Neustadt
Wie steht es mit den Brücken in der Stadt?
An einer Brücke zwischen der Georg-von-Neumayer Realschule plus und dem Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium stehen zwei Männer. Sie laufen das Bauwerk hoch und runter. Machen Bilder. Auch wenn sie aus Thüringen kommen, sind sie keine Touristen, die von der Überführung so angetan sind, dass sie unbedingt Erinnerungsfotos machen wollten. Es sind Brückenprüfer von einem Erfurter Ingenieurbüro, die im Auftrag der Stadt den Zustand der Bauwerke überprüft.
25 Brücken werden seit Dienstag kontrolliert. Im Gegensatz zu den Eisenbahnbrücken und den Bauwerken, die über eine Bundes- oder Landesstraße führen, für welche die Deutsche Bahn beziehungsweise der Bund oder das Land zuständig sind, ist die Stadt für diese verantwortlich. Die Brücken führen dabei hauptsächlich über Bäche, wie Konstantin Boltenhagen, der Leiter der Tiefbauabteilung, erklärt. In dem konkreten Fall über den Speyerbach.
Brücken-Tüv klärt über Zustand der Brücke auf
Bei Brücken handelt es sich um sensible Bauwerke, die großen Schaden anrichten können. Nicht nur finanziellen. Sie können die Infrastruktur beeinträchtigen, genauer gesagt den Verkehr lahmlegen. Deswegen werden sie im regelmäßigen Abstand unter die Lupe genommen. Alle sechs Jahre ist ein Brücken-Tüv nötig, bei dem laut Boltenhagen nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet wird, wo und wann Handlungsbedarf besteht. Die Kontrolle ist dabei wesentlich umfangreicher als die einfachen Prüfungen, die ergänzend zum Brücken-Tüv ebenfalls in einem gewissen Rhythmus vorgenommen werden.
Was genau die beauftragten Bauingenieure an den Brücken checken müssen, schreibt eine Norm vor, die DIN 1076. „Gefordert wird unter anderem, dass eine Prüfung handnah durchgeführt wird“, erklärt Boltenhagen. Dass heißt, dass die Prüfer auch die Unterseite der Brücke mit der Hand berühren sollten – ganz gleich, wie hoch das Bauwerk auch sein sollte. Natürlich kann auch zu Hilfsmitteln gegriffen werden, beispielsweise nach einer Leiter. Doch es kann auch zu einer wackeligen Angelegenheit werden, wenn diese in einem Bach mit starker Strömung aufgestellt werden sollte. Die Brückenprüfer erklären: „Es gibt auch Alternativen, so können wir mithilfe einer Arbeitsbühne, die oben an einem Lastwagen gekoppelt ist, an die Brücke gelangen.“
Bei einer Note 4 fällt die Brücke durch
Bei der betreffenden Brücke müssen die beiden Herren keinen großen Aufwand betreiben, um sich über deren Zustand zu vergewissern. Sie klopfen sie auf Hohlstellen ab und untersuchen sie auf Rissbildungen und Durchfeuchtungsstellen. Dafür sind die Männer mit speziellen Geräten ausgestattet, mit denen sie beispielsweise die Stärke metallener Bauteile messen und feststellen können, ob und wie stark diese korrodiert sind. Darüber hinaus können sie klären, wie groß der Abstand zwischen dem Beton und der metallenen Bewehrung ist. Sollte dieser zu gering sein, könnte das Eisen rosten, was wiederum die Standfestigkeit beeinträchtigen könnte.
Die gewonnenen Erkenntnisse geben die Prüfer in ein System ein, das wiederum eine Zustandsnote errechnet, sowohl für einzelne Bereiche, beispielsweise für das Geländer, als auch für das gesamte Bauwerk. Möglich ist, ähnlich wie in der Schule, eine 1,0 – wenn nichts zu beanstanden wäre. Eine 4,0 bedeutet hingegen, dass akute Gefahr besteht und die Brücke umgehend gesperrt werden müsste. Auf die Frage, wie die Situation in Neustadt aussieht, in welchem Zustand die Brücken in kommunaler Hand sind, erklärt Boltenhagen: „Es gibt sehr gute Brücken und welche, bei denen ein Sanierungsbedarf besteht.“ Generell gebe es in diesem Bereich keine nennenswerten Besonderheiten oder Probleme.
Wie lange hält die Brücke?
Wie Boltenhagen weiter erklärt, wird bei Brücken von einer durchschnittlichen „Lebensdauer“ von etwa 100 Jahren ausgegangen. Dadurch, dass nicht immer dasselbe Ingenieurbüro den Zuschlag erhält, um die Brücken zu begutachten, sei es wichtig, nachvollziehbar zu dokumentieren, welche Brücke gemeint ist, wo die Schadstellen sind und wie sie sich bemerkbar machen. Die Ergebnisse werden an die nächsten Prüfer stetig weitergegeben.
Mit der Überprüfung der 25 Brücken in diesem Jahr ist es bei weitem nicht getan. Da nicht alle, die in kommunaler Hand sind, zur gleichen Zeit kontrolliert werden, stehen quasi jedes Jahr Checks auf der Agenda der Tiefbauabteilung. „Es können mal mehr, mal weniger Brücken sein, die in einem Jahr überprüft werden“, erklärt Boltenhagen. In Neustadt sind es insgesamt zwischen 150 und 180 Ingenieurbauwerke, auf die die Stadtverwaltung ein Auge haben muss. Dazu gehören allerdings auch die Stützwände, die in Hanglagen stehen.