Wochenspiegel
Wie am Fließband
Dass gut gemeint nicht immer auch gut gemacht bedeutet, hat sicher jeder schon einmal erlebt. Und so ging es auch der neuen Stabsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit samt Umweltdezernentin Waltraud Blarr am Montagabend. Eigentlich ein schöner und für den Klimaschutz wichtiger Moment: Die Sieger des Stadtradelns 2023 sollten gekürt werden. Noch dazu auf der Bühne auf dem Deutschen Weinlesefest. Dem herrlichen Spätsommerwetter war es zu verdanken, dass die Plätze gut besucht waren. Man hätte also vor großem Publikum die Werbetrommel rühren können für klimafreundliche Fortbewegung und alle Sieger als Vorbilder hervorheben.
Der Anfang war auch gut, als Blarr als Ziel ausrief, dass künftig fünf Prozent der Neustadter beim Stadtradeln mitmachen sollen. Ein ambitioniertes Vorhaben, denn dieses Jahr lag die Quote gerade mal bei 1,7 Prozent. Umso mehr ein Grund, Menschen für Klima- und Umweltschutz und somit fürs Radfahren zu begeistern. Bekam Blarr für ihre Bekanntgabe des Ziels und den Satz „Machen Sie mit, Sie tun Ihrer Gesundheit und dem Klima etwas Gutes“ noch Applaus, ging die Aufmerksamkeit danach schnell flöten.
Das lag ganz einfach daran, dass auf der Bühne nichts mehr geboten wurde. Sieger und Platzierte wurden genannt und bekamen ihre Urkunden – aber nicht etwa oben auf der Bühne, sondern unten am Aufgang. Das hatte eher was von Fließband und nichts Feierliches.
Und die Schulen?
Und dann musste Blarr auch noch einiges erklären, denn die Neustadter Schulen – insbesondere das Leibniz- und das Käthe-Kollwitz-Gymnasium – hatten wie in den Vorjahren bei Teilnehmerzahlen und gefahrenen Kilometern wieder Maßstäbe gesetzt und alle abgehängt. Aber bei der Siegerehrung fehlten sie, obwohl sogar Schüler da waren. Begründet wurde dies mit dem Wettbewerb Schulradeln auf Landesebene, wo Leibniz und Käthe die Ränge 14 und 17 belegen. Ein toller Erfolg, aber kein Grund, den Gymnasien bei der Neustadter Ehrung die kalte Schulter zu zeigen.
Schließlich geht es mit Aktionen wie dem Stadtradeln doch ums Motivieren. Kleine Belohnungen wie öffentliche Aufmerksamkeit und Urkunden sind da ein Ansporn. Im RHEINPFALZ-Gespräch am Dienstag räumte Blarr ein, dass „wir da Chancen vertan haben“. Man habe die Siegerehrung neu organisiert und – zu spät – gemerkt, dass man das hätte besser machen können. Blarr verspricht dies für 2024: Dann sollen alle Sieger auf die Bühne kommen und ein bisschen was erzählen dürfen. Und auch die Regelung mit Blick auf die Schulen sei nicht optimal. Daher will Blarr nachträglich für Anerkennung sorgen – mit Stadionbadgutscheinen. Bleibt zu hoffen, dass trotzdem beim Stadtradeln 2024 viele mitmachen und dann alle Sieger strahlen.