Motorsport
Wie ein Haßlocher von der Konsole auf die Rennstrecke kommt
Der Speyerer Augenoptiker Lars-René Hennig (20) aus Haßloch fährt in dieser Saison in einem VW up! GTI den Tourenwagen-Junior-Cup. „Ich bin einer der Ersten, die in so kurzer Zeit den Sprung vom Automobilslalom auf die Rennstrecke geschafft haben“, sagt er. „Ich hatte nie so die Kontakte. Ich hatte aber immer Interesse daran, schon als ich noch klein war.“
Erstmals in Berührung mit dem Rennsport kam er auf der Kartbahn in Landau. Das Rennfieber erlosch. Aber Fußball erwies sich nicht als das Richtige: „Während der Corona-Zeit 2020 habe ich dann gemerkt, dass mir etwas fehlt.“
Direkt auf Podiumsplätze gefahren
Auf der Simulator-Konsole fuhr der Haßlocher erste Erfolge ein, die später in der deutschen Meisterschaft zum E-Sport-Sieg in der Racing League und international auf Platz drei führten. 2022 stieg er in den Slalom-Youngster-Cup ein. „Gegen erfahrenere Konkurrenz habe ich gleich einen Podiumsplatz belegt“, sagt er.
Auch bei den nationalen Titelkämpfen startete Hennig. „2023 war dann ein Lernjahr“, sagt Hennig. Von den Einsteigern ging es in die nächsthöhere Klasse und dort ins Mittelfeld. Vergangenes Jahr erfolgte der Durchbruch mit einem Sieg in Landau auf dem Neuen Messplatz und zehn Podestplätzen bei den meist zwei Rennen an einem Wochenende. Das bedeutete Platz zwei bei der Pfalzmeisterschaft. Dabei stieg er zu Rennen beispielsweise in Kaiserslautern, aber auch im Saarland, ins Fahrzeug. „Am letzten Wochenende hatte ich noch die Chance auf den Titel. Aber mein Konkurrent hat die Nerven behalten. Mit damals noch 19 Jahren war ich aber einer der Jüngsten“, sagt Hennig.
Triumphe werden selbst vermarktet
Der 20-Jährige, der die Berufsschule in Bad Dürkheim besuchte, verbreitete seine Triumphe über Social Media. Das Team Tuma Motorsport aus Krumpa (Sachsen-Anhalt), dessen Rennkleidung Hennig auch beim Interviewtermin trägt, biss an. Beim Talent Day im nahen Oschersleben nutzte er seine Chance.
Und schon fährt Hennig im Rahmenprogramm der deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. „Ich habe auch Sponsoren gebraucht“, sagt er. Die Rennstrecken kennt er nur vom Simulator. „Hockenheim gefällt mir gut. Das ist nur 20 Kilometer von zu Hause weg, meine Heimstrecke. Oschersleben ist schwierig vom technischen Aufbau her.“
Hinzu kommen zwei Wochenenden auf dem Nürburgring sowie der Red-Bull-Ring in Salzburg. 15 bis 20 Fahrer warten in einem internationalen Feld mit einheitlichen Fahrzeugen. E-Fuel kitzelt die 155 PS heraus. Alles andere, Setup, Spur, Höhe, Radsturz, Reifendruck, übernehmen die Mechaniker.
Zwischen E-Sport und realen Rennen
Das Leergewicht beträgt 920 Kilogramm. Das Mindestgewicht nach dem Rennen beträgt eine Tonne. Hennig ist mit seinen schlanken 1,91 Meter einer der Längeren im Tross. Samstags und sonntags gibt es normalerweise zwei Qualifyings und Sprintwettbewerbe über 20 Minuten. Ende März geht’s erstmals zum Testen ins tschechische Most: „Dann geht es ums Setup, die Mechaniker noch besser kennenzulernen und das Auto.“
„Wir möchten direkt vorne angreifen und unter die ersten drei fahren“, kündigt der 20-Jährige vom MC Haßloch an: „Die Zeiten am Talent Day waren gut.“ Hennig blickt nach vorne, weiß, dass der Meister die Einschreibegebühr für die höheren Serien bekommt. GT4 Germany oder GT Masters lauten auch seine Ziele. Er spricht’s aus und begibt sich auf die Kultstrecke von Indianapolis – Training für das nächste E-Sport-Rennen.