Maikammer
Werbegemeinschaft will Kandidaten testen
In der Ortsgemeinde Maikammer steht nach 30 Jahren ein Wechsel an: Im Juni wird ein neuer Ortsbürgermeister gewählt – und bislang haben Markus Sell (SPD) und Volker Stephan (CDU) ihre Kandidaturen angekündigt. Die beiden Sprecher ihrer Fraktionen im Gemeinderat werden kommende Woche bei einer Diskussionsrunde zu Gast sein, die die „Werbegemeinschaft Verbandsgemeinde Maikammer“ ausrichtet. Thomas Herrmann, der seit einem Vierteljahrhundert der Vorsitzende des 66 Mitglieder zählenden Vereins ist, sagt: Die Gewerbetreibenden von Maikammer wollten wissen, was die Kandidaten zum Thema Wirtschaft zu sagen haben. Deswegen habe er beide Kandidaten gefragt, ob sie sich eine Fragerunde mit den Vertretern der örtlichen Betriebe vorstellen könnten. Können sie.
Nun ist der 61-jährige Herrmann aber nicht nur Vorsitzender der Werbegemeinschaft, sondern sitzt seit zehn Jahren auch im Ortsgemeinderat – und zwar als Fraktionsvorsitzender des Bürgerforums Maikammer. Doch das Wort Bürgerforum – so sagt Herrmann im RHEINPFALZ-Gespräch – soll an diesem Abend gar nicht erst fallen. Er wolle diese Diskussion einzig als Veranstaltung der Gewerbetreibenden verstanden wissen. „Als Werbegemeinschaft bin ich absolut neutral. Ich halte das auseinander“, sagt er im Hinblick auf die beiden Ehrenämter. Er habe sich einige Punkte überlegt, die der Werbegemeinschaft unter den Nägeln brennen und werde die Runde eröffnen, bevor er das Wort an die Gewerbetreibenden und Winzer übergibt, die den Kandidaten Fragen stellen könnten.
Gewerbeflächen für ortsansässige Betriebe fehlen
Ein Punkt, der die 1972 gegründete Gemeinschaft umtreibe, seien fehlende Flächen für Gewerbetreibende: „Wir verlangen, dass Maikammer ein Kleingewerbegebiet für ortsansässige Betriebe macht, die erweitern wollen“, sagt Herrmann. Weil Betriebe sich nicht vergrößern konnten, habe es in der Vergangenheit Abwanderungen in andere Kommunen gegeben. „Wenn man es politisch will, geht es immer“, sagt Herrmann in Hinblick auf bürokratische Schritte, die nötig werden, wenn Erweiterungen von Gebieten anstehen. Die Gewerbetreibenden wollten kein „riesen Gewerbegebiet“: „Es muss alles homogen sein.“
Herrmann betont, dass die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Ortsbürgermeister Karl Schäfer (CDU) in der Vergangenheit gut gewesen sei: „Wir haben keinen Widerstand von der Gemeinde.“
Herrmann, der ein Versicherungsbüro und eine Hausverwaltung führt, sieht sich als Sprachrohr der Mitglieder – alles selbstständige Geschäftsinhaber, Winzer, Gastronomen, Handwerker und Dienstleister, vorwiegend aus Maikammer, aber auch aus St. Martin und aus Kirrweiler. Wobei die Anzahl der Mitglieder aus Kirrweiler im Zuge der Fusions-Diskussion zurückgegangen sei: „Wir haben 15 Betriebe aus Kirrweiler verloren.“ Die Diskussion um die Fusion der Verbandsgemeinden Maikammer und Edenkoben habe „viel Porzellan zerschlagen“, stellt Herrmann fest. Diese wurde zwar Mitte 2014 vollzogen. Ein Jahr später urteilte der Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz jedoch, dass sie verfassungswidrig sei. Das Ganze wurde für viel Geld rückabgewickelt.
Sorge, dass der Ortskern ausblutet
Zurück in die Gegenwart: Herrmann sagt, die Werbegemeinschaft treibe die Sorge um, dass der Kern des rund 4300 Einwohner zählenden Ortes Maikammer ausbluten könnte, wenn die Besitzer alteingesessener Geschäfte in Ruhestand gehen. Schon jetzt sei, Stichwort Personalmangel, zu merken, dass es schwieriger werde, die vier verkaufsoffenen Sonntage (Maifest, Kerwe, Gartenmarkt, Deutsch-Französischer Bauernmarkt) durchzuziehen. Das Interesse der Betriebe, daran teilzunehmen, sei nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit, als man sogar Gewerbeschauen organisiert habe: „Die Firmen können und wollen nicht mehr, was dem Personalmangel geschuldet ist.“
Richtig sichtbar wird die Werbegemeinschaft hingegen in der Adventszeit: Sie verlost jedes Jahr zu Weihnachten Gutscheine im Wert von mehr als 4000 Euro, rund 3000 Stempelkarten werden jedes Jahr für die Verlosung eingereicht. Für dieses Jahr will Herrmann versuchen, einen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen, erste Gespräche seien geführt worden, er wolle nun Interessenten suchen, die mitmachen wollen: „Ein Ort in der Größe von Maikammer braucht einen Weihnachtsmarkt.“
Anmeldung
Die beiden Kandidaten für die Ortsbürgermeisterwahl, Markus Sell (SPD) und Volker Stephan (CDU), stellen sich am Mittwoch, 10. April, 18.30 Uhr, im Rassigakeller des Bürgerhauses Maikammer den Fragen von Winzern und Gewerbetreibenden. Anmeldung per WhatsApp unter: 06321 5046 oder per E-Mail an service.herrmann@concordia.de bis zum Montag. Die Versammlung richtet sich vorrangig an Gewerbe-Leute, auch an solche, die nicht Mitglied des Vereins sind.