Fragen und Antworten
Wie funktioniert das Wasserwerk?
Welche Bedeutung hat das Wasserwerk Ordenswald?
Das Wasserwerk Ordenswald ist seit 1976 in Betrieb. Damit wurde damals die Wasserversorgung für Neustadt zentralisiert. Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Mück kommen 95 Prozent des Neustadter Trinkwassers aus dem Ordenswald. Das Wasser stammt aus einer Tiefe von 150 Metern und wird von neun Brunnen gefördert. Über zwei Leitungen gelangt das Wasser ins Wasserwerk. Ein Brunnen liefert pro Stunde 180 Kubikmeter Wasser ins Wasserwerk Ordenswald, sagt Wassermeister Markus-Werner Schuler. Die restlichen fünf Prozent des Neustadter Trinkwassers stammen aus Brunnen bei Esthal – über sie werden das Schöntal und Neustadt-West versorgt.
Was passiert überhaupt im Wasserwerk?
Das aus den Brunnen angelieferte Wasser fließt zunächst durch Filterkies. „Das ist wie ein Schwamm und saugt Eisen und Mangan auf“, erklärt Schuler. Nach 50 bis 60 Stunden sind die Filter voll und müssen dann selbst gereinigt werden. Die Fachleute sprechen von „Rückspülung“. Das Wasser aus der Rückspülung wiederum kommt in ein Absetzbecken. Das übrig bleibende Klarwasser wird in den Speyerbach abgeleitet, die Eisen- und Manganmasse wird von einer Firma abgepumpt, gepresst und dann für die Entsorgung abtransportiert. „Nach der Filterung kommt das Wasser als Reinwasser weiter in die Leitungen“, sagt Schuler.
Genügt das Wasserwerk noch modernen Ansprüchen?
Im Flur des Wasserwerks liegt ein langes Stück Holz. „Das ist eine alte Wasserleitung“, erklärt Mück. Er ist froh, dass diese Erinnerung aus dem 18. Jahrhundert noch erhalten ist. Denn sie zeigt zum einen die Entwicklung in Sachen Wassertechnik, und sie symbolisiert zugleich, dass permanent in die Anlage investiert werden muss. Aktuell gibt es vor dem Wasserwerk eine große Baustelle, weil die Zuleitungen von den Brunnen erweitert werden. Auch im Wasserwerk selbst sind Investitionen geplant. Es soll ein Anbau errichtet werden. „Wir wollen damit unsere Technik duplizieren, um so die Versorgungssicherheit für Neustadt sicherzustellen“, erklärt Mück. Im Prinzip soll es dann alle technischen Anlagen und Pumpen sowie weitere Schlüsselelemente zweimal geben, sodass im Falle einer Störung auf den „Ersatz“ ausgewichen werden könne. Nicht zuletzt die Flutkatastrophe im Sommer an der Ahr habe gezeigt, wie wichtig eine Absicherung der lebensnotwendigen Infrastruktur sei, so Mück. Zur Veranschaulichung zeigt er auf ein blaues Rohr im Keller. Dieses hat einen Durchmesser von 60 Zentimetern. „Durch dieses fließt das gesamte Wasser“, so Mück. Bald steht hier ein Austausch an. Denn im Frühsommer war entdeckt worden, dass durch Kalziumcarbonat-Ablagerungen nur noch ein Durchmesser von 20 Millimeter übrig geblieben war. In einer ersten Reparatur im Juni wurde das Problem provisorisch behoben. Aber im Winter, wenn die Wassernachfrage nicht ganz so hoch ist wie im heißen Sommer, soll nachts noch der damals gescheiterte Austausch des betroffenen Leitungsstücks nachgeholt werden. „Die Kalziumcarbonat-Ablagerung wog 1,1 Tonnen“, veranschaulicht Schuler das Ausmaß des Problems.
Wie behalten die Stadtwerke-Mitarbeiter den Überblick?
Im Keller des Wasserwerks sind die Leitungen an einer Wand gut zu sehen. Alle haben eine andere Farbe. Grün steht für Rohwasser, im blauen Rohr fließt das fertige Trinkwasser, in der roten Leitung ist das Spülwasser für die Filter. Über verschiedene Technikstationen wird dem Reinwasser noch Natronlauge zugeführt, um den pH-Wert zu senken. Gesammelt wird das ganze Wasser schließlich in riesigen Wasserbehältern für das Neustadter Wassernetz. Neun Stadtwerke-Mitarbeiter kümmern sich um alle Abläufe im Wasserwerk. Sie sorgen dafür, dass bei Leitungen und Technik (Druck/Elektronik) alles läuft. Eine Laborantin überwacht regelmäßig die Qualität des Trinkwassers. Denn als Lebensmittel hat es eine extrem wichtig Funktion.
Wie kommt das Wasser in den Wasserhahn?
Vom Wasserwerk aus wird das Trinkwasser in die 19 Hochbehälter gepumpt. Von dort aus fließt es dann je nach Nachfrage durch das 300 Kilometer lange Leitungsnetz direkt in die Haushalte. „Diese Abläufe überwachen wir vom Wasserwerk“, sagt Schuler. In der Leitwarte gibt es dafür viele Monitore, die genau zeigen, wie hoch der Verbrauch ist, wie groß der Wasservorrat ist und ob irgendwo Störungen auftreten. „Ohne das Wasserwerk gäbe es kein Wasser in Neustadt. Wir sind alle auf diese Anlage angewiesen“, betont Holger Mück. Angesichts des hohen Aufwands und der vielen Leitungen sei es schon kurios, dass der Bürger das Endprodukt nur kurz wahrnehme: von es vom Wasserhahn ins Glas oder in den Ausguss fließt. Pro Stunde werden etwa 600 Kubikmeter Wasser vom Ordenswald Richtung Neustadt gepumpt. Und zwar aus einem von drei Vorratsbehältern. Das sind Räume mit einem Durchmesser von 21 Metern und einer Höhe von vier Metern – Fassungsvermögen pro Behälter: 1000 Kubikmeter Wasser.
Worum geht es überhaupt bei der Entscheidung über ein neues Neustadter Wasserschutzgebiet?
Es geht dabei um eine Fläche, auf der durch bestimmte Vorgaben dafür gesorgt wird, dass möglichst sauberes Grundwasser gebildet werden kann, das über Brunnen für die Trinkwassergewinnung abgeschöpft wird. Die Stadtwerke haben – nachdem ein erster Anlauf vor sechs Jahren an Protesten von Bauern und Winzern sowie der Stadt gescheitert war – nun als Kompromiss ein mit 13 Quadratkilometern deutlich kleineres Schutzgebiet vorgeschlagen. Bei einer Anhörung Mitte September wurden die Positionen dazu ausgetauscht. Umweltschutzverbände sehen das geplante Schutzgebiet als viel zu klein an und sorgen sich langfristig um die Trinkwasserversorgung Neustadts, da eventuell doch mit Schadstoffen zu rechnen sei oder nicht mehr genug neues Trinkwasser gebildet werden könne. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd prüft alle Einwendungen bis zum Jahresende und will im ersten Quartal 2022 ihre Entscheidung verkünden.