Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Winzersekte aus der Region: Das Gute liegt so nah

Es muss nicht immer Champagner sein: Regionale Sekte liegen im Trend.
Es muss nicht immer Champagner sein: Regionale Sekte liegen im Trend.

Die Sekterzeuger in der Region blicken zuversichtlich ins neue Jahr: Die perlenden Tropfen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, vor allem an Silvester. Viele sehen den Winzersekt sogar als Alternative zum Champagner.

Ullrich Mell, Betriebsleiter des Weinguts Geheimer Rat von Bassermann-Jordan in Deidesheim, ist auch ein ausgesprochener Liebhaber der pfälzischen Winzersekte. Er hat die Perlen zum Jahreswechsel bereits kaltgestellt. Sein Tipp ist ein 2016er Cuvee Elena vom Sektgut Andres und Mugler in Ruppertsberg.

Auch sein Kollege Oliver Zeter vom gleichnamigen Weingut in Haardt teilt die Leidenschaft für champagnertypische Winzersekte. Sein Geheimtipp: „Zero“, Grande Cuvee Brut aus der Methode Champenoise von 2014. Da gerät er ins Schwärmen, auch weil diese Sekte aus handgelesenen Trauben durch klassische Flaschenvergärung im gebrauchten Barrique entstehen. Dabei wird über einen längeren Zeitraum hinweg biologisch Säure abgebaut. „Wir haben ein kleines, feines Sortiment, das wir wegen der erhöhten Nachfrage erweitern werden“, sagt Zeter. „Die Winzersekte können dem Champagner Paroli bieten. Was uns noch etwas fehlt, ist die Erfahrung.“

Dem Vergleich mit Champagner standhalten

Einen Aufschwung erlebt auch das Deidesheimer Sekthaus Krack. Die Brüder Felix, Axel und Christian Krack sowie dessen Freundin Anna Spanier, alle studierte Diplom-Önologen, gelten unter als die Aufsteiger des Jahres. Die Freude über die gestiegene Nachfrage ist groß. „Wir sind stolz darauf, was wir mit eigenen Händen geschaffen haben. Es war die richtige Entscheidung, sich auf den Sekt zu konzentrieren“, sagt Christian Krack. Sein Ziel ist klar: Er will Sekte produzieren, die dem Vergleich mit Champagner standhalten.

In den vergangenen Monaten hat er ein Holzfasslager geschaffen, in dem sich das klassische Handwerk der Sektmacher widerspiegelt. In 500- und 1200-Liter-Fässern aus regionalen Hölzern lagern dort die von fünf befreundeten Winzern erzeugten Grundweine in der Vollhefe über neun Monate, ehe die Tirage (Hefe-Zucker-Mischung) zugesetzt wird und die Flaschen weitere 20 bis 40 Monate lagern. Ausschließlich die Sorten Riesling, Spätburgunder, Chardonnay und Weißburgunder werden als ganze Trauben nach der Lese verpresst. Aktuell stellt Krack rund 40.000 Flaschen jährlich her.

Winzersekte sind unverwechselbar

Lukas Reinhardt hat in diesem Jahr das Sektgut Martinushof seines Onkels Hilarius in Niederkirchen übernommen. Reinhardt, der ebenso wie Krack Mitglied im Verband „Traditioneller Sektmacher“ ist, sieht die steigende Nachfrage seiner Kunden nach Sekten als Indiz, dass sich die hiesigen Winzer auf dem richtigen Weg befinden. Sein Ziel ist es, mit seiner Linie „Weinwerk“ den Sektanteil auf 50 Prozent zu steigern. „Durch das lange Hefelager sind die Sekte vollmundiger, aber auch fruchtig, spritzig und aromatischer“, beschreibt Reinhardt die Stilistik. Derzeit liegen 15.000 Flaschen im Hefelager, davon gehen jährlich 5000 vorwiegend an Endverbraucher und Gastronomie.

Die Diplom-Önologin Sandra Wagner aus Maikammer, die seit zwei Jahren das gleichnamige Weinhaus in dritter Generation führt, setzt beim Sekt auf die Rebenvielfalt. 14 Sekte hat sie auf ihrer Liste – so verschieden, wie man sie in der Region kaum findet. Dieser Linie will sie treu bleiben. Ihre Kunden wünschen sich das Besondere: Sekte aus den Rebsorten Gelber Muskateller, Morio-Muskat, Gewürztraminer, Scheurebe oder Heroldrebe. Und diese findet man nicht überall.

„Um Sekt zu trinken, muss es keinen besonderen Anlass geben“, sagt Wagner, die von bis zu zehn Prozent Steigerung berichtet. „Es muss nicht Champagner sein. Die Winzersekte sind unseren Kunden viel näher, und sie sind preiswerter. Durch die klare Rebsortenauswahl sind sie unverwechselbar.“

Empfehlungen der Experten

Christian Krack: 2018er Riesling Brut, Sekthaus Krack, Deidesheim (16 Euro); Ulrich Mell: 2016er Cuvee Elena, Sektgut Mugler und Andres, Ruppertsberg (19, 50 Euro); Lukas Reinhardt: 2016er Rose Prestige, Weinwerk, Niederkirchen (19 Euro); Sandra Wagner: 2018er Gelber Muskateller Sekt Extra trocken, Weinhaus Wagner, Maikammer (10 Euro); Oliver Zeter: 2014er „Zero“ Grand Cuvee brut, Weingut Zeter Neustadt-Haardt (25 Euro).

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