus in Richtung Kaiserslautern fahren. Wie die RHEINPFALZ am 7. März berichtet hatte, wurde diese Verbindung, die Schulkinder aus der Verbandsgemeinde Lambrecht nutzen, Anfang März gestrichen. Ab Mitte Dezember wird die Bahnverbindung erneut ausfallen.
Eltern aus Esthal protestieren nach wie vor gegen diese Verschlechterung. Viele Kinder aus Esthal besuchen die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Kaiserslautern, da sie die IGS Deidesheim/Wachenheim nur schlecht mit dem Öffentlichen Personennahverkehr erreichen können. Die S-Bahn, die bis März um 7.10 Uhr in Lambrecht abgefahren sei, sei nicht gestrichen, sondern auf 6.48 Uhr „vorverlegt“, betont Fritz Engbarth-Schuff, Pressereferent beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Süd. Als Grund nennen er und ein Sprecher der Bahn AG Bauarbeiten zum Ausbau der Schnellbahnstrecke zwischen Mannheim und Saarbrücken. „Wir versuchen, bei diesen Verschiebungen immer alle Aspekte wie Schülertransport und Berufspendler zu berücksichtigen. Aber es geht nicht immer“, so der Sprecher der Bahn AG. Ab 20. Juni fahre der Zug aber wieder. „Nach dem Fahrplanwechsel im Dezember zwingen uns die bekannten Baumaßnahmen erneut zu Anpassungen“, kündigt Engbarth-Schuff an. Ab Mitte Dezember werde die S-Bahn nicht um 7.11 Uhr, sondern etwa um 6.55 Uhr in Lambrecht losfahren. Engbarth-Schuff verweist darauf, dass zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden müssten. So komme die S-Bahn, die bis März um 7.10 Uhr in Lambrecht abgefahren sei, aus Richtung Haßloch. Wegen Bauarbeiten sei zwischen Haßloch und Mußbach nur eingleisiger Zugverkehr möglich. Man habe vor der Wahl gestanden, eine S-Bahn in Richtung Mannheim zu streichen oder die S-Bahn in Richtung Kaiserslautern vorzuverlegen. Letzteres sei das „kleinere Übel“, so Engbarth-Schuff. Ab Mitte Dezember gebe es das gleiche Problem wieder. Für eine „Vorverlegung“ der Fahrzeit der S-Bahn in Richtung Kaiserslautern habe auch gesprochen, dass es bei der bisherigen Fahrzeit keinen „akzeptablen Anschluss von Neustadt an den ICE und nach Saarbrücken“ gebe. Auch sei die S-Bahn häufig verspätet gewesen, da sie in Neustadt habe warten müssen, bis der „chronisch verspätete ICE nach Paris“ sie überholt habe. Diese Verspätungen hätten wiederum zu Beschwerden von Bahnkunden geführt. Wie berichtet, hatte die Kreisverwaltung in Bad Dürkheim dafür gesorgt, dass der Bus, mit dem die Esthaler morgens zum Bahnhof nach Lambrecht fahren, früher, nämlich um 6.29 Uhr, in Esthal losfährt, so dass Schüler und Pendler die S-Bahn um 6.49 Uhr erreichen können. Auch ab Dezember wird das wieder der Fall sein. „Damit dürfte das Problem gelöst sein“, so Engbarth-Schuff. Das sehen Esthaler Eltern anders: Für Kinder sei es zu früh, wenn sie um 6.29 Uhr mit dem Bus losfahren müssten. Die Eltern haben inzwischen etwa 50 Unterschriften gesammelt und die Bahn AG, den SPNV Rheinland-Pfalz Süd und den Verkehrsverbund Rhein-Neckar angeschrieben. „Wir fühlen uns in den ländlichen Gemeinden des Pfälzerwaldes extrem benachteiligt und werden das nicht weiter hinnehmen“, heißt es in dem Brief der Eltern. Esthaler, die möchten, dass ihre Kinder eine IGS besuchen, würden sich in der Regel für die in Kaiserslautern entscheiden, weil es keine akzeptable Verbindung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zur IGS Deidesheim/Wachenheim gebe, berichtet die Esthalerin Yvonne Baumhardt. „Die Kinder aus der Verbandsgemeinde Lambrecht kommen gut mit der S-Bahn nach Deidesheim und Wachenheim“, sagt aber Sina Müller, Sprecherin der Kreisverwaltung Bad Dürkheim. Am Lambrechter Bahnhof fahre eine S-Bahn um 6.58 Uhr in Richtung Neustadt. Dort könnten die Kinder um 7.05 Uhr in die Regionalbahn nach Bad Dürkheim umsteigen und seien um 7.27 Uhr in Deidesheim und um 7.32 Uhr in Wachenheim. Die Esthaler Kinder müssten um 5.59 Uhr mit dem Bus in Esthal abfahren und hätten dann in Lambrecht mehr als eine halbe Stunde Wartezeit, bis sie mit der S-Bahn um 6.58 Uhr fahren könnten, entgegnet Baumhardt. Verärgert seien die Eltern auch, weil sie einen Teil der Fahrkosten zahlen müssten. Ein kostenloses Maxx-Ticket gibt es nur zur nächstgelegenen Gesamtschule, das ist die IGS Deidesheim/Wachenheim. Laut Baumhardt fallen pro Kind Fahrtkosten von rund 290 Euro jährlich an. Auch dagegen wollen sich Eltern wehren. Die Kosten müssen auch andere Eltern aus der Verbandsgemeinde Lambrecht zahlen, deren Kind die IGS in Kaiserslautern besucht. In der Bertha-von-Suttner-Schule in Kaiserslautern sind laut Schulleitung etwa 100 Kinder aus der Verbandsgemeinde Lambrecht. 13 besuchen die IGS Enkenbach-Alsenborn. (ann)