Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Was Sportvereine sich von der Politik wünschen

Das Dach des TSG-Sportzentrums in Haßloch muss saniert werden. Die Kosen: 320.000 Euro.
Das Dach des TSG-Sportzentrums in Haßloch muss saniert werden. Die Kosen: 320.000 Euro.

In den Sportvereinen sind viele Mitglieder Erwachsene und damit Wähler. Somit sind Sportvereine im Fokus der Politiker. Doch was wünschen sich die Vereine von der Politik?

„Wir brauchen mehr Verbindlichkeit von der Politik“, fordert Rudolf Storck, Präsident des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz. Mit einem neuen Format, mit der Wahlarena, bringe sich der organisierte Sport schon jetzt in Stellung vor den Landtagswahlen am 22. März 2026. In der Wahlarena diskutieren Politiker und Sportfunktionäre miteinander. Hier werden laut LSB die Forderungen von 1,4 Millionen Sportlern im Land platziert. „Wir müssen uns in den Wahlprogrammen und letztlich auch in den Koalitionspapieren wiederfinden“, betont Rudolf Storck. Genau daran habe es in den vergangenen Jahren gehapert. Teilweise mit nur einem Satz fand sich der Sport laut LSB als größte Bürgerbewegung des Landes in den jeweiligen Abstimmungspapieren wieder.

Was genau wünschen sich Vereine in der Region? Der SC Neustadt und seine 479 Mitglieder, darunter sind 196 18 Jahre und älter und damit wahlberechtigt, sind auf eine öffentliche Sportstätte angewiesen. „Eine höhere Ausstattung von regionalen Sportstätten benötigen wir in Neustadt und Umgebung im Grunde nicht“, sagt der SCN-Vorsitzende Michael Heinz. „Wir sind mit Hambach und Neustadt sowie den umliegenden Sportstätten gut versorgt. Natürlich soll das so weiter bleiben, da wir alle wissen, dass Schwimmbäder als Sportstätte der öffentlichen Hand immer in Diskussionen sind.“

Schwimmen für Grundschüler

Es gebe jedoch durchaus mehrere Anregungen, dem Schwimmsport unter die Arme zu greifen, findet Michael Heinz. Er spricht damit die Wiederaufnahme des Schwimmunterrichts in Grundschulen an. Heinz: „Im Lehrplan der Grundschulen ist eigentlich der Schwimmsport verankert, wird jedoch seit vielen Jahren nicht mehr wahrgenommen. Wir versuchen dies nun durch private-öffentliche Kooperationen aufzunehmen.“ Eine finanzielle Unterstützung würde das Ganze beschleunigen wie vereinfachen.

Der TV Kirrweiler hat in seiner Reblandhalle sogar ein Blockheizkraftwerk.
Der TV Kirrweiler hat in seiner Reblandhalle sogar ein Blockheizkraftwerk.

Das Betriebsdefizit eines Schwimmbads werde von der Kommune, den Stadtwerken – wie im Fall Neustadt – oder städtischen Eigenbetrieben aus dem jeweiligen Haushalt beglichen, weiß Michael Heinz. Es gebe immer wieder Diskussionen, die Beiträge von Schwimmvereinen nach oben anzupassen, obwohl diese nur unwesentlich zu einem Ausgleich des Defizits beitrügen, sagt der SCN-Vorsitzende. „Jede Erhöhung führt jedoch zu einer Anpassung der Beitragsregel, was wiederum die Hürde für dauerhafte Mitglieder erhöht.“ Stattdessen sollten Bund, Land und Kreis Schwimmsportstätten finanziell unterstützen, um sicherzustellen, dass diese Anlagen kurz-, mittel- und langfristig der Öffentlichkeit zur Verfügung stünden.

Eine Erhöhung der steuerfreien Freibeträge eines Übungsleiters regt der SCN-Vorsitzende ebenso an: „Sie sollten eigentlich schon laut Koalitionsvertrag zum 25. April auf 3300 Euro steigen.“

Ehrenamtspauschale?

Heike Hepp, Vorsitzende des TV Weidenthal, denkt an eine Ehrenamtspauschale, um vor allem die Wertschätzung der Menschen in Ehrenämtern zu erhöhen: „Sie opfern ihre Zeit, nutzen ihr privates Auto und müssen sich oft noch dumme Sprüche anhören.“ Laut Bundesinnenministerium ist die Ehrenamtspauschale im Gegensatz zur Übungsleiterpauschale nicht auf bestimmte begünstigte Tätigkeiten beschränkt. Im TV Weidenthal treiben rund 600 Mitglieder Sport. Rund 500 davon sind Erwachsene.

Wie der SCN ist auch der Turnverein auf eine öffentliche Sportstätte, die Schulsporthalle, angewiesen. „Wir haben immer eine positive Rückmeldung bekommen, wenn wir Verbands- oder Ortsgemeinde angesprochen haben – die haben uns immer mehr unterstützt als gebremst“, betont Hepp, wohl wissend, dass die Gemeindekassen „ja alle defizitär sind“.

Hohe Energiekosten

An Unterstützung mangelt es auch dem TV Kirrweiler nicht, in dem 1089 Mitglieder, davon 628 18 Jahre und älter, zu Hause sind. Dem Verein gehört die Reblandhalle. „Wir mussten unsere Außenwand sanieren“, berichtet die Vorsitzende Meike Anton, selbst ein Mitglied des Kirrweilerer Gemeinderats. Die Kosten: 65.000 Euro. Die Ortsgemeinde habe einen Zuschuss von 20.000 Euro gegeben. „Und dann haben wir noch 19.100 Euro vom Sportbund aus Landesmitteln bekommen“, informiert Anton. Die TVK-Vorsitzende weiß aber, wo ihrem wie anderen Vereinen mit eigener Sporthalle der Schuh drückt: „Bis auf die Sommerpause ist die Halle das ganze Jahr über in Betrieb. Die Energiekosten sind schon ein Pfund.“ Der TV Kirrweiler habe die Lampen in der Halle auf LED-Technik umgerüstet, habe ein Blockheizkraftwerk. „Wir gucken, dass wir Kosten einsparen können.“ Sie wünscht sich Sonderpreise von den Energieversorgern für Vereine mit eigenen Gebäuden.

Der SC Neustadt ist auf öffentliche Schwimmbäder, hier das Stadionbad, angewiesen.
Der SC Neustadt ist auf öffentliche Schwimmbäder, hier das Stadionbad, angewiesen.

In Kirrweiler versuchten sie nicht nur Energie zu sparen, so Anton. Sie organisierten zudem Biergärten, Oktoberfest, Winterzauber, um mit den Einnahmen daraus die Halle zu unterhalten. „Dafür brauchen wir Helfer“, sagt Anton und weiß, dass „wir den Eltern und Mitgliedern einiges abverlangen“. Denn pro Jugendhandballspiel seien immer zwei Eltern als Zeitnehmer plus die Eltern im Ausschank im Einsatz – und die Handballsaison dauere von September bis Ende April, Anfang Mai.

Großer Verwaltungsaufwand

Eine eigene Halle unterhält auch die TSG Haßloch. Die anstehende Dachsanierung koste 320.000 Euro, informiert der Vorsitzende Hans-Jürgen Armbrust. „Das Land bezuschusst uns mit 50 Prozent. 20 Prozent bekommen wir von der Gemeinde dazu“, sagt er zur finanziellen Unterstützung. „Für den Rest müssen wir einen Kredit von 110.000 Euro aufnehmen.“ Was er sich von der Politik wünscht: weniger Bürokratie. „Für die Dachsanierung haben wir eine Checkliste bekommen, auf der wir 25 Punkte abarbeiten müssen, obwohl wir das schon zwei-, dreimal alles mitgeteilt haben“, kritisiert Armbrust den großen Verwaltungsaufwand. Land und Gemeinden böten mittlerweile zwar viele Aktionen, um Vereine zu unterstützen. „Doch dies ist zeitaufwendig, weil es in Sitzungen mündet, an denen Vertreter von Land und/oder Gemeinde teilnehmen.“

Armbrust hat weitere Bürokratie-Beispiele parat: Es gebe viele Gelder, die man als Verein abrufen könne. „Meist müssen wir aber vorher eine Aktion starten, müssen die dokumentieren und im Nachgang Abrechnung und Dokumentation liefern.“ Das lohne sich nicht immer, sagt er und nennt einen Rollstuhlparcours im Wert von 500 Euro: „Da hocke ich mich zig Stunden hin, begleite das Ganze und muss noch Übungsleiter mit hinzunehmen.“

Höhere Zuschüsse für Übungsleiter

Wie den anderen Vorsitzenden liegen auch dem Haßlocher die Übungsleiter am Herzen. „Uns wäre wichtig, wenn die Zuschüsse für Übungsleiter und Vereinsmanager grundlegend erhöht würden“, sagt Armbrust. „Wir bekommen pro Übungsleiter einen Zuschuss von 1,50, 1,60 Euro pro Stunde – wir müssen denen aber mindestens fünf Euro zahlen“, rechnet der Vorsitzende vor. In Wirklichkeit seien es je nach Sportart acht bis zwölf Euro. „Wenn hier mehr investiert würde, hätten wir mehr Geld, das uns direkt hilft – ohne bürokratischen Aufwand.“ Die TSG mit ihren 1150 Mitgliedern – darunter 650 Erwachsene – habe insgesamt rund 60 Übungsleiter im Einsatz. „Ich habe pro Woche im Schnitt 20 bis 30 Stunden Arbeit mit der TSG. Ich bin Rentner. Ein arbeitender Normalsterblicher kann das ehrenamtlich gar nicht schaffen“, sagt Armbrust und klagt über „Bürokratismus hoch drei“.

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