Neustadt
Werden Wurst und Brot bald teurer?
Wir haben vor nicht allzu langer Zeit erst aufgeschlagen“, erzählt Isabelle Buchmüller, die gemeinsam mit ihrem Mann Tim Buchmüller die gleichnamige Bäckerei in Mußbach führt. Wegen gestiegener Weizen- und Spritpreise musste die Bäckerei vor knapp sechs Wochen ihre Preise erhöhen. Beim normalen Brötchen ging es von 35 auf 40 Cent hoch, das Holzofenbrot beispielsweise wurde um 20 Cent teurer und kostet jetzt 4,30 Euro. Da erst kürzlich erhöht wurde, sei eine weitere Steigerung der Preise in der Bäckerei fürs Erste vom Tisch.
Aber insbesondere der Preis von Weizen auf dem Weltmarkt macht nicht nur der Bäckerei Buchmüller, sondern vielen Geschäften zu schaffen. Mit Russland und der Ukraine befinden sich zwei der weltweit wichtigsten Getreideproduzenten derzeit im Krieg. Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz schreibt in einer aktuellen Markt- und Preisinformation, die Börsenkurse für Getreide würden „durch die Decke schießen“. An der Börse Euronext lag der Weizenpreis am 7. März bei 422,50 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Noch am 3. Januar 2022 schloss der Kurs bei 274 Euro.
Mindestlohn weiterer Kostenfaktor
„Wenn die Weizenpreise weiter steigen, müssen wir natürlich auch die Preise noch mal anpassen“, sagt Buchmüller. „Das machen wir nicht gerne, aber es muss leider sein.“ Weil die Bäckerei auch Hotels und Gaststätten beliefert, spiele der stark steigende Spritpreis ebenfalls eine Rolle bei der Preiskalkulation. Auch die belieferten Hotels müssten dann die gestiegenen Einkaufspreise an die Gäste weitergeben.
Die 38-Jährige nennt noch einen weiteren Punkt: Der Mindestlohn wird zum 1. Oktober auf zwölf Euro steigen. Auch das ist natürlich ein Kostenfaktor. „Das ist eine schwierige Situation. Wir wollen unser Personal aber definitiv halten.“ Denn gutes Personal sorge für entsprechende Qualität: „Bei uns ist alles Handwerk, da ist nichts tiefgefroren. Die Kunden wollen diese Qualität. Preise wie beim Discounter funktionieren dann nicht“, erzählt sie.
„Wir müssen das beobachten“, sagt Eva-Maria Bialek, Mitglied der Geschäftsführung der Bäckerei Liebenstein in der Schlachthofstraße, mit Blick auf die steigenden Preise. „Es gab viele trockene Jahre und schlechte Getreideernten.“ Hinzu komme jetzt die Situation in der Ukraine. „Aber es geht nicht nur um Getreide, auch Milchprodukte werden derzeit teurer.“ Preiserhöhungen in der Bäckerei seien ein Thema, aber noch nicht konkret. „Wir müssen das behutsam behandeln und schauen, wie wir es handhaben. Es sind sehr unruhige Zeiten.“
Preisspirale seit Corona
Auch die Fleischbranche ist von steigenden Kosten betroffen. Aber nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine. „Wir sind eigentlich seit Beginn von Covid-19 in einer steigenden Preisspirale drin“, erzählt Jürgen Pelgen, Inhaber der Neustadter Metzgerei Pelgen, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Die Fleischpreise explodieren“, fährt er fort. Teilweise komme es vor, dass der Kilopreis für Schweinefleisch einfach über Nacht um einen Euro zulege. „Und das mehrmals die Woche.“ Aktuell habe seine Metzgerei die Preise für Fleisch noch nicht erhöht. Aber wenn es so weiter gehe, müsse er irgendwann nachziehen.
Steigende Preise hält er nicht grundsätzlich für falsch: „Letztlich ist es ja gut, dass der Bauer ein paar Euro mehr bekommt, das ist ja gerechter. Er muss ja auch leben.“ Und das funktioniere eben nicht, wenn er an einer Sau, die er zwölf Monate versorgt hat, nur 30 Euro verdiene. „80 Euro müssten das schon sein“, findet Pelgen. „In Deutschland will ja niemand etwas für sein Essen ausgeben.“ Insofern seien steigende Preise in Maßen durchaus eine gerechte Entwicklung. „Aber irgendwo ist eine Schmerzgrenze erreicht. Es muss bezahlbar bleiben.“ Pelgen spricht von bundesweiten Lieferengpässen auch in der Fleischbranche. Viele Verbraucher seien froh, dass sie überhaupt etwas bekämen.
Auch Verpackungen werden teurer
„Die Preise für Rindfleisch sind in der letzten Woche um 20 Prozent gestiegen“, berichtet der Neustadter Metzgermeister Frank Neumaier. Speditionen müssten momentan natürlich mehr für den Sprit zahlen, vermutet Neumaier einen Grund. Aber das sei nicht der einzige. Von einem Bauern, der ihn beliefere, wisse er, dass auch die Getreidepreise für das Futtermittel der Tiere um knapp 30 Prozent gestiegen seien. Noch habe er nicht für alle Produkte seine Preise erhöht, für einige musste es aber sein. „Ich habe Prime Beef aus den USA“, nennt der Metzgermeister ein Beispiel. Innerhalb von sechs Monaten – also noch deutlich vor dem Ukraine-Krieg – seien hier die Einkaufspreise für das edle Rindfleisch um fast 50 Prozent gestiegen. Entsprechend musste auch der Metzgermeister den Verkaufspreis erhöhen, allerdings tat er dies nicht um 50 Prozent, wie er erzählt.
Selbst Verpackungsmaterial würde im Einkauf derzeit teurer. „Wir füllen unsere Konserven selbst. Von Dezember auf Januar gab es bei dem Verpackungsmaterial eine Preisanpassung um 54 Prozent“, berichtet Neumaier. Ob die Teuerungen irgendwann existenzbedrohend für Betriebe werden, komme darauf an, wie sich das Kaufverhalten der Kunden entwickle: „Ich muss sehen, wo das alles hinführt.“ Der Metzgermeister hält es für möglich, dass er seine Preise insgesamt um 20 Prozent erhöhen muss. „Das ist auch keine Willkür von mir. Die Einkaufspreise sind einfach höher.“