Motorsport
Wie der MC Lambrecht in 50 Jahren sein Angebot verändert hat
Vor 50 Jahren wurde der Motorsport-Club (MC) Lambrecht gegründet, der sich in all den Jahren dem Wandel der Zeit angepasst hat. So finden heute über viele Jahre beliebte und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Veranstaltungen nicht mehr statt. Andere Angebot im motorsportlichen Bereich sind heute gefragt.
Waren es früher die Rallye- und Slalomveranstaltungen so sind es heute Oldtimer-Ausfahrten und Classic-Veranstaltungen. Anfang der 1970er-Jahre hatten sich überwiegend junge Menschen aus Lambrecht und Umgebung mit einer großen Autobegeisterung zusammengefunden und sich letztlich zur Gründung eines Vereins entschieden. „Die Begeisterung war groß, das Interesse am Motorsport wurde bei vielen Leuten geweckt“, erinnert sich Gründungsmitglied Jürgen Keil, der im Gründungsjahr zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Schnell wurden eigene Veranstaltungen ausgerichtet. Die Clubmitglieder unterstützten motorsportliche Veranstaltungen in einem weiten Gebiet. Dabei brachten Jürgen Keil und Walter-Heinz Glaß, ebenfalls ein Gründungsmitglied, all ihre Erfahrungen in das Vereinsgeschehen mit ein.
Erstes Rallyeteam im Tal
Beide Gründungsmitglieder des Jahrgangs 1954 waren seit ihrer Ausbildung zum Maschinenschlosser sehr eng befreundet. „Wir waren das erste Rallyeteam im Lambrechter Tal, das bei internationalen Rallyeveranstaltungen an den Start ging“, erzählen Pilot Walter-Heinz Glaß und Beifahrer Jürgen Keil. Der Alfa Romeo alfasud TI mit dem Boxer-Motor war schon ein besonderes Fahrzeug – damit machten sie in den 1970er-Jahren den Lambrechter Motorsport-Club deutschlandweit bekannt.
Um selbst große Rallyes ausrichten zu können, war der MC zu klein. Und die eigentlichen Könner waren ständig im motorsportlichen Einsatz. Dennoch gab es in den ersten Jahren ein reges Vereinsleben mit dem Ausrichten von Slalomveranstaltungen für Automobile und Orientierungsfahrten. Diese Sparte des Motorsports zog viele Teilnehmer nach Lambrecht. Dennoch kam die Jugendarbeit nicht zu kurz.
Slaloms und Fahrradturniere
Kart-Slalom-Veranstaltungen für Jugendliche standen ebenso im Kalender wie Fahrradturniere an den örtlichen Schulen. Auch in diesen Sparten gab es erfolgreiche Starter aus den Reihen des Jubiläumsvereins.
„Es waren uns geordnete Verhältnisse sehr wichtig. Deshalb erfolgte die Eintragung des Clubs in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Neustadt“, betonen Jürgen Keil und Walter-Heinz Glaß. Mit dem Anschluss an den ADAC-Regionalverband erhielt der noch junge Motorsportclub die notwendige Unterstützung in allen Bereichen. Neben dem Rallyeteam Heinz-Walter Glaß/Jürgen Keil wurde wenig später Franz Billo zu einem weiteren Aushängeschild des heutigen Jubiläumsvereins.
Glanzzeiten in 1970/1980er-Jahren
Zunächst lenkte Franz Billo einen Volkswagen-Golf der damaligen A-Gruppe und saß dann später als Beifahrer im Rallyeauto. Die Glanzzeiten sowohl dieser Teams als auch im Verein lagen in den 1970/1980er-Jahren. Die Slalomveranstaltungen hatten bundesweit ein hohes Ansehen, erinnern sich die Organisatoren. „Wir bauten Parcours, die wir selbst liebten. Schnell und flüssig. Die waren bei den Piloten aus ganz Deutschland beliebt“, erinnern sich Jürgen Keil und Walter-Heinz Glaß. „Gerade deswegen gab es vorzügliche Benotungen für unser Wirken“, fügen sie an.
Auf pfälzischer Ebene waren die Erfolge der Mitglieder so stark, dass in etlichen Sportjahren der zweite Platz in der Clubwertung des ADAC-Regionalverbandes unter 60 Ortsclubs erreicht wurde.
Fahrsicherheitstrainings
Die Umweltbewegung in den 1990er-Jahren verursachte Einschnitte in das Vereinsleben. „Damit war der Höhepunkt eigentlich überschritten“, resümiert der amtierende Vorsitzende Franz Billo. Da es immer schwerer wurde, motorsportliche Veranstaltungen am Rande des Pfälzerwaldes durchzuführen, rückten andere Aktivitäten in den Vordergrund. Viele Jahre boten die erfahrenen Motorsportler Fahrsicherheitstrainings und Fahrertrainingsveranstaltungen auf dem Hockenheimring mit Unterstützung namhafter Rallye- und Rennfahren als Instruktoren durch.
Oldtimerfreunde gab es schon immer im Jubiläumsverein, die in der Region an den Start gingen. So lag es nahe, eigene Veranstaltungen dieser Art auszurichten. Seit 2005 ist die Lambrecht-Classic das heutige Aushängeschild des MC Lambrecht. Zuvor hatte der Verein die Vorderpfalz-Classic mit dem „Lambrechter Sprint“ unterstützt und sammelte etliche Erfahrungen. Dazu kommt, dass das Team Michael Groß/Franz Billo im Auto Union 1000 S bei Veranstaltungen wie der Heidelberger Herbstfahrt unterwegs war und somit gute Einblicke in die Organisation und Abläufe solcher Ereignisse hatte.
Während in den Anfangsjahren der Start in Lindenberg erfolgte, ist er nun auf dem Tuchmacherplatz in Lambrecht. Das gesellige Leben hat unter dem Wandel der Zeit eigentlich nicht gelitten. Es gibt noch gesellige Zusammenkünfte mit viel Gesprächsstoff aus dem Motorsportbereich und natürlich so manche Rückblicke. Hatte der Jubiläumsverein in seiner Glanzzeit mehr als einhundert Mitglieder, so ist dieser Stamm auf 26 Personen geschrumpft. Das Vereinsleben wird weiter gehen ganz im Sinne der Gründer und der Vorsitzenden in den 50 Jahren. Denn die Vereinsführung wird sich auch künftig dem Wandel der Zeit anpassen.
Sechs Vereinsvorstände lenkten bisher die Geschicke des Motorsport-Clubs, teils sogar in zwei Zeitepochen. Dieter Leibfried war es von 1975 bis 1976, Peter Kobel von 1976 bis 1978, Jürgen Keil von 1978 bis 1982 und von 1990 bis 1993, Peter Zillich von 1993 bis 1997, Ralf Schreiner von 1997 bis 2014 und Franz Billo von 1982 bis 1990 und wieder seit dem Jahre 2014.